Keine Kürzungen der KMU-Förderung
Massive Kürzungen von EU-Geldern für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind vorerst ab...
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Nicht nur Händler an der Wall Street entscheiden auf Grundlage von Ratings. Aber was sind die Bewertungen noch wert, wenn sie jahrelang fahrlässig zum Realitätsverlust führten? Foto: dpa.
Aktuell - Mittwoch 25 November 2009 - Unternehmen und Arbeit
Ist die nächste Finanzkrise vorprogrammiert? In einem Schlüsselbereich des Finanzmarkts besteht dringender Handlungsbedarf, analysiert DIW-Expertin Dorothea Schäfer auf EurActiv.de. Fahrlässig haben die drei großen privaten Rating-Agenturen Schrottpapiere überbewertet und den Beinahe-Kollaps des Finanzsystems mitverantwortet. Den privaten "Notengebern" muss eine öffentliche Rating-Agentur zur Seite gestellt werden, fordert Schäfer - denn das Vertrauen der Anleger ist erschüttert.
Anfang Juli 2009 habe ich auf einer Investorenkonferenz die Agenda des DIW Berlin für eine neue Finanzmarktarchitektur vorgestellt. Nichts erregte die Aufmerksamkeit der anwesenden Anleger mehr als unsere Forderung nach der Schaffung einer öffentlichen Rating-Agentur. Viele der teilnehmenden Privatanleger erhofften sich von deren Existenz einen großen Nutzen für ihre Investitionsentscheidungen. Einige kritisierten sogar vehement, dass unser Vorschlag bereits mit einem eingebauten Exit des Staates – Privatisierung der Agentur nach Überwindung der Krisenauswirkungen – daherkam. Offenbar ist der Glauben an die Ratingurteile insbesondere der drei großen, kommerziellen Agenturen Moody's, Standard & Poor's und Fitch nachhaltig erschüttert.
Die "großen Drei" haben wesentlich zum Boom im Subprime-Verbriefungsmarkt und damit zur Immobilienblase beigetragen. Über Jahre hinweg haben sie die Risiken der komplexen Subprime-Wertpapiere als viel zu niedrig eingestuft. Der fahrlässige "Optimismus" der Rating-Agenturen, jenseits aller Realitäten im Subprime-Markt, lässt sich nicht nur durch ein schlechtes Bewertungsmodell erklären. Er ist vor allem den gesetzten Anreizen zu verdanken: Von günstigen Rating-Urteilen haben die Agenturen einfach mehr profitiert als von ungünstigen.
Mit der unausweichlichen, dramatischen Herabstufung der Subprime-Wertpapiere ging dann auch ein Gutteil der Glaubwürdigkeit der Rating-Agenturen verloren. Anleger, die jetzt eine Investitionsentscheidung treffen müssen, werden daher den Urteilen der Rating-Branche nur mit großer Skepsis folgen. Man muss sogar befürchten, dass der Glaubwürdigkeitsverlust der wichtigsten "Notengeber" Investitionsentscheidungen erschwert und die Bereitschaft zu investieren hemmt.
Einen Ausweg bietet hier die Einrichtung einer öffentlichen Rating-Agentur. Gleichzeitig muss das Einholen einer "Note" von der öffentlichen Agentur verbindlich gemacht werden. Das heißt jedes Verbriefungsprodukt muss zukünftig zwei obligatorische Rating-Urteile vorweisen können, eines davon von der öffentlichen Agentur. Eine nachhaltige Aufhebung des Verdachts auf Urteile, die durch private Gewinninteressen verzerrt sind, wäre die Folge. Gleichzeitig käme mehr Wettbewerb um die beste "Note" in Gang. Um den "großen Drei" etwas Vergleichbares entgegensetzen zu können, sollten sich die EU-Staaten dazu durchringen, eine gemeinsame öffentliche Agentur aufzubauen. Die ökonomischen Grundlagen dafür sind innerhalb der Eurozone vorhanden. Unter dem Dach der EZB unterhalten die nationalen Zentralbanken bereits jetzt entsprechende Bewertungsabteilungen. Im Tandem mit der geplanten Regulierung der Branche würde so dem Vertrauensverlust nachhaltig Paroli geboten.
PD Dr. Dorothea Schäfer ist
Forschungsdirektorin Finanzmärkte am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin. Weitere Publikationen zu Ursachen, Folgen und Lehren aus der Finanzkrise finden Sie
hier. Der Standpunkt ist erstmals unter dem Titel "Eine öffentliche europäische Rating-Agentur - wir brauchen sie jetzt" im DIW-Wochenbericht Nr.38 am 16. September 2009 erschienen. 
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