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28/07/2016

“Warum ist Minister Guttenberg so feige?”

Wahlen und Macht

“Warum ist Minister Guttenberg so feige?”

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg wehrt sich gegen den Vorwurf, seine Doktorarbeit sei ein Plagiat. Er werde aber vorübergehend auf seinen Doktortitel verzichten, erklärte der CSU-Politiker, ohne sich Fragen der Presse zu stellen. Fot

Karl-Theodor zu Guttenbergs Umgang mit der Plagiats-Affäre steht scharf in der Kritik. Journalisten werfen ihm Feigheit vor.

Die Hauptstadtjournalisten warteten am Freitag um 11.30 Uhr in der Bundespressekonferenz vergeblich auf Erklärungen zur Affäre um die Doktorarbeit von Karl-Theodor zu Guttenberg. Ein Sprecher verwies zur Überraschung der Anwesenden auf eine zeitgleiche Stellungnahme des Ministers vor "ausgewählten Medienvertretern". Darin verteidigte sich Guttenberg gegen Plagiatsvorwürfe und kündigte an, seinen Doktortitel vorübergehend bis zu einer Klärung ruhen zu lassen. Statt sich also den kritischen Fragen von Journalisten zu stellen, beließ es der Minister bei einer kurzen Erklärung.

"Dieses Verfahren halten wir nicht für fair", kritisierte Werner Gößling, Vorsitzender der Bundespressekonferenz, unter Beifall der Medienvertreter. "Ich bin baff, dass Ihr Minister so ein Feigling ist", griff der Journalist Dieter Wonka (Leipziger Volkszeitung u.a.), den Ministeriumssprecher an. "Können Sie mir mal erklären, warum er (Guttenberg) nicht die Traute hat, sich hier den Fragen zu stellen?". Er erachte es als eine "Brüskierung der Bundespressekonferenz", dass die zeitgleiche Erklärung des Ministers nicht einmal schriftlich vorliege. Die schlichte Antwort des Sprechers: "Er hat sich so entschieden, wie er sich entschieden hat. Ich habe das nicht zu kommentieren."

Wonka stellte den Antrag, die "Witzveranstaltung" abzubrechen. Gößling wies das zurück, schließlich hätten einige Journalisten möglicherweise Interesse an anderen Informationen. Regierungssprecher Steffen Seibert fuhr mit der Terminvorschau für die kommende Woche fort. Die meisten Journalisten verließen demonstrativ den Saal und schauten auf einen Fernseher im Foyer. Dort war Guttenberg bei seiner Erklärung zu sehen – ohne Ton.

Guttenberg entschuldigt sich

Am Nachmittag hat sich Guttenberg für seine Informationspolitik entschuldigt. "Leider wird es gerade in meinem Ressort immer wieder Ereignisse geben, die einen gesetzten Zeitplan durcheinanderbringen. Es ist selbstverständlich, dass ich künftig versuchen werde, Parallelunterrichtungen zu vermeiden", so der Minister in einem Brief an die Bundespressekonferenz.

Die Bundespressekonferenz (BPK) ist ein Zusammenschluss von Journalisten. Die BPK lädt Regierungsvertreter traditionell zur Pressekonferenz in ihr Haus in Berlin-Mitte.

awr