Hunderttausende auf der Straße: In Katalonien wird es ernst

Die Unabhängigkeitsbewegung Kataloniens ist weiterhin stark. [Day Donaldson/Flickr]

Katalonien steuert auf eine Konfrontation mit dem spanischen Staat zu. Bis zu einer Millionen Menschen demonstrierten laut Polizeiangaben am gestrigen Montag in Barcelona für die Unabhängigkeit. Am 1. Oktober will die Regionalregierung ein Referendum abhalten. Die Zentralregierung will das „mit allen Mitteln“ verhindern.

Anlässlich des katalanischen Nationalfeiertages versammelten sich die Demonstrierenden und bildeten ein riesiges Kreuz aus Menschen. Am 11. September gedenken die Katalanen der Eroberung Barcelonas durch spanische und französische Truppen im Erbfolgekrieg von 1714.

Zuletzt stand der Feiertag stets im Zeichen des tief verwurzelten Strebens nach Unabhängigkeit. Die Katalanen haben ihre eigene Geschichte, ihre eigene Kultur und Sprache. Viele empfinden sich nicht als Spanier. In den Jahren der Krise seit 2010 ist der alte Wunsch nach einem eigenen Staat neu aufgeflammt. Die Katalanen sind mit dem Sparkurs der Zentralregierung nicht einverstanden und wollen als größter Nettozahler im Verteilsystem zwischen den Regionen die Hoheit über ihre Steuereinnahmen.

Die Zentralregierung in Madrid zeigte sich stets kompromisslos. Zugeständnisse gab es nicht. So verhärteten sich die Fronten immer weiter. Seit den Regionalwahlen 2015 regiert in Katalonien eine Mehr-Parteien-Koalition von Unabhängigkeitsbefürwortern, deren zentrales Ziel darin besteht, ihre Region von Spanien loszulösen.

Katalonien: Regierung ebnet Weg für Unabhängigkeitsreferendum

Kataloniens Regierung hat am Mittwochabend ein umstrittenes Gesetz unterzeichnet, das den Weg für ein Unabhängigkeitsreferendum der spanischen Region ebnen soll.

Madrid erkennt das Referendum jedoch nicht an. Die Unabhängigkeit Kataloniens sei eine Frage, die ganz Spanien betreffe und die daher nicht von den Katalanen allein getroffen werden könne. Ministerpräsident Mariano Rajoy bezeichnete das Referendum als „illegal“. Er wolle es mit allen Mitteln verhindern.

Damit steuern beide Seiten unweigerlich auf eine Konfrontation zu, deren Ausgang ungewiss scheint. Die Regionalregierung zeigt sich entschlossen, im Falle eines Ja beim Referendum die Unabhängigkeit zu erklären und zu vollziehen. Die technische Abwicklung werde vorbereitet.

Stünde am Ende der Auseinandersetzung tatsächlich die Abspaltung, würde Katalonien wohl auch aus der EU ausscheiden. In dieser Frage sind sich die Unabhängigkeitsbefürworter uneins. Eine EU-Mitgliedschaft würde jedoch voraussichtlich einen neuen Beitrittsantrag erfordern, dem auch Spanien zustimmen müsste. Das scheint eher unwahrscheinlich.