Frankreich: Hamon versus Valls – wer schneidet im Umweltvergleich besser ab?

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Benoît Hamon geht als Überraschungskandidat in den sozialistischen Vorwahlen gegen Ex-Premierminister Manuel Valls ins Rennen. [Ulysee Bellier/ Flickr]

Mit dem spätem Einzug von Benoît Hamon ins Rennen um die französische Präsidentschaft drängt ein weiterer interessanter Akteur auf die politische Bühne. EURACTIV-Kooperationspartner Journal de l’Environnement vergleicht seine Umweltbilanz mit der seines sozialistischen Mitstreiters Manuel Valls.

Schlechte Angewohnheiten lassen sich nur schwer ablegen. Auch wenn das Thema Umwelt natürlich bei beiden sozialistischen Präsidentschaftsanwärtern im Wahlprogramm steht, bleibt es in der politischen Debatte meist außen vor. Dies zeigte sich zum Beispiel bei Valls Pressekonferenz vom 3. Januar. In weniger als einer Minute beschränkte sich der ehemalige Premierminister auf zwei Umweltaspekte: „Pestizide und Feinstaub“. Für eine gesunde Umwelt zu sorgen, müsse zu „einer der größten nationalen Aufgaben“ gemacht werden. Außerdem gelte es angesichts des Klimanotstandes, die Industriepolitik zu reformieren, so Valls. Weitere Themen finden sich auf seiner Wahlkampf-Website.

Energiewende

Benoît Hamon will die Atomenergie „so schnell wie möglich reduzieren“, nennt hierfür jedoch keinen genauen Zeitplan. Valls möchte die Kraftwerke nur sicherer machen.

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Beide Kandidaten befürworten die Ziele für erneuerbare Energien. Hamon setzt sich für ehrgeizige 50 Prozent bis 2025 ein, Valls für 32 Prozent bis 2030.

Beim Thema Wärmeisolierung ist Valls ausnahmsweise spezifischer als sein sozialistischer Mitstreiter. Er will eine Million Gebäude pro Jahr sanieren. Hamon konzentriert sich eher auf die Schaffung von sozialem Wohnraum.

Ein weiterer Unterschied in den Wahlprogrammen zeigt sich bei der Diesel-Frage. Bis 2025 will Hamon die Dieselnutzung einstellen. Der ehemalige Premierminister gibt sich etwas vorsichtiger. Er bietet lediglich eine Konvergenz bei der Diesel- und Benzinsteuer an und verspricht, den öffentlichen Verkehr weiterzuentwickeln.

Selbst beim Thema Gesundheit scheinen sie unterschiedlicher Meinung zu sein. Während Hamon die meisten schädlichen Pestizide wie Glyphosat verbieten lassen möchte,  erklärt Valls nur kryptisch, er wolle „ein Landwirtschaftsmodell, das den Anforderungen der ökologischen Gesundheit gerecht wird“.

Kreislaufwirtschaft und Recycling

Auch in Sachen Kreislaufwirtschaft sind Hamons Pläne konkreter und ambitionierter als die seines Konkurrenten. Bis 2022 sollen ihm zufolge 50 Prozent der Abfälle recycelt werden. Darüber hinaus verspricht er, die Mehrwertsteuer für besonders umweltfreundliche Produkte zu senken. Auch Valls will die Kreislaufwirtschaft unterstützen, verrät nur nicht wie. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass die EU im Rahmen ihres Pakets für die Kreislaufwirtschaft bis 2030 ein Recycling-Ziel von 65 Prozent für Siedlungsabfälle vorschreiben könnte – unabhängig davon, was Frankreichs Kandidaten letzten Endes vorschlagen.

Unter einer Valls-Präsidentschaft, würde Frankreich den geplanten Flughafen Aéroport du Grand Ouest im Westen des Landes bauen. Hamon hingegen will das Projekt streichen, „um unsere Einbußen zu verringern“. Das Flughafenprojekt zog bereits den geballten Zorn der Anwohner auf sich und spaltete das politische Meinungsbild.

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