EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

25/09/2016

Eurobarometer: Meine Stimme zählt nicht

Wahlen und Macht

Eurobarometer: Meine Stimme zählt nicht

Die Menschen haben ihr Vertrauen in die EU-Institutionen und ihre Vertreter verloren. Auf dem Bild (v.l.n.r.): Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Ratspräsident Herman Van Rompuy und Parlamentspräsident Martin Schulz. Foto: Rat der EU

Viele Europäer haben kein Vertrauen mehr in die politischen Institutionen – egal ob in die EU oder national. Zugleich haben immer mehr Menschen das Gefühl, dass ihre Stimme in der EU nicht zählt. Beim Blick in die Zukunft überwiegt vor allem in Südeuropa deutlicher Pessimismus.

Der Vertrauensverlust in die politischen Institutionen setzt sich weiter fort. Das bestätigen die Ergebnisse der aktuellen Eurobarometer-Umfrage (Frühjahr 2013). Demnach ist das Vertrauen in die Europäische Union um zwei Prozentpunkte auf 29 Prozent gesunken und liegt aktuell wieder auf dem Tiefpunkt vom Frühjahr 2012. Noch weniger Vertrauen haben die Bürger dagegen in ihre nationalen Regierungen (25 Prozent, -2) und nationalen Parlamente (26 Prozent, -2).

Die Menschen fühlen sich der EU dabei zumeist hilflos ausgeliefert: Mehr als zwei Drittel der Europäer sind der Meinung, dass ihre Stimme in der EU nicht zählt (67 Prozent). Dies entspricht einem Anstieg um drei Prozentpunkte seit der letzten Umfrage und markiert gleichzeitig den Höchststand seit Einführung dieser Frage im Herbst 2004. Der Anteil der Befragten, die der Meinung sind, dass ihre Stimme in der EU nicht zählt, ist seit der Frühjahrsumfrage 2009 fast kontinuierlich von 53 Prozent auf jetzt 67 Prozent gestiegen.

Dieses Gefühl, dass die eigene Stimme nicht zählt, findet sich in fast allen (24) Mitgliedsstaaten. Am weitesten verbreitet ist diese Meinung in Griechenland (89 Prozent), auf Zypern (89 Prozent), in Portugal (81 Prozent), Tschechien (81 Prozent), Italien (78 Prozent), Estland (77 Prozent) und Spanien (77 Prozent). In Deutschland glauben 36 Prozent der Befragten, dass ihre Stimme in der EU zählt, 59 Prozent glauben nicht daran.

Zukunft der EU

Bei der Frage nach der Zukunft der EU sind die Europäer gespalten: Während fast die Hälfte der Befragten die Zukunft der EU optimistisch sieht (49 Prozent, -1), sehen 46 Prozent (+1) diese Zukunft pessimistisch.

Ein Blick in die Statistik macht die länderspezifischen Unterschiede deutlich. So blickt in 19 Ländern eine Mehrheit der Befragten nach eigenen Angaben optimistisch in die Zukunft der EU, allen voran in Dänemark (72 Prozent), Estland (64 Prozent), Litauen (64 Prozent), auf Malta (63 Prozent) und in Polen (63 Prozent).

Am anderen Ende des Spektrums finden sich neun Länder, in denen eine Mehrheit der Befragten die Zukunft der EU pessimistisch sieht. Das betrifft insbesondere Portugal (67 Prozent), Zypern (69 Prozent) und Griechenland (69 Prozent). Die pessimitische Stimmung überwiegt allerdings auch in Tschechien (56 Prozent), Großbritannien (54 Prozent), Spanien (52 Prozent), Frankreich (52 Prozent) und Italien (51 Prozent). In Deutschland sind 55 Prozent eher optimistisch und 39 Prozent eher pessimistisch.

Das Image der EU bleibt ebenfalls problematisch. Ein knappes Drittel (29 Prozent) der Europäer hat ein negatives Bild von der EU, ein knappes Drittel (30 Prozent) hat ein positives Bild und ein reichliches Drittel der Europäer (39 Prozent) hat ein neutrales Bild von der EU.

mka

Links

Eurobarometer 79: Erste Ergebnisse (Frühjahr 2013)

Zum Thema auf Euractiv.de

Vertrauen der Menschen in EU sinkt (14. Mai 2013)

Euroskepsis: EU stürzt sich in Vertrauenskrise (25. April 2013)