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22/01/2017

Poroschenko: „Wir führen einen echten Krieg mit Russland“

Ukraine und EU

Poroschenko: „Wir führen einen echten Krieg mit Russland“

Ukraines Präsident Petro Poroschenko

[ImageLink Photography/Dennis Kan]

Die Ukraine-Krise spitzt sich erneut zu: Die Regierung in Kiew führt der Öffentlichkeit nach Kämpfen in Lugansk zwei gefangene russische Soldaten vor. Präsident Petro Poroschenko sieht das als Beweis für einen „echten Krieg“ mit Russland.

Die Ukraine befindet sich nach den Worten von Präsident Petro Poroschenko in einem „echten Krieg“ mit Russland. „Das ist nicht ein Kampf gegen Separatisten, die von Russland unterstützt werden, das ist ein echter Krieg mit Russland“, sagte Poroschenko in einem am Mittwoch ausgestrahlten Interview mit dem britischen Rundfunksender BBC. Die Tatsache, dass die ukrainischen Streitkräfte „reguläre russische Soldaten“ gefangen hätten, sei dafür ein „starker Beweis“.

Kiew hatte Medienvertretern am Dienstag zwei gefangene mutmaßliche russische Soldaten vorgeführt. Die Männer wurden nach Angaben der ukrainischen Regierung bei Kämpfen in der Separatistenhochburg Lugansk im Osten des Landes gefangen genommen. In einer aufgezeichneten Befragung gaben sie an, sie gehörten zu einer 200 Mann starken russischen Aufklärungseinheit, die vor fast zwei Monaten in das Kampfgebiet gekommen sei. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, die Gefangenen seien „ehemalige russische Soldaten“.

Seit Montag wurden bei Gefechten in der Ostukraine acht ukrainische Soldaten getötet. Kiew macht das Eindringen weiterer russischer Truppen in das Gebiet für das Aufflammen der Gewalt verantwortlich. „Ich glaube, sie bereiten eine Offensive vor“, sagte Poroschenko der BBC. „Wir sollten darauf vorbereitet sein und ihnen keine Chance zu einer Provokation geben.“

Bei den Kämpfen in der Ostukraine wurden seit Beginn des Konflikts vor 13 Monaten nach UN-Angaben 6250 Menschen getötet. Die Konfliktparteien hatten sich im Februar auf einen von Deutschland und Frankreich vermittelten Waffenstillstand geeinigt, der seitdem jedoch mehrfach gebrochen wurde.

Ukraine fordert konkrete Beitrittsperspektive

Vor dem zweitägigen Gipfeltreffen der Europäischen Union mit ihren östlichen Nachbarstaaten hat der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin eine konkrete EU-Beitrittsperspektive und Visafreiheit für sein Land gefordert.

„Mein Land erwartet von dem Gipfeltreffen die Anerkennung als europäischer Staat“, sagte Klimkin der „Welt“. „Wir möchten jetzt in Riga die konkrete Zusicherung erhalten, dass die Ukraine für eine künftige Mitgliedschaft in der Europäischen Union geeignet ist und die Chance hat, in Zukunft Beitrittskandidat zu werden.“

Die Ukrainer wollten „Licht am Ende des Tunnels sehen“ und bräuchten „dringend eine europäische Perspektive“, sagte Klimkin. Dies würde der Stimmung und dem Reformprozess in der Ukraine einen „unglaublichen Schub“ verleihen.

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