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28/07/2016

Fracking: Shell bekommt Schiefergas-Zugang in der Ukraine

Ukraine und EU

Fracking: Shell bekommt Schiefergas-Zugang in der Ukraine

Der ukrainische Ministerpräsident Mikola Azarow. Foto: dpa

Die Ukraine wird diese Woche mit dem Energiekonzern Shell einen Vertrag über die Förderung von Schiefergas im Osten der Ukraine unterschreiben. Ein weiterer Fracking-Deal in der Westukraine scheiterte dagegen am lokalen Widerstand.

Die ukrainische Regierung wird am Donnerstag, 24. Januar, einen Vertrag über die Förderung von Schiefergas in der Ostukraine mit dem britischen Energiekonzern Shell unterschreiben. Das kündigte der ukrainische Ministerpräsident Mykola Azarow am Freitag vor ausländischen Journalisten in Kiew an. Die Regionalparlamente in Charkiw und Donezk hätten die dafür notwendige Zustimmung erteilt. Die Ukraine werde über die Entwicklung des Yuzivska-Gasfeldes in der Region jährlich 8 bis 11 Milliarden Kubikmeter Erdgas zusätzlich erhalten, begrüßte Azarow die Entscheidung.

Investitionen in Milliarden-Höhe

Der für Umwelt und natürliche Ressourcen zuständige Minister Oleh Proskuryakow erklärte, dass die Förderung der ukrainischen Gasreserven "nicht nur die Energieunabhängigkeit der Ukraine stärken, sondern auch den Gaspreis [,den die Ukraine für russische Gasimporte bezahlt,] signifikant senken" werde.

Außerdem sei der Vertrag mit Shell die bisher größte Investitionsvereinbarung des Landes, so Proskuryakow. Shell rechne mit Investitionen zwischen 10 Milliarden US-Dollar (etwa 7,5 Milliarden Euro) und 50 Milliarden US-Dollar (etwa 37,4 Milliarden Euro).

Widerstand im Westen der Ukraine

Ein zweiter geplanter Fracking-Deal in der Olesko-Region (Westukraine) mit dem amerikanischen Energierkonzern Chevron Corporation scheiterte dagegen am Veto der Regionalparlamente in Lviv (Lemberg) und Iwano-Frankiwsk. Azarow bedauerte die Ablehnung und sprach davon, dass im Westen der Ukraine die Dinge langsam voran gingen.

Debatte um Europas Schiefergas-Reserven

Die Ukraine verfügt über 1,2 Billionen Kubikmeter Schiefergas, schätzen die Experten der U.S. Energy Information Administration (EIA). Damit hat die Ukraine die drittgrößten Schiefergas-Reserven Europas nach Norwegen und Frankreich.

Die Förderung nicht-konventioneller Gasreserven aus tiefen geologischen Gesteinsformationen mittels Hydraulic Fracturing (Fracking) ist umstritten, weil chemische Lösungen verwendet werden, die bei unzulänglicher Technik und zu geringen Vorsichtsmaßnahmen zu Umwelt- und Gesundheitsschäden führen können.

mka

EurActiv Brüssel: Ukraine readies giant shale gas deal with Shell (18. Januar 2013)

Links


Dokumente

Regierung der Ukraine: Mykola Azarov: Agreement on distribution of gas extraction products with Shell will be inked on January 24 (18. Januar 2013)

Thomas More Institute: Shale Gas in Europe. Comparative Analysis in 14 European Countries (Dezember 2012)

EIA: World shale gas Resources: an initial assessment of 14 regions Outside the United States. (April 2011)

BGR: Initiates file downloadAbschätzung des Ergaspotenzials aus dichten Tongesteinen (Schiefergas) in Deutschland (Mai 2012)

EU-Kommission:
Consultation on unconventional fossil fuels (e.g. shale gas) in Europe

EU-Kommission: Report on unconventional gas in Europe (8. November 2011)

EU-Parlament: Schiefergas: Abgeordnete fordern stabilen Rechtsrahmen für "Fracking" (21. November 2012)

Zum Thema auf EurActiv.de

Fluch oder Segen: Schiefergas und Fracking in der EU (9. Januar 2013)

YellowPaper: Hydraulic Fracturing (Juni 2012)

Fracking: Öffentliche Konsultation zu Schiefergas und Co (21. Dezember 2012)

Fracking: "Risiken nicht unter den Teppich kehren" (21. November 2012)

Hollande: Aus für AKW Fessenheim und Fracking (17. September 2012)

Neues Umweltgutachten: Kein Verbot von Fracking (6. September 2012)