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19/01/2017

Nicht alles glänzt in Košice

Stadt der Zukunft

Nicht alles glänzt in Košice

Gemeinsam mit Marseille ist Košice Kulturhauptstadt Europas 2013. Foto: dpa

Košice und Marseille sind die europäischen Kulturhauptstädte 2013. Damit gehen viele kulturelle Veranstaltungen einher. Abseits der Festivitäten sieht die Realität in beiden Städten jedoch anders aus.

Košice ist die erste Stadt in der Slowakei, die den Titel der Kulturhauptstadt Europas erhalten hat. Den Titel teilt sich die zweitgrößte Stadt des Landes mit dem französischen Marseille. Am 19. und 20. Januar fanden die Eröffnungsfeierlichkeiten statt. In Košice waren der slowakische Präsident Ivan Gasparovic, Ministerpräsident Robert Fico und der Parlamentspräsident Pavol Paska zugegen. Die EU-Kommission wurde von dem slowakischen Kommissar Maroš Šef?ovi?, zuständig für institutionelle Beziehungen und Verwaltung, sowie Kulturkommissarin Androulla Vassiliou vertreten.

75 Millionen Euro für Kultur

"Ich bin mir sicher, dass die Stadt, die Region und das ganze Land diese Gelegenheit zur langfristigen Entwicklung ergreifen und die kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Chancen nutzen werden, die dieses Kulturhauptstadtjahr ihnen bietet. Die Veranstaltung wird nicht nur den Bekanntheitsgrad Košices erhöhen, sondern ich hoffe auch, dass die Stadt das Jahr 2013 dazu nutzen wird, das Zugehörigkeitsgefühl Bürger zur EU zu stärken", sagte Vassiliou.

Košice liegt im Osten der Slowakei und somit nicht nur geografisch eher abseits in der europäischen Wahrnehmung.  Dies soll sich nach dem Willen der Veranstaltungsorganisatoren nun ändern. Für die Veranstaltung "Kulturhauptstadt Europas" stehen in Košice rund 75 Millionen Euro zur Verfügung. Der Beitrag der EU beläuft sich auf 57,3 Millionen Euro. Den Rest muss Košice kofinanzieren, zusammen mit dem Kultusministerium und Subventionen aus der Wirtschaft.  

Dies geht auch mit Kritik einher. In einer Region, in der jeder fünfte arbeitslos ist, könnte demzufolge das Geld auch anders investiert werden als in solch ein Prestigeprojekt.  Zudem sind viele Vorhaben auch nach der Eröffnung noch gar nicht fertig umgesetzt, wie die Umwandlung eines ehemaligen Schwimmbades in eine Kunsthalle.

Verdrängung ethnischer Minderheiten

Eine besondere Rolle spielen in Košice die Roma. International ist die Stadt als ein Zentrum der Roma bekannt. Nach den Magyaren sind die Roma mit rund 5.000 Menschen die zweitgrößte ethnische Minderheit in der Stadt. In der Kulturlandschaft Košices spielen sie eine besondere Rolle. So gibt es neben den slowakisch-sprachigen Theatern auch eines in Romani, der Sprache der Roma, und Aufführungen in der Sprache der ungarischen Minderheit. Die Stadt wirbt mit ihrer Multikulturalität und im Laufe des Jahres soll eine Reihe an Roma-Veranstaltungen stattfinden.

"Ich schätze die einzigartige Kultur und Originalität in Košice und der Ostslowakei, die einen wesentlichen Beitrag des slowakischen kulturellen Lebens ausmacht. Es gibt ihm eine gewisse Größe, und sicherlich ein europäisches Selbstbewusstsein", sagte Ministerpräsident Fico.

Die meisten Roma leben jedoch abseits, am Rand der Stadt und der Gesellschaft, unter ärmsten Bedingungen. Im Alltag wurde die vielfältige Kultur in der Stadt und der Region bisher gern ignoriert, kritisieren nationale und europäische Medien. Daran könne auch die Einbeziehung der Roma in die Kulturprojekte kaum etwas ändern.

Während Marseille seine Problemviertel, die bis zuletzt mit Bandenkriminalität Schlagzeilen gemacht hatten, in die Feierlichkeiten einbezieht, bleiben die Vororte in Košice außen vor. Auch wenn sich die slowakische 240.000-Einwohner-Stadt momentan von ihrer besten Seite zeigt, bleiben die Probleme bestehen.

Chancen für Košice

"Košice 2013" präsentiert die Stadt als Knotenpunkt der alten Ost-West-Routen.  Košice liegt im Länder-Eck Polen-Ukraine-Slowakei-Ungarn. Das Projekt Europäische Kulturhauptstadt (ECOC) ist für die Stadt deshalb auch im Hinblick auf sozio-ökonomische Entwicklung wichtig. Nach einer Analyse der EU, stieg die Zahl der Touristen in Kulturhauptstädten um durchschnittlich 12 Prozent. In Liverpool (2008) und der rumänischen Stadt Sibiu (2007) um etwa 25 Prozent.

Kulturminister Marek Ma?ari? hat die "Kulturhauptstadt Europas" als das wichtigste und größte Kulturprojekt in der Geschichte der Slowakei beschrieben. "Es ist zweifellos ein weiterer wichtiger Meilenstein in der slowakischen Erfolgsgeschichte für die nächsten 20 Jahre."

Der Bürgermeister von Košice, Richard Rasi, erklärte: "Ich sage stolz, dass wir diese einzigartige Chance nutzen werden und so unsere Zukunft für die kommenden Jahre beeinflussen. Das Projekt wird unsere Stadt in eine kreative, junge, dynamische und moderne Metropole verwandeln".

Othmara Glas

Links

EurActiv Slowakei: Košice sú Európskym hlavným mestom kultúry (21. Januar 2013)

EU-Parlament: Kulturhauptstadt Europas: Kommissarin Vassiliou läutet "Košice 2013" gemeinsam mit dem Präsidenten und dem Premierminister der Slowakei ein (18. Januar 2013)

Košice2013: Website

Košice2013: Kunsthalle

ECOTEC: Ex-Post Evaluation of 2007 and 2008 European Capitals of Culture Final Report (November 2009)

ZDF: Kosice: Kann Kultur der Provinz helfen?