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21/02/2017

Grüne Hauptstadt 2015 gesucht

Stadt der Zukunft

Grüne Hauptstadt 2015 gesucht

Die slowenische Stadt Ljubljanka ist einer der Finalisten für den Titel "Grüne Hauptstadt Europas 2015". Das sind doch gute Aussichten. Foto: Jasminka Becker / pixelio.de

Brüssel, Bristol, Glasgow und Ljubljana sind die Finalisten im diesjährigen Wettbewerb um die „Grüne Hauptstadt Europas“. Es geht um das beste Programm für eine umweltfreundliche und nachhaltige Stadtpolitik mit Vorbildwirkung. Der Sieger wird im Juni bekannt gegeben.

Die Finalisten für den Titel „Grüne Hauptstadt Europas 2015“ stehen fest. Bristol, Brüssel, Glasgow und die slowenische Hauptstadt Ljubljana konnten sich unter acht Bewerbern durchsetzen und dürfen sich nun in der Endrunde am 24. Mai einer Jury präsentieren.

Der „European Green Capital Award“ (EGCA) wird einmal jährlich von der Europäischen Kommission an eine Stadt vergeben, die eine Vorreiterrolle beim umweltfreundlichen Leben einnimmt.

Entscheidende Kriterien bei der Vergabe des Preises sind nicht nur die Anstrengungen bei der Erreichung von Umweltstandards, sondern auch die Fähigkeit zu Inspiration. Umweltpolitische Maßnahmen werden auch danach bewertet, wie stark ihre Signalwirkung ist und ob sie auf andere Städte oder Regionen übertragbar sind. Der Titel hat vorrangig einen symbolischen Wert, er ist mit keinerlei Geldwert dotiert.

„Die Finalisten und Gewinner des  European Green Capital Award zeigen uns anhand von Beispielen aus dem echten Leben, wie Respekt vor der Umwelt, hervorragende Lebensqualität und Wirtschaftswachstum erfolgreich miteinander kombiniert werden können“, so Umweltkommissar Janez Poto?nik.

Die Bewerbung für den Award steht Städten der EU, Städten potenzieller und zukünftiger Beitrittsländer (Kroatien, Serbien, Montenegro, Türkei, Island) und der EFTA offen. Voraussetzung sind jedoch mindestens 200.000 Einwohner (die größte Stadt eines Landes darf sich bewerben wenn keine Stadt mindestens 200.000 Einwohner aufweist). Eine Stadt, die den Titel gewinnt, darf sich für zehn Jahre nicht bewerben.  Bislang wurden fünf Städte in dem von der Europäischen Kommission organisierten Wettbewerb als Sieger gekürt: Stockholm 2010, Hamburg 2011, Vitoria-Gasteiz 2012, Nantes 2013 und Kopenhagen 2014.

Entscheidender Faktor: Langfristige Entwicklung

Die Bewertung der einzelnen Teilnehmer am Wettbewerb hangelt sich entlang von zwölf Indikatoren. Dazu gehören zum Beispiel: Wasserverbrauch, Abwasserbehandlung, Energieeffizienz, Luftqualität städtische Grünflächen und lokaler Beitrag zum weltweiten Klimawandel.  

Jeder dieser Indikatoren wird anhand verschiedener Kriterien gemessen. Dabei geht es nicht nur um den Ist-Zustand, sondern auch um die Entwicklung der letzten fünf bis zehn Jahre. EGCA-Teilnehmerstädte müssen zudem glaubwürdig machen, wie sie gedenken ihre Anstrengungen auch zukünftig nach der Teilnahme am Wettbewerb aufrechtzuhalten. Konkrete Maßnahmen und auch Finanzierungspläne müssen genau dokumentiert werden.  

Die vier Finalisten

Bristol

Bristol legt seinen Fokus auf nachhaltige Bodennutzung. Ehemals durch Industrie verunreinigte Flächen wurden bereits durch innerstädtische Regenerationsprojekte größtenteils repariert. Auf diesen Flächen entstanden und entstehen weiterhin Bezirke, die durch eine gemischte Nutzung gekennzeichnet sind (Wohnviertel, Büros, Läden, Bars die um großräumige Grünflächen angelegt sind). Die Energieeffizienz der Gebäude wurde in den letzten Jahren bereits um 25 Prozent verbessert. Bessere Luftqualität soll durch vermehrte Nutzung von Fahrrad und Bussen in der Innenstadt erreicht werden.   

Brüssel Energieeffizienz von Gebäuden steht bei Brüssel hoch auf der Tagesordnung. Ab 2015 soll jedes neu gebaute Gebäude einen besonders niedrigen Energieverbrauch aufweisen. Aktuell gelten die Regelungen bereits für alle öffentlichen Gebäude und größere Renovierungen bestehender Bausubstanz. Dieses „Exemplary Buildings“-Programm hätte zudem bereits über 1.200 Jobs geschaffen und knapp 400 Mio. Euro Umsatz erzielt. Zusätzliche Maßnahmen unternimmt Brüssel im Bereich Recycling und beim Ausbau des Nahverkehrs.

Glasgow Die ehemalige Industriestadt Glasgow kämpft ähnlich wie Bristol gegen ihre Altlasten an und versucht dabei ihr beschädigtes Ökosystem wiederherzustellen. In und um die Stadt herum sollen auf ehemaligen Industriebrachen weiträumige Grünflächen entstehen. Das über hundert Jahre alte Abwassersystem soll zudem durch ein ÖPP-Projekt von Grund auf erneuert werden wobei auch ein erheblicher Anstieg der Wasserqualität erwartet wird. Zusätzlich wird ein Programm entwickelt, dass knapp 1,75 Milliarden Euro an Investitionen für erneuerbare Energien in die Stadt holen kann.

Ljubljana Die slowenische Hauptstadt will den Wasserverbrauch seiner Haushalte um 34 Prozent reduzieren. Durch Einsatz von Kraft-Wärmekopplung soll  auch der CO2 Ausstoß massiv reduziert werden. Die Bürger voll Ljubljana sollen angehalten werden, mehr Strecke zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Bussen zurückzulegen.  Geplant ist außerdem, die Hälfte der Busflotte bis 2015 auf Erdgas umzustellen. Stolz ist Ljubljana auf seinen Pfad der Erinnerung und Kameradschaft, einer 3 km langen Parkallee zum Laufen, Radfahren und flanieren. Die vier Finalistenstädte haben in den Bereichen, in denen sie zu punkten wollen, bereits in der Vergangenheit Erfolge erzielt. Detaillierte Ausführungen der Programme finden sich im technischen Report der Expertenauswahlgruppe.

Positive Nebenwirkungen: „Nicht das Gewinnen, das Mitmachen zählt“

Der Gewinn des EGC-Awards oder auch nur die Teilnahme kann, obwohl es kein Preisgeld gibt, jede Menge Vorteile mit sich bringen. Aus einer Präsentation des mehrmaligen Teilnehmers Bristol auf dem Bewerber-Workshop 2012 geht hervor, dass sich im Zuge der Teilnahme am Wettbewerb sowohl Zuwendungen aus Großbritannien als auch von der EU erhöht hatten.  Das Sammeln der Daten, die für die Bewerbung benötigt werden, erfordert Anstrengung und ressortübergreifende Kommunikation, könne sich allerdings lohnen. 

Wie es weiter geht

Die Gewinner des diesjährigen Wettbewerbes werden im Juni in Nantes, dem Träger des EGCA 2014, bekannt gegeben. Die Gewinnerstadt wird vor allem auch danach ausgewählt, wie gut und glaubwürdig  sie ihre Maßnahmen kommuniziert und verkauft. Die einzelnen Programme der Finalisten hatten bereits zuvor, in Bezug auf ihren Inhalt, von einer Gruppe unabhängiger Experten ihren Segen erhalten.

ak

Links

European Green Capital Award: Liste der Experten für Bewertung

EU-Pressemitteilung: Bristol, Brüssel, Glasgow und Ljubljana Kandidaten für den Titel „Grüne Hauptstadt Europas 2015“ (25.März 2013)

Expert Panel: Synopsis Technical Assessment Report (März 2013)

Applicant-Workshop: Vorteile der Teilnahme am European Green Capital Award

Präsentation: European Green Capital Award Benefits for Bristol (Oktober 2012)