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21/02/2017

Elektro-Autos: Frankreichs Hersteller in der Defensive

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Elektro-Autos: Frankreichs Hersteller in der Defensive

Elektroautos werden voraussichtlich für keine nennenswerte Reduzierung des Verkehrslärms sorgen. Foto: mka

Frankreichs Hersteller von Batterietechnik für Elektro-Autos haben ein Problem. Die EU-Kommission will die in Deutschland verwendeten Typ 2-Stecker zum EU-Standard für Ladestationen erheben. In Frankreich, einziges EU-Land mit Typ 3-Steckern, setzt sich die Industrie für eine Änderung des EU-Vorschlags ein.

Die Markteinführung von Elektro-Autos geht in Europa einfach nicht voran. Viele Hersteller zögern auch deshalb mit Investitionen, weil es bisher keinen einheitlichen technischen Standard bei der Ladetechnik gab. Da sich Politik und Industrie auch nach jahrelangen Verhandlungen nicht auf einen einheitlichen EU-Ladestecker einigen konnten, hat die EU-Kommission nun die Initiative ergriffen: "Um die auf dem Markt herrschende Unsicherheit zu beenden, hat die Kommission heute die Verwendung des Steckers vom ‚Typ 2‘ zur gemeinsamen Norm für ganz Europa erklärt", teilte die EU-Kommission vorige Woche mit. (EurActiv.de vom 25. Januar 2013). Schließlich sei ein einheitlicher EU-Ladestecker "entscheidend für die Markteinführung".

Der Typ 2-Stecker wird bereits in – fast – allen EU-Ländern genutzt. Einizige Ausnahme ist Frankreich. Dort haben Politik und Industrie bisher auf den Typ 3-Stecker gesetzt.

Einheitlicher EU-Ladestecker

Die Kommission will die EU-Länder nun darauf verpflichten, dass sie eine Mindestanzahl von Ladestationen mit einem einheitlichen EU-Ladestecker einrichten. "Ziel dabei ist es, eine kritische Masse an Ladestationen zu schaffen, damit die Industrie Elektroautos in Massenproduktion und damit zu vertretbaren Preisen herstellt", begründet die EU-Kommission ihren Vorstoß.

Typ 2-Stecker in Deutschland

In Deutschland gibt es etwa 2.000 Ladestationen (Stand: 2011), an denen die E-Autos jeweils mit einem Typ 2-Stecker "aufgetankt" werden können. Das Netz soll nach den EU-Plänen bis 2020 auf 150.000 öffentlich zugängliche Ladestationen ausgeweitet werden. Immerhin hat sich die Bundesregierung vorgenommen, dass im Jahr 2020 eine Million E-Autos auf Deutschlands Straßen rollen. Experten rechnen allerdings damit, dass ohne einen weiteren Subventionsschub zu diesem Zeitpunkt nur etwa 600.000 E-Autos in Deutschland zugelassen sein werden.

Typ 3-Stecker in Frankreich

Für die deutschen Auto- und Batteriehersteller, die auf die Produktion des Typ 2-Steckers gesetzt haben, ist die Ankündigung aus Brüssel eine gute Nachricht. Weniger erfreut zeigt sich dagegen die französische Industrie. Frankreich hat bisher als einziges EU-Land auf den Typ 3-Stecker gesetzt. Falls die Mitgliedsländer den Kommissionsvorschlag bestätigen, was als sehr wahrscheinlich gilt, müssten die französischen Hersteller ihre Produktion auf den neuen Standard umstellen. Das kostet Zeit und Geld. Sie befürchten daher, dass die deutschen Hersteller nun einen Wettbewerbsvorteil bekommen.

Da der Kommissionsvorschlag kaum zu stoppen ist, will der französische Industrieverband "EV Plug alliance" zumindest eine Änderung des EU-Vorschlags durchsetzen, berichtet EurActiv Paris. Bestimmte Sicherheitsnormen des Typ 3-Steckers sollen auch bei einer Umstellung erhalten bleiben, hofft der Interessensverband. Er verweist darauf, dass der französische Gesetzgeber für Ladestationen in geschlossenen Räumen (Garagen, Parkhäuser, etc.) eine Verschlussklappe als Sicherheitsnorm vorschreibt, die der Typ 2-Stecker nicht habe.

Sicherheitsmaßnahme der französischen Industrie

"Wenn wir auch die einzigen sind, die einen Typ 3-Stecker haben, so gibt es in zwölf anderen EU-Ländern die Vorschrift, dass bei Ladestationen im Inneren von Gebäuden eine Sicherheitsklappe zu verwenden ist", sagte ein Vertreter des französischen Verbandes gegenüber EurActiv Paris.

Falls also der EU-Ladestecker so kommt, wie es die EU-Kommission vorgeschlagen hat, müssten zunächst die Gesetze in den betroffenen Ländern geändert werden, argumentiert der Industrievertreter. Daher plädiere der Verband dafür, dass in den 13 Länder zumindest dieser Teil des Typ 3-Steckers weiterhin verpflichtend verwendet werden muss.

Typ 2-Stecker mit Shutter

Deutsche Hersteller haben sich bereits auf dieses Szenario eingestellt. "Nach vielen Gesprächen mit unterschiedlichen europäischen Vertretern war uns als Mennekes wie auch allen weiteren Akteuren, die dabei geholfen haben den Typ 2 als Standard zu forcieren, bewusst, dass die Forderung nach einem erhöhten Berührungsschutz z. B. durch einen sogenannten Shutter, in manchen europäischen Ländern nicht entfallen wird", erläuterte Volker Lazzaro, Geschäftsführer von Mennekes, gegenüber EurActiv Deutschland. Mennekes ist ein deutsches Elektrotechnik-Unternehmen, das unter anderem auf die Entwicklung von Ladesteckvorrichtungen für Elektrofahrzeuge spezialisiert ist.

Ein solcher Shutter sei zwar keine normative Notwendigkeit, in vielen Länder aber Gewohnheit. "Um den Forderungen oder Gewohnheiten dieser Länder trotzdem gerecht zu werden haben wir das Typ 2 System dahingehend weiterentwickelt, dass es optional mit einem Shutter ausgestattet werden kann und somit alle Anforderungen an den erhöhten Berührungsschutz erfüllt", so Lazzaro. Es sei somit keinesfalls nötig, dass Länder ihre Gesetze ändern müssten. "Der Typ 2 kann wahlweise mit oder ohne Shutter verwendet werden, ist immer voll kompatibel und europaweit einsetzbar", stellte Lazzaro klar.

Michael Kaczmarek mit EurActiv Paris und EurActiv Brüssel

EurActiv Paris: Voitures électriques : la bataille des recharges n’est pas finie (30. Januar 2013)

EurActiv Brüssel: Brussels mandates roll-out of electric-car ‚recharging points‘ (28. Januar 2013)

Links

EU-Kommission: EU lanciert Strategie für umweltfreundliche Kraftstoffe (24. Januar 2013)

EU-Kommission: Clean power for transport – Frequently asked questions (24. Januar 2013)

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