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20/01/2017

Brüssel fordert Hunderttausende Ladestationen für Elektroautos

Stadt der Zukunft

Brüssel fordert Hunderttausende Ladestationen für Elektroautos

Elektroautos werden voraussichtlich für keine nennenswerte Reduzierung des Verkehrslärms sorgen. Foto: mka

Hunderttausende von neuen und öffentlich zugänglichen Ladestationen für Elektroautos sollen bis 2020 in der EU entstehen. Diese Pläne sind Teil eines Maßnahmenpakets der EU-Kommission. Allein für Deutschland setzt Brüssel eine Zielmarke von 150.000 Elektro-Tankstellen innerhalb der nächsten acht Jahre.

Brüssel will den Einsatz umweltfreundlicher Kraftstoffe erhöhen. Dazu hat die EU-Kommission am Donnerstag (24. Januar) ein Maßnahmenpaket angekündigt. "Umweltfreundlichen Kraftstoffen stehen vor allem drei Hindernisse im Weg: die hohen Kosten der Fahrzeuge, eine geringe Akzeptanz von Seiten der Verbraucher und der Mangel an Ladestationen und Tankstellen", heißt es in einer Pressemitteilung der Brüsseler Behörde.

"Die Entwicklung innovativer, alternativer Kraftstoffe bietet sich eindeutig als Lösung an, um die Ressourceneffizienz der Wirtschaft Europas zu verbessern, unsere übermäßige Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern und eine Verkehrsindustrie aufzubauen, die den Anforderungen des 21. Jahrhunderts gewachsen ist", sagte EU-Verkehrskommissar Siim Kallas.

"Der Verkehrssektor ist der größte Energiekonsument in der EU. Der Ausbau der europaweiten Infrastruktur für umweltfreundliche Fahrzeuge ist deshalb ein zentraler Beitrag, um die europaweite Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern und den Ausstoß von Treibhausgasen in der EU zu senken", sagte der SPD-Energieexperte Bernd Lange. Allerdings könne es einen "wirklichen CO2-Einsparungsvorteil" nur geben, wenn der notwendige Strom aus erneuerbaren Quellen erzeugt wird, so Lange.

Die Kommission sieht unter anderem ein größeres Netz von Ladestationen für Elektroautos vor. In Deutschland sollen beispielsweise 150.000 Ladestationen bis 2020 geschaffen werden. Derzeit gibt es knapp 2.000.

Für alle Stationen fordert die Kommission  einen einheitlichen Stecker. Sie schlägt dafür den in Deutschland entwickelten Stecker vom "Typ 2" vor. Ziel der Initiative ist, dass die Industrie in Zukunft mehr Elektroautos zu vertretbaren Preisen baut.

Weitere Maßnahmen

Die Kommission will die Mobilität von Wasserstofffahrzeugen fördern, ebenso wie die Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen. Außerdem sieht das Maßnahmenpaket einen verbesserten Zugang zu Flüssiggas (LNG) und komprimierten Erdgas (CNG) vor. Letzteres wird vor allem für Autos eingesetzt.

Eine Million Fahrzeuge werden bereits mit CNG betrieben. Diese Anzahl möchte die Industrie bis 2020 um das Zehnfache steigern. Ab 2020 sollen nach EU-Plänen im Abstand von maximal 150 km öffentlich zugängliche CNG-Tankstellen stehen.

"Gibt es keine Infrastruktur, dann gibt es auch keine Nachfrage für umweltfreundliche Fahrzeuge. Ohne Nachfrage gibt es jedoch auch keine Infrastruktur. Die jetzt vorgelegten Vorschriften zum Ausbau der Infrastruktur können endlich dieses Dilemma beenden", erklärte der SPD-Verkehrsexperte Ismail Ertug.

Gleichzeitig wiesen Ertug und Lange darauf hin, dass dieser Ausbau nicht zu Lasten des Steuerzahlers gehen darf: "Wir müssen die EU-Mitgliedstaaten fordern, aber nicht auf Kosten des Steuerzahlers. Bereitstellung der Infrastruktur ist in erster Linie Aufgabe derjenigen, die Strom oder Gas verkaufen. Zweifelsohne sollte es aber beispielsweise über günstige Kredite Impulse geben."

ogl

Links


EU-Kommission:
EU lanciert Strategie für umweltfreundliche Kraftstoffe (24. Januar 2013)

EU-Kommission: Clean power for transport – Frequently asked questions (24. Januar 2013)

Zum Thema auf EurActiv.de

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