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22/02/2017

EU-Kommission will sich Euronews-Chaos widmen

Sprachen und Kultur

EU-Kommission will sich Euronews-Chaos widmen

EU-Kommissionspräsiden Andrus Ansip nimmt die Sorgen der Euronews-Mitarbeiter nach eigenen Anganben "sehr ernst".

[European Commission]

EXKLUSIV / Entlassungen, Schließungen in der Ukraine und der Türkei und ein unklar definiertes Redaktionsprojekt: Der paneuropäische Fernsehsender Euronews hat zu kämpfen. Die EU-Kommission will sich dem nun „ernsthaft“ widmen. EurActiv Brüssel berichtet.

Euronews wurde 1992 als europäisches Pendant zu CNN ins Leben gerufen. Heute steht der TV-Sender auf der Agenda des Treffens des Kommissionskollegiums, wie der Chefsprecher der Institution, Margaritis Schinas, am gestrigen Montag bestätigte.

Am 3. Februar hatten sich Euronews-Mitarbeiter in einem Schreiben an den Vize-Kommissionspräsidenten für den digitalen Binnenmarkt gewandt. Darin zeigten sie auf, welchen Problemen der Sender derzeit gegenübersteht.

So sorgen sich angeblich immer mehr Angestellte um ihren Arbeitsplatz, nachdem es vermehrt Entlassungen und ein unklar definiertes Redaktionsprojekt gegeben habe. Erst kürzlich äußerten Euronews-Mitarbeiter ihre Sorgen im Gespräch mit EurActiv. Sie befürchten, Euronews verfolge keinen wirklich europäischen Ansatz mehr und habe auch keine europäische Vision für die Zukunft, was für einen solchen Sender ihrer Meinung nach selbstverständlich sein sollte.

Eine der großen Fragen ist auch die Zukunft des ukrainischen Büros. 2015 wurde es von Dmytro Firtash, einem ukrainischen Oligarchen, aufgekauft. Kürzlich gab er das Projekt jedoch auf und drehte der Abteilung den Förderhahn ab. Dies löste einen internen Skandal aus, da sich der Russlanddienst weigerte, den Journalisten der ukrainischen Abteilung Stellen bei sich zu bieten, und somit gegen das französische Arbeitsrecht verstieß.

Moskau blockiert Einstellung ukrainischer Journalisten bei Euronews

Moskau finanziert die Russland-Sektion des französischen Senders Euronews – weigert sich aber, Journalisten der mittlerweile geschlossenen Ukraine-Abteilung bei sich einzustellen. EurActiv Brüssel berichtet.

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In ihrem Schreiben betonen sie, wie „stolz“ sie auf ihre ukrainischen Kollegen seien. Ihnen verdanke Euronews „einige der besten journalistischen Beiträge zur Ukraine-Krise in der gesamten europäischen Medienlandschaft“. „Die Stimme des Ukraine-Büros zu verlieren, ist ein unschätzbarer Verlust“, kritisieren sie. Auch der türkischen Abteilung drohe die Schließung. Der öffentliche TV-Sender der Türkei TRT habe ebenfalls seine Unterstützung eingestellt.

Weiterer Kritikpunkt der Mitarbeiter ist die geplante Umstellung der persisch- und arabischsprachigen Kanäle auf reine Web-Dienste. Dabei gebe es mehrere Hundertmillionen potenzielle TV-Zuschauer. „Unsere iranischen Kollegen können bestätigen, wie groß das Interesse an unseren persischen Programmen im Iran und in Afghanistan war. Das könnte nun verloren gehen, wenn wir den Zuschauern europäische Medieninhalte vorenthalten, die über einen so unersetzbaren Kanal europäische Werte, inklusive der Menschenrechte, vermitteln“, schreiben sie.

In einer zunehmend populistischen Welt, in der das europäische Projekt an Schwung verloren habe, müsse Euronews seinen Journalisten zufolge weiterhin für europäische Werte einstehen.

Jetzt aufzugeben, wäre für Europa ein historischer Fehler“, warnen sie.

In einem von EurActiv eingesehenen Brief vom 10. Februar, antwortet Vize-Kommissionspräsident Andrus Ansip auf die Bedenken der Euronews-Angestellten. Er stimme „voll und ganz“ mit ihnen überein, dass Europa sich auch weiterhin Gehör  verschaffen und seine Werte verteidigen sollte. „Ich nehme Ihre Sorgen sehr ernst“, schreibt er. Die Kommission untersuche derzeit die vorgeschlagene „strategische Vereinbarung“ zwischen Euronews und NBC Universal sowie die „Auswirkungen einer solchen Partnerschaft auf die redaktionelle Freiheit und den europäischen Blickwinkel“.

Im Februar 2015 erstand der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris eine Mehrheitsbeteiligung von 53 Prozent an Euronews, nachdem Russlands Präsident Wladimir Putin seinem Land einen Besuch abgestattet hatte. Der Deal warf zahlreiche Fragen über die zukünftige Unabhängigkeit und redaktionelle Ausrichtung des Senders auf.

Vor einigen Monaten, im Dezember 2016, hieß es schließlich, NBC News plane, einen 15-prozentigen und einen 30-prozentigen Euronews-Anteil zu erwerben. Sawiris will weiterhin mehrheitlicher Anteilseigner bleiben.

Die Kommission vertraue laut Ansip darauf, dass Euronews die nötigen Mittel finden werde, um seinen Fortbestand als europäisch-öffentlicher Dienst zu sichern. Dabei stehe die Kommission als Partner an seiner Seite.

2016 gewährte die Institution dem Sender Unterstützung in Höhe von 25 Millionen Euro. Damals war Günther Oettinger noch verantwortlich für den Digitalisierungsbereich. Diese Finanzierung müsse für 2017 aufrechterhalten werden, hatte er zu jener Zeit angeführt. Gleichzeitig sei es wichtig, die Beziehung zwischen Kommission und Sendeanstalt neu zu definieren.