Plädoyer für nur eine offizielle Amtssprache der EU

Von der Coudenhove-Kalergi-Stiftung kommt der Vorschlag, mittelfristig nur noch eine einzige offizielle Amtssprache innerhalb der EU zuzulassen. [Shutterstock]

Derzeit sind in der EU insgesamt 24 Amts- beziehungsweise Amtssprachen zugelassen. Der Übersetzungsdienst gehört zu den großen Kostenträgern des Verwaltungsapparates. Mehrere Mitgliedsstaaten drängen auf Einsparungen, nicht nur weil Brüssel mit dem Ausstieg Großbritanniens aus der Union, einen Nettozahler verliert.

Die Coudenhove-Kalergi-Stiftung, eine von der Paneuropa Union ins Leben gerufene europäische Institution, hat sich jetzt mit einem Schreiben an die EU-Organe, in dem darauf hingewiesen wird, dass bereits Vordenker des europäischen Einigungsprozesse in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts für nur eine Amtssprache plädierten. In dem EURACTIV vorliegenden Schreiben heißt es dazu:

„Viele europäische Staaten verfügen über mehrere offiziell anerkannte Sprachen. In diesen Ländern ist die Mehrsprachigkeit traditionell und im Schulsystem verankert. Das Zusammenwachsen der europäischen Länder sowie berufliche und freizeitliche Mobilität unserer modernen Gesellschaft hat das Erlernen von  lebenden Fremdsprachen, teilweise auch zulasten klassischer Bildungssprachen begünstigt. Dies bedeutet, dass ein stets wachsender Teil der Europäer mehrere Sprachen spricht oder zumindest teilweise versteht. Es scheint wünschenswert den Prozess des verstärkten Lernens von Fremdsprachen in Europa zu fördern, sodass sich die innereuropäischen direkten Verständigungsmöglichkeiten laufend verbessern.“

Europa braucht eine gemeinsame Sprache

Die größte Hürde für einen paneuropäischen Föderalismus ist das Fehlen einer gemeinsamen Zweitsprache, die jeder einfach lernen und verstehen kann, so Eve-Marie Chamot-Galka.

Die Coudenhove-Kalergi-Stiftung verweist darauf, dass innerhalb der Europäischen Union der Sprachenwirrwarr ein immenses administratives Problem mit schwerwiegenden Auswirkungen auf der Kostenseite darstellt.  Die gegenwärtige Regelung mit den 3 EU-Arbeitssprachen Französisch, Deutsch, Englisch würde, so die Schlussfolgerung, beim heutigen Umfang der EU keine befriedigende Lösung mehr darstellen. Und dies sowohl von der operativen als auch budgetären Seite her.

Faktum ist, so heißt es in dem Brief, dass in den EU-Mitgliedsstaaten gereiht nach der Häufigkeit der muttersprachlichen Verwendung, Deutsch,  Französisch, Englisch, Italienisch und  Spanisch dominieren. Während Deutsch in Europa am meisten gesprochen wird, ist bei Französisch, Englisch und Spanisch ist allerdings auch die weltweite Verbreitung zu berücksichtigen. Und was das geographische Europa betrifft, so müssten die Muttersprachen im  europäischen Russland und in der Ukraine noch zusätzlich hinzukommen.

Generell heißt es daher abschließend in dem Appell an die EU: „Es steht wohl außer Diskussion, dass in den europäischen Vertrags- und Gesetzeswerken authentische Übersetzungen in die jeweiligen Nationalsprachen immer gegeben sein müssen. Als offizielle Arbeitssprache der EU erscheint jedoch mittelfristig eine Reduzierung  auf nur eine Sprache unausweichlich zu werden.“