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26/08/2016

Geburtenrate: Abwärtstrend hält an

Soziales Europa

Geburtenrate: Abwärtstrend hält an

Babys sind süß, machen aber auch viel Arbeit. Insbesondere Akademikerinnen haben Zweifel, ob Kind und Karriere zusammenpassen. Foto: dpa

Immer mehr Frauen in Deutschland bleiben kinderlos, zeigt ein aktueller Bericht des Statistischen Bundesamts. Die Zahlen unterscheiden sich jedoch von Region zu Region stark. Ob und wie viel Nachwuchs eine Frau bekommt, hängt auch von ihrem Bildungsgrad ab.

Der Trend setzt sich fort: Frauen in Deutschland bekommen immer weniger Kinder. Laut dem neusten Report des Statistischen Bundesamts (DESTATIS) "Geburtentrends und Familiensituation in Deutschland" bleibt heute jede fünfte Frau kinderlos. "22 von 100 Frauen im Alter zwischen 40 und 44 Jahren [haben] kein Kind geboren", sagte DESTATIS-Präsident Roderich Egeler bei der Vorstellung des Berichts am Donnerstag (7. November).

Bei der Geburtenrate ist Deutschland seit Jahren das Schlusslicht in der EU, wie die Zahlen von Eurostat belegen. Laut DESTATIS-Report ist die Situation jedoch nicht in ganz Deutschland gleich: In den alten Bundesländern war 2012 der Anteil der kinderlosen Frauen mit 23 Prozent deutlich höher als in den neuen Ländern (15 Prozent). Gegenüber 2008 stieg er jedoch vor allem in Ostdeutschland stark an, und zwar um fünf Prozentpunkte.

Besonders ausgeprägt ist die Kinderlosigkeit in den Stadtstaaten. In Hamburg war der Anteil der Frauen ohne Kind 2012 mit 32 Prozent am höchsten. In Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern blieben dagegen jeweils nur 14 Prozent der Frauen kinderlos.

Westdeutsche Akademikerinnen haben am wenigsten Kinder

Westdeutsche Akademikerinnen bleiben besonders häufig ohne Kind: 30 Prozent von ihnen hatten im Alter zwischen 45 und 49 Jahren noch keinen Nachwuchs gezeugt. In den neuen Ländern war bisher der Unterschied zwischen Akademikerinnen und Nicht-Akademikerinnen nicht so ausgeprägt wie im Westen Deutschlands. In Ostdeutschland öffnet sich diese Schere jedoch nun kontinuierlich.

Im Durchschnitt bringen Mütter in Deutschland zwei Kinder zur Welt. Diese Zahlen sind seit über 30 Jahren stabil: 2012 hatten 31 Prozent der Mütter nur ein Kind, 48 Prozent zwei Kinder, 15 Prozent drei Kinder und 6 Prozent vier oder mehr Kinder geboren. Das erste und das dritte Kind sind im Mittel gut sieben Jahre auseinander.

Mütter bleiben zu Hause

Nach der Geburt und in den ersten Lebensjahren eines Kindes sind es vor allem die Mütter, die ihre Erwerbstätigkeit für die Familie unterbrechen oder sogar ganz aufgeben und sich um die Kinderbetreuung kümmern. Letztes Jahr war nur rund jede dritte Mutter (32 Prozent) mit Kindern unter drei Jahren erwerbstätig. Je älter die Kinder werden, desto häufiger gehen Mütter (wieder) einer Erwerbstätigkeit nach. Bei den Vätern ist die Beteiligung am Erwerbsleben dagegen weitgehend unabhängig vom Heranwachsen der Kinder. Fünf von sechs Vätern gingen 2012 einer Beschäftigung nach.

pat

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Statistisches Bundesamt: "Geburtentrends und Familiensituation in Deutschland"

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