EU Kommission: Arbeitsunfälle kosten jährlich 476 Milliarden Euro

Gesundheits- und Arbeitsschutz ist Thema beim Weltkongress in Singapur. [Klingspor/Flickr]

Einer neuen Schätzung zufolge Kosten arbeitsbedingte Erkrankungen und Verletzungen die EU 3,3 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung. Das sind 476 Milliarden Euro.

Diese Zahlen stammen aus einer groß angelegten Untersuchung an der unter anderem die Internationale Arbeitsorganisation (IAO), das finnische Gesundheitsministerium und die EU-Gesundheitsbehörde OSHA beteiligt waren.

Seit gestern läuft in Singapur der 21. Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit. Dort sollen die Ergebnisse der Studie vorgestellt werden. OSHA-Direktorin Christa Sedlatschek betont die wirtschaftlichen Argumente für mehr Arbeitsschutz: „Eine sichere und gesunde Arbeit ist zwar ein fundamentales Menschenrecht, jedoch zeigen diese aktuellen Schätzungen der Kosten unzureichender oder fehlender Maßnahmen im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit, dass die wirtschaftlichen Argumente für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit nie stärker waren.“ Es gäbe einen starken Anreiz für Unternehmen, in mehr Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz zu investieren. Sie können so wettbewerbsfähiger und produktiver werden.

"Depression und Suizid fehlen völlig auf der gesundheitspolitischen Agenda"

Depression ist Volkskrankheit Nummer eins. Doch während die Mitarbeiter im Bundeskanzleramt in Hinsicht auf seelische Gesundheit richtiggehend gecoacht werden, verdrängt die Bundesregierung das Thema ansonsten noch immer, kritisiert Diana Doko vom Verein „Freunde fürs Leben“ im Interview.

Die IAO betont im Vorfeld des Weltkongresses die globale Dimension des Themas: „Die neuen Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der globalen Kosten mangelnder Lösungen für bestehende Arbeitsschutz- und Gesundheitsschutzfragen sowie die Bedeutung des Arbeitsschutzes für eine nachhaltige Entwicklung. In zunehmendem Maße werden Arbeits- und Gesundheitsschutz als globale Herausforderungen erkannt.“

Die Studie zeigte auch, dass 86 Prozent aller arbeitsbedingten Todesfälle auf arbeitsbedingte Erkrankungen zurückgehen und dass arbeitsbedingte Krebserkrankungen die höchsten Kosten verursachen, gefolgt von Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Die Beratungen in Singapur laufen noch bis Mittwoch. Die Themen reichen vom Gesundheitsschutz in der Landwirtschaft über die Herausforderungen der Digitalisierung für den Arbeitsschutz und Krebsprävention bis hin zum Austausch über moderne Arbeitsinspektionen.