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19/01/2017

Damaskus: Millionen Einwohner ohne Trinkwasser

Sicherheit

Damaskus: Millionen Einwohner ohne Trinkwasser

Durch das von islamistischen Rebellen kontrollierte Barada-Tal (Wadi Barada) fließt der Barada-Fluss in die syrische Hauptstadt.

Mehr als fünf Millionen Menschen sind in Damaskus völlig oder teilweise von der Wasserversorgung abgeschnitten. Die Konfliktparteien geben sich gegenseitig die Schuld.

Die Vereinten Nationen stufen die Kappung der Wasserversorgung für die syrische Hauptstadt Damaskus als Kriegsverbrechen ein. Der UN-Hilfskoordinator für Syrien, Jan Egeland, sagte, allein in Damaskus seien fünfeinhalb Millionen Menschen völlig oder teilweise vom Wasser abgeschnitten. Grund dafür seien „Kämpfe oder Sabotageakte oder beides“ in der Region Wadi Barada nahe Damaskus.

Die Leidtragenden dieses „Kriegsverbrechens“ seien Zivilisten, denn diese seien auf das Trinkwasser angewiesen, sagte Egeland. Die Zivilisten seien auch von Krankheiten betroffen, falls die Wasserversorgung nicht wieder hergestellt werde.

Durch das von islamistischen Rebellen kontrollierte Barada-Tal (Wadi Barada) fließt der Barada-Fluss in die syrische Hauptstadt. Er ist eine der wichtigsten Quellen für die Wasserversorgung.

Die syrische Regierung wirft den Rebellen vor, der Hauptstadt das Wasser abzudrehen. Die Aufständischen argumentieren, dass die Beeinträchtigung der Wasserzufuhr den Bombardements der Regierungstruppen und ihrer Verbündeten geschuldet ist.

Preis für Wasser in Flaschen verdoppelt

Egeland zufolge ist schwer zu sagen, welches Lager für die derzeitige Situation verantwortlich ist. „Wir wollen hingehen, wir wollen ermitteln, was geschehen ist, aber vor allem wollen wir die Wasserzufuhr wiederherstellen“, sagte er.

Bisher hatten die Vereinten Nationen erklärt, seit dem 22. Dezember hätten vier Millionen Bewohner der Hauptstadt kein fließendes Wasser mehr. Der Preis für Trinkwasser in Flaschen hat sich mittlerweile verdoppelt. Strom gibt es in Damaskus infolge des Mangels an Treibstoff für die Kraftwerke nur zwölf Stunden am Tag.

Unter den islamistischen Kämpfern in Wadi Barada sind nach Angaben der Führung in Damaskus auch solche der Fateh al-Scham. Dschihadistische Gruppen wie der Islamische Staat (IS) oder die Fateh-al-Scham-Front, die früher Al-Nusra-Front hieß und Ableger des Al-Kaida-Netzwerks war, sind von der Waffenruhe ausgeschlossen, die unter Vermittlung der Türkei und Russlands vor einer Woche in Kraft trat.

Für Ende Januar sind gemäß der russisch-türkischen Initiative Friedensgespräche in der kasachischen Hauptstadt Astana vorgesehen. Der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, begrüßte am Donnerstag in Genf die Gespräche in Kasachstan. Er befürworte alle Anstrengungen, die dazu beitrügen, „die Feindseligkeiten zu beenden und zur Vorbereitung der Diskussionen in Genf im Februar beizutragen“.