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09/12/2016

Fluch oder Segen: Schiefergas und Fracking in der EU

Ressourcen und Umwelt

Fluch oder Segen: Schiefergas und Fracking in der EU

Die Grünen haben im Europäischen Parlament erfolglos ein Fracking-Verbot gefordert. Auf EU-Ebene wird nun an einem Rahmen für das Risikomanagement bei der Förderung unkonventioneller fossiler Brennstoffe wie Schiefergas gearbeitet. Foto: dpa

Unterstützer und Gegner der umstrittenen Förderung von Schiefergas (Fracking) stehen sich in vielen europäischen Ländern unversöhnlich gegenüber. EurActiv.de bietet eine Übersicht zu den verfügbaren Ressourcen und zum Stand der Gesetzgebung in 14 europäischen Ländern und auf der EU-Ebene.

Die Energienutzung und -erzeugung ist weltweit im Umbruch. Die Suche nach Alternativen zu Kohle, Erdgas, Erdöl und Atomstrom ist eine zentrale Triebfeder für technologische Innovationen. Neben den erneuerbaren Energien wird auch die Förderung nicht-konventioneller Gasreserven aus tiefen geologischen Gesteinsformationen mittels Hydraulic Fracturing (Fracking) diskutiert. Fracking ist umstritten, weil chemische Lösungen verwendet werden, die bei unzulänglicher Technik und zu geringen Vorsichtsmaßnahmen zu Umwelt- und Gesundheitsschäden führen können.

Im Fracking-Vorreiterland USA wurden im Jahr 2008 etwa 55 Milliarden Kubikmeter (m³) Schiefergas gefördert, im Jahr 2012 etwa 260 Milliarden m³. Die USA, bisher ein Energieimporteur, streben inzwischen an, energieautark zu werden. Zugleich haben die Berichte über zum Teil verheerende Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit zu einer breiten Skepsis in Europa geführt.

Die US-Energie-Informationsbehörde (Energy Information Administration, EIA) schätzt, dass unter europäischem Boden 18.000 Milliarden m³ technisch gewinnbares Schiefergas lagern. In Europa ist der Umgang mit dem Hydraulic Fracturing (Fracking) allerdings sehr umstritten. Einige EU-Staaten – Polen, Österreich, Deutschland, die Niederlande, Schweden, Großbritannien –  haben bereits Probebohrungen bewilligt. Andere Staaten wie Frankreich, Rumänien und Bulgarien haben sich gegen den Abbau von Schiefergas ausgesprochen

Vergleich von Reserven und Gesetzen

Die europäische Denkfabrik "Thomas More Institute" hat nun eine Studie herausgegeben, in der sie das geschätzte Potenzial von Schiefergas und die gesetzlichen Rahmen zur Förderung in 13 EU-Ländern und Norwegen miteinander verglichen hat.

EurActiv.de hat die Informationen in zwei Übersichten zum Download zusammengefasst:

Initiates file downloadÜbersicht: Nicht-konventionelle Gasreserven in Europa (Schätzungen)

Initiates file downloadGesetzgebung zur Förderung nicht-konventioneller Gasreserven in Europa

Vorschläge auf EU-Ebene

Auch die EU-Ebene hat sich dem Thema angenommen und versucht die national sehr unterschiedlichen Herangehensweisen an das Thema Fracking besser zu koordinieren. So wird die Europäische Kommission im Laufe des Jahres einen Rahmen für das Risikomanagement bei der Förderung unkonventioneller fossiler Brennstoffe wie Schiefergas vorschlagen. Zu den Chancen und Risiken des Fracking läuft derzeit eine Online-Konsultation (EurActiv.de vom 21. Dezember 2012).

Das Europäisches Parlament wiederum hat im November 2012 zwei Berichte zur Förderung von Schiefergas angenommen. Die Abgeordneten fordern darin einen "stabilen Rechtsrahmen" für das sogenannte Fracking. Ein Verbot der umstrittenen Bergbaumethode wurde abgelehnt (EurActiv.de vom 21. November 2012).

Michael Kaczmarek

Links

Dokumente

Thomas More Institute: Shale Gas in Europe. Comparative Analysis in 14 European Countries (Dezember 2012)

EIA: World shale gas Resources: an initial assessment of 14 regions Outside the United States. (April 2011)

BGR: Initiates file downloadAbschätzung des Ergaspotenzials aus dichten Tongesteinen (Schiefergas) in Deutschland (Mai 2012)

EU-Kommission:
Consultation on unconventional fossil fuels (e.g. shale gas) in Europe

EU-Kommission: Report on unconventional gas in Europe (8. November 2011)

EU-Parlament: Schiefergas: Abgeordnete fordern stabilen Rechtsrahmen für "Fracking" (21. November 2012)

EurActiv.de-Übersichten zum Download

Initiates file downloadÜbersicht: Nicht-konventionelle Gasreserven in Europa (Schätzungen)

Initiates file downloadGesetzgebung zur Förderung nicht-konventioneller Gasreserven in Europa

Zum Thema auf EurActiv.de

YellowPaper: Hydraulic Fracturing (Juni 2012)

Fracking: Öffentliche Konsultation zu Schiefergas und Co (21. Dezember 2012)

Fracking: "Risiken nicht unter den Teppich kehren" (21. November 2012)

Hollande: Aus für AKW Fessenheim und Fracking (17. September 2012)

Neues Umweltgutachten: Kein Verbot von Fracking (6. September 2012)

Oettinger: Gas-Fracking kann weitergehen (30. Januar 2012)