Abfall-Report: Müllprobleme in Süd- und Osteuropa

Nicht in allen EU-Ländern funktioniert das Recycling. Stattdessen landen wertvollen Ressourcen auf Mülldeponien und es werden wirtschaftliche Chancen in der Abfallbewirtschaftung vertan, kritisiert die EU-Kommission.© Peter von Bechen / PIXELIO

Die Länder Süd- und Osteuropas haben ein ernstes Müllproblem. Darauf weist die EU-Kommission in einem aktuellen Bericht hin. Während es in vielen nord- und westeuropäischen Ländern ausgefeilte Recycling-Systeme gibt, landen andernorts wertvolle Ressourcen weiter auf Deponien.

Die EU-Länder gehen sehr unterschiedlich mit ihrem Müll um. Die EU-Kommission hat die Abfallbewirtschaftung in den einzelnen Ländern untersucht und die Ergebnisse in einem Bericht zusammengefasst. Die 27 Mitgliedsstaaten wurden auf Basis von 18 Kriterien nach einem Ampelsystem (grün, gelb, rot) bewertet. Österreich und die Niederlande stehen demnach an der Spitze der Leistungstabelle, Griechenland ist mit deutlichem Abstand Schlusslicht.

Für den Umweltkommissar Janez Poto?nik bestätigten die Ergebnisse dieser Bewertung seine "schlimmsten Befürchtungen". "In vielen Mitgliedstaaten werden riesige Abfallmengen noch immer auf Deponien – das ist die schlechteste Option – abgelagert. Wertvolle Ressourcen werden vergraben, potenzielle wirtschaftliche Chancen werden vertan, im Sektor Abfallbewirtschaftung werden keine Arbeitsplätze geschaffen und die menschliche Gesundheit und die Umwelt leiden", sagte Poto?nik.

Problematisch

Die größten Müllprobleme haben demnach Griechenland, Bulgarien, Malta, Litauen, Rumänien, Zypern, Lettland, Italien, Slowakei, Estland, Polen und Tschechischen.

Nach Angaben der EU-Kommission betreffen die Versäumnisse dieser Länder unter anderem schlechte oder inexistente Abfallvermeidungsstrategien, mangelnde Anreize für den Verzicht auf Deponien und eine unzulängliche Abfallinfrastruktur. Aufgrund der starken Abhängigkeit von Abfalldeponien werden die Möglichkeiten der Wiederverwendung und Wiederverwertung von Ressourcen nicht ausgeschöpft.

Vorbildlich

Lobende Worte findet die EU-Kommission dagegen für Österreich, Niederlande, Dänemark, Deutschland und Schweden. Diese Länder wiesen umfassende Müllabfuhrsysteme auf und lagerten weniger als 5 Prozent ihrer Abfälle auf Deponien ab. "Sie verfügen über ausgefeilte Recycling-Systeme und ausreichende Abfallbehandlungskapazitäten und sind auch bei der Kompostierung leistungsstark. Typisch für diese Länder ist, dass sie in ihren Abfallbewirtschaftungsstrategien rechtliche, administrative und wirtschaftliche Instrumente wirkungsvoll verknüpfen", schreibt die EU-Kommission.

Nächste Schritte

Die Kommission will auf Grundlage des Berichts Fahrpläne für die zehn leistungsschwächsten Mitgliedstaaten aufstellen. Diese Fahrpläne werden am 19. September 2012 in Prag mit den nationalen Behörden erörtert.

Die Kommission plant, Strukturfondsmittel der EU verstärkt auf die abfallpolitischen Ziele der EU auszurichten. Künftig sollen EU-Gelder nur in Abfallbewirtschaftungsprojekte fließen, die im Vorfeld bestimmte Bedingungen erfüllen, teilte die Kommission mit.

EURACTIV.de

Links

EU-Kommission: Eine neue Wertungstabelle für die Abfallbewirtschaftung (7. August 2012)

EURACTIV Brüssel: Report trashes EU waste management results (8. August 2012)