Zypern: Anti-EU-Stimmung schadet Tourismus

Die wütenden Demonstranten in Nikosia schaden dem wichtigsten Wirtschaftszweig, der Zypern nach der Bankenkrise bleibt, dem Tourismus, meinen Politiker und Hoteliers in der Touristenstadt Paphos. Foto: dpa

Zur Überwindung der Krise hofft Zypern auf mehr Touristen, schreibt Rotger H. Kindermann, Vizepräsident der European Journalists Association (EJ). Der Autor hat jüngst vor Ort in Paphos die Hoffnungen und Ängste der zyprischen Touristikbranche erfahren.

"Unser Ziel muss es sein, möglichst schnell aus den negativen Schlagzeilen herauszukommen. Sonst beschädigen wir den wichtigsten Wirtschaftszweig, der Zypern nach der Bankenkrise bleibt, den Tourismus." Das sagt Sawas Vergas, Bürgermeister von Paphos, ein Touristenort (70.000 Einwohner) an der Südwestküste des Inselstaates.

Paphos – Kulturhauptstadt 2017

Zusammen mit Arhus (Dänemark) wird sich Paphos, bekannt für seine Ausgrabungen und Ruinen aus der Römerzeit, 2017 als "Kulturhauptstadt Europas" präsentieren. Ein großer Ansporn für Bürgermeister Vergas, der konkrete Pläne bereits in der Schublade hat. Paphos will seine kulturellen Wurzeln in einer Art "Open-air-Fabrik" mit moderner Kunst verknüpfen. Touristen aus ganz Europa sollen während ihres Aufenthaltes in diese Symbiose zwischen Antike und Moderne einbezogen werden. Vergas: "Mit dieser Innovation wollen wir nicht nur kulturell interessierte Gäste begeistern, sondern auch Sponsoren überzeugen." Paphos muss für dieses Mega-Projekt kräftig investieren, je nach Wirtschaftslage plant der Bürgermeister Ausgaben zwischen 32 und 66 Millionen Euro.

Weg aus der tiefen Rezession

Die zyprische Wirtschaft steckt in einer tiefen Rezession (Prognose 2013: – 8,7%; 2014: – 3,9%). Und niemand kann genau vorhersagen, wie die Bevölkerung darauf reagieren wird. Wenn demonstriert wurde, geschah das bisher in der Hauptstadt Nikosia und die liegt 100 bis 150 km weit weg von den Urlaubsregionen an der Südküste.

Wenn die EU-Kommission für Zypern ein "neues Geschäftsmodell" empfiehlt, dann wird dabei der Ausbau des Tourismus eine herausragende Rolle spielen. Denn bis das große Geld aus den Erdgasvorkommen vor Zyperns Küste fließt, vergehen noch etliche Jahre. Schon jetzt kann das Land auf eine gute touristische Infrastruktur bauen, Luxushotels und Golfplätze locken zahlungskräftige Urlauber, was besonders für die Region Paphos gilt. "Aus den Ländern der Europäischen Union wird niemand zu uns kommen, wenn wir sie zu Sündenböcken machen", sagt Pambos Michael, Hotelmanager in der Region. Für die wütenden Demonstranten in Nikosia hat er nur wenig Verständnis. Das aufgeblähte Bankensystem in Zypern habe man selbst zu verantworten und jeder müsse sich angemessen an der Reparatur beteiligen, "solange uns Europa keine Rechtsbrüche zumutet".

Rotger H. Kindermann