Oberösterreich will stärker ins TEN-Netz

Der Gütertransport auf dem österreichischen Teil der Donau steigt an. Foto: dpa

Keiner der Terminals der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) hat es geschafft, im sogenannten CORE-Network, dem Verkehrswegeverbund innerhalb der EU-Regionen, berücksichtigt zu werden. Dagegen findet sich der Ennser Donauhafen in der Top-Liga.

Oberösterreich pocht auf mehr Berücksichtigung bei den Trans-Europäischen Netzen (TEN). Dafür fährt das Bundesland mit starken Geschützen auf. Während es keiner der Terminals der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) geschafft hat, im sogenannten CORE-Network, dem  Verkehrswegeverbund innerhalb der EU-Regionen, berücksichtigt zu werden, findet sich der Ennser Donau Hafen in der Top-Liga.

Mehr Augenmerk auf die Nord-Süd-Achse

Dem Hafen in Enns (nur 15 Kilometer westlich der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz gelegen) ist es in den letzten Jahren gelungen, sich als ein bedeutender mitteleuropäischer Transport-Umschlagplatz zu positionieren. Zudem liegt er an einer strategisch besonders günstigen Stelle. Trifft doch hier die europäische Wasserstraße Donau gleich auf mehrere zentrale Schienenwege und Autobahnen.

Einerseits ist dies die starke West-Ost-Achse, die von München beziehungsweise Frankfurt über Wien nach Budapest und weiter nach Bukarest und Sofia bis ans Schwarze Meer führt. Andererseits trifft diese West-Ost-Achse gerade im oberösterreichischen Zentralraum auf eine traditionelle (schon bis ins Mittelalter zurückreichende) Nord-Süd-Verbindung.

Es ist die Route, die von Hamburg über Berlin und Prag nach Linz und von hier weiter über die Voralpen nach Graz und weiter bis Koper und Triest führt. Koper ist der internationale Seehafen Sloweniens. Spannend an diesem Knotenpunkt sind sowohl die Donau als auch die Anbindung an die bedeutendsten Häfen an der Nordsee und der Adria.

Was die Oberösterreicher, so der für Wirtschaftsfragen zuständige Bundesrat Gottfried Kneifel, besonders ärgert, ist die Tatsache, dass der Großraum Linz mit dem Hafen Enns von der Zentralregion "Centrope" gleichsam links liegen gelassen werden soll. Die prioritären Verkehrswege werden – sowohl was das Bahn- als auch das Straßennetz betrifft – im Großraum Wien-Bratislava gebündelt. Wo es fast zwangsläufig zu einem Verkehrskollaps kommt.

PPP-Finanzierung für Bahnausbau Prag – Linz – Koper – Triest

Oberösterreich will als Folge der Aufnahme des Ennser Hafen in das CORE-Network in nächster Zeit massiv Stimmung machen und für den Ausbau der Nord-Süd-Verkehrswege werben. Dabei geht es natürlich nicht nur um EU-Mittel bei der Finanzierung, sondern auch um die Unterstützung durch die österreichische Bundesregierung. Rückendeckung holt man sich von der Steiermark, die ein für Österreich wichtiger Industrieraum ist, der aber etwas abseits der großen Verkehrströme liegt und sich vor allem auch von den ÖBB benachteiligt fühlt, indem die Zugverbindungen zu den Landeshauptstädten schlichtweg gekappt werden.

Oberösterreich sucht sich Verbündete jedoch nicht nur bei den Steirern, sondern auch im Süden Deutschlands. Gemeinsam mit Bayern wird angestrebt, dass diese Nord-Süd-Achse ins TEN-Programm aufgenommen wird. Besonders schmackhaft wird dies den Politikern in Brüssel damit gemacht, dass man sogar zu einer privaten Finanzierung bereit wäre.

Ein  solches PPP-Modell wurde schon vor längerem vom Generaldirektor der oberösterreichischen Raiffeisengruppe, Ludwig Scharinger, vorgestellt und ist nach wie vor aktuell. Nicht zuletzt baut Kneifel auf das "Lobbying" durch EU-Regionalkommissar Johannes Hahn, dem die neu geschaffene EU-Donauraumregion ein echtes Anliegen ist.

Herbert Vytiska, Wien