EU gibt grünes Licht für „Makroregion Alpen“

Die Alpenanrainer wollen stärker kooperieren. © berggeist007 / PIXELIO

In Europa gibt es einen neuen Club: In der „Makroregion Alpen“ wollen Alpengebiete in sechs Staaten EU-Fördergelder gemeinsam effizienter nutzen. Neu ist die Idee keineswegs, trotzdem will man nun vom Tirol bis in die Provence, vom Friaul bis nach Baden-Württemberg noch enger strategisch zusammenarbeiten.

Die EU-Kommission hat am Donnerstag (19. Dezember) vom Europäischen Rat den Auftrag zur Erarbeitung einer Strategie für den Alpenraum in enger Abstimmung mit den Alpenländern erhalten. Damit wird die "Makroregion Alpen" offiziell aus der Taufe gehoben. Die Mitglieder liegen im Herzen Europas, es sind dies in Österreich die Bundesländer Tirol, Salzburg und Vorarlberg, die italienischen Regionen Südtirol-Trentino, das Aostatal, das Piemont, die Lombardei, Venetien und das Friaul, die deutschen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg sowie die französischen Regionen Provence-Alpes-Côte d’Azur, Rhône-Alpes und Franche-Comté. Auch  Liechtenstein, obwohl nur zum EWR gehörig, und mehrere Schweizer Kantone, obwohl das Land partout nicht in die EU will, sollen diesem Kreis in Zukunft angehören.

Diese Makroregion ist im Grunde genommen die Weiterentwicklung der schon seit 1972 bestehenden Arbeitsgemeinschaft Alpenländer (Arge Alp), die neun Länder, Provinzen, Regionen und Kantone der Staaten Österreich, Deutschland, Italien, Schweiz umfasst und in der 16 Millionen Menschen auf rund 118.504 Quadratkilometern leben. Dabei handelt es sich um eine der ältesten bestehenden überregionalen Kooperationen und das aus einer Zeit, wo grenzüberschreitende Zusammenarbeit absolut keine Selbstverständlichkeit war. Die Arge Alp hat daher auch noch heute eine besondere Vorbildfunktion.

So griff 1982 der damalige niederösterreichische Landeshauptmann Siegfried Ludwig diese Idee auf, um eine Arbeitsgemeinschaft Donauländer zu bilden, welche alle Staaten umfasst, die entlang der 2.900 Kilometer langen Donau wie aufgefädelt liegen. Zur eigentlichen Gründung kam es freilich erst 1990 nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Mit der Aktivität ließ es diese Arge freilich noch zu wünschen übrig, zumal es dazu eines Staates bedürfen würde, der eine Art Leader-Funktion übernimmt ohne dass vor allem die östlichen Staaten sich dadurch bevormundet fühlen. Daran hat sich auch wenig geändert, nachdem 2010/2011 die EU die Makroregion Donauraum aus der Taufe hob. Obwohl gerade hier die bei der für Regionalpolitik zuständigen Kommission bestehenden Fördertöpfe darauf warten, mit vernünftigen Projekten angezapft zu werden.

Interessant wird übrigens noch die Abstimmung der neuen Makroregion Alpen mit der aus der Arge Alp weiterentwickelten und bereits seit 1978 bestehenden Arbeitsgemeinschaft Alpe Adria. Deren Gebiet reicht nämlich über den eigentlichen Alpenraum hinaus, bis nach Westungarn, Slowenien und Kroatien.

Eines der Ziele der Makroregion Alpen unter dem besonderen Schutzschirm der EU ist, und das wird ohne Umschweife artikuliert, die Verwendung von EU-Fördergeldern strategisch abzustimmen und effizient zu bündeln. Um das zu erreichen, sollen daher die Interessen der Alpenregionen aller Länder künftig stärker gebündelt werden. Von Tirol bis in die Provence, vom Friaul bis nach Baden-Württemberg will man nun noch mehr strategisch zusammenarbeiten. Es sei die deklarierte Absicht der Protagonisten, so Richard Seeber, der regionalpolitische Sprecher der österreichischen EU-Parlamentarier, den Herausforderungen in der regionalen Wettbewerbsfähigkeit, in der Land- und Forstwirtschaft, bei der Wasser-, Energie-, Umwelt- und Verkehrspolitik gemeinsam schneller zu begegnen und diese koordinierter anzugehen.

Herbert Vytiska (Wien)