Aus der Krise in die Gründung

EURACTIV.de beschreibt im neuen SpecialReport "Junges Unternehmertum in Brandenburg und Europa". Foto: Fotolia, industrieblick

Im aktuellen SpecialReport analysiert EURACTIV.de, wie sich das junge Unternehmertum in Europa entwickelt. In den kommenden Tagen stellen wir in einer Serie von Einzelbeiträgen Trends in Europa vor und legen dabei den Fokus auf drei Regionen, die für ihre Konzepte als Europäische Unternehmerregionen (EER) ausgezeichnet wurden.

Der 8-seitige SpecialReport "Junges Unternehmertum in Brandenburg und Europa" steht zum Download bereit.
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Unternehmer sind "ganz normale, coole Menschen", stellten Berliner Schüler Ende Oktober bei der Eröffnungsveranstaltung der Deutschen Gründer- und Unternehmertage (deGUT) überrascht fest. Europa braucht mehr dieser normalen Menschen, die auch Unternehmer sind. Sie schaffen sich ihren eigenen Job und meist entstehen dadurch weitere Arbeitsmöglichkeiten.

Die Hauptstützen der europäischen Wirtschaft sind nach Angaben der EU-Kommission Kleinstunternehmen, die durchschnittlich zwei Personen beschäftigen. Kleinstunternehmen (weniger als zehn Mitarbeiter) machen 92 Prozent der insgesamt knapp 21 Millionen Firmen in der EU aus. Europas erfolgreichste Firmen sind zumeist in der Hochtechnologie aktiv oder bieten wissensintensive Dienstleistungen an, bestätigt der aktuelle Jahresbericht zur Lage der Kleinen und Mittleren Unternehmen (KMU) in Europa "EU SMEs in 2012: at the crossroads". Viele Regionen fördern daher  Unternehmensgründungen in diesem Sektor. Allerdings wird nicht jede grüne Wiese zum europäischen Silicon Valley.

Viele Wege in die Selbstständigkeit

Jede Region müsse daher seine eigenen Stärken identifizieren und sich ein Alleinstellungsmerkmal herausarbeiten, sagen Europas Regionalentwickler übereinstimmend. Was in einer Region die Hochtechnologie ist, ist bei den anderen der Tourismus und in einer dritten Region das traditionelle Handwerk. Die allermeisten Gründungen finden sich zudem nicht in der Hochtechnologiebranche, sondern im Dienstleistungssektor. Viele Gründungen erfolgen dabei aus der Arbeitslosigkeit heraus, also einem Moment, in dem die persönliche und berufliche Verunsicherung oft besonders hoch ist. Die Beratung und Begleitung Gründungswilliger sind dabei besonders wichtig.

Die verschiedenen Beratungsangebote sind vielerorts zunehmend vernetzt und auf die Lage Gründungswilliger vor, während und nach der Gründung abgestimmt. In vielen Regionen gibt es inzwischen spezielle Angebote und Programme für junge Gründer, für Ältere, für Arbeitslose, für Hochschulabsolventen, für Frauen oder für Migranten. Zahlreiche Projekte zur Existenzgründung werden dabei mit Geld aus europäischen Förderprogrammen kofinanziert.

Neben der Gründung neuer Firmen müssen auch bestehende Firmen immer wieder "in neue Hände" gegeben werden. Das funktioniert nicht immer wie geplant. In Europa könnten in den kommenden Jahren etwa 800.000 Firmen übertragen werden – oder auch nicht. Davon hängen sehr viele Arbeitsplätze ab.

Hindernisse für das Unternehmertum

Egal welcher Weg in die Selbstständigkeit führt und welche Motivation hinter einer Unternehmensgründung steckt, die Knackpunkte ähneln sich. Nach Angaben der EU-Kommission sind viele Menschen in ihrer Grundeinstellung zurückhaltend, ein Unternehmen zu gründen. Daher müsse der Unternehmergeist bei jungen Menschen bereits während der Schulausbildung gefördert werden. Außerdem sei unternehmerisches Scheitern noch allzu häufig mit einem Tabu behaftet. Europas Unternehmer werden auch häufig von komplizierten Verwaltungsvorschriften abgeschreckt. Und letztlich geht es auch ums Geld: Manche Projekte scheitern, weil Investoren fehlen.

Permanenter Austausch nötig

Um aus den Fehlern und von den Erfolgsrezepten anderer europäischer Regionen zu lernen, setzen die von EURACTIV befragten Regionalmanager übereinstimmend auf mehr Mobilität, Interaktion und Integration in Europa. "Wir können so viel voneinander lernen", sagt Breda O‘Dwyer, Programmleiterin am Institute of Technology Tralee in County Kerry (Irland). "Wir müssen dazu Foren anbieten, wo wir uns regelmäßig treffen können. Und wir brauchen Online-Plattformen, um uns auszutauschen. Wir müssen das Rad nicht jedes Mal neu erfinden."

Michael Kaczmarek