Hohe Haftstrafe für Schleuserkapitän

In den vergangenen drei Jahren sind schätzungsweise 12.000 Flüchtlinge im Mittelmeer beim Versuch, nach Europa überzusetzen, ertrunken. Doch die Gleichgültigkeit nimmt zu. [Prazis/shutterstoock]

Ein italienisches Gericht hat den Kapitän eines gesunkenen Flüchtlingsschiffes wegen Totschlags und Menschenschmuggels zu einer Haftstrafe von 18 Jahren verurteilt.

Die Richter in der sizilianischen Stadt Catania folgten den Argumenten der Anklage, wonach der 28-Jährige mitverantwortlich für den Tod von fast 700 Flüchtlingen gewesen sei. Nur 28 Menschen hatten den Untergang des völlig überfüllten Schiffes im April vergangenen Jahres überlebt, nachdem es unweit der libyschen Küste gekentert war. Der Mann hatte angegeben, selber nur ein Passagier gewesen und für die Überfahrt gezahlt zu haben. Das Gericht verurteilte außerdem einen weiteren Mann wegen Menschenschmuggels zu fünf Jahren Haft.

Beide Männer wurden von dem Gericht außerdem zu Strafen von insgesamt neun Millionen Euro verurteilt. Die Anwälte der Männer kündigten Berufung gegen die Gerichtsentscheidungen an. In den vergangenen drei Jahren sind schätzungsweise 12.000 Flüchtlinge im Mittelmeer beim Versuch, nach Europa überzusetzen, ertrunken.

EU nach Flüchtlingstragödien im Kreuzfeuer der Kritik

Nach der bisher wohl schwersten Flüchtlingstragödie im Mittelmeer steht die EU unter Handlungsdruck. Anlässlich der Beratungen der EU-Außenminister über ihre Flüchtlingspolitik am Montag in Luxemburg wurden Forderungen nach einer humaneren und an den Wurzeln ansetzenden Flüchtlingspolitik laut.

Der Anklage zufolge hatte der Kapitän das mit Frauen, Männern und Kindern überladene Fischerboot von Libyen aus in Richtung Norden gesteuert. Als ein portugiesisches Schiff dem Boot in Seenot habe helfen wollen, seien die beiden Schiffe kollidiert. Das Flüchtlingsboot sei binnen Minuten gesunken. Die italienische Marine hatte später 675 Leichen geborgen.