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01/10/2016

„Uhudler-Krieg“ gegen die EU

Österreich

„Uhudler-Krieg“ gegen die EU

Die Weinsorte Uhudler

Der Reglementierungseifer der EU führt mitunter zu seltsamen Konflikten. Und führt zu einem Aufstand der Uhudler-Bauern.

Der Uhudler – im Volksmund auch „Heckenklescher“ genannt – ist eine nur im Südburgenland vertretene Weinsorte, die an den Duft von Erdbeeren erinnert. Mehr noch, es ist eine geschichtsträchtige Rebe. Nach 1860 vernichtete nämlich die so genannte Reblaus die europäischen Weingärten. Der Wiederaufbau gelang unter anderem dadurch, dass Reblaus-resistente Weinreben von Amerika nach Europa gebracht und hier mit europäischen Sorten veredelt wurden. Die nicht veredelten Trauben wurden Uhudler genannt. Und verloren im Laufe der Zeit immer mehr an Bedeutung. Von 1985 bis 1992 wurde der Uhudler sogar aus dem Weingesetz, erst 1992 wieder aufgenommen.

In den letzten Jahren erlebte er eine Rennaissance, wurde  – aufgrund der Exklusivität – zunehmend zu einem Kultgetränk und es entwickelte sich daraus ein kleiner, aber florierender Wirtschaftszweig. Das Problem ist nur, dass die Trauben aufgrund einer EU-Verordnung als „Direktträger“ amerikanischer Herkunft für die Weinerzeugung eigentlich verboten sind. In der burgenländischen Weinbauverordnung, die sich strikt an die EU-Vorgaben hält, gelten sie daher nur noch bis Ende 2030 als „vorübergehend zugelassene Sorten“, die aber nicht mehr neu angebaut werden dürfen.

Einige Winzer haben im vergangenen November Rodungsbescheide erhalten, denen bis zum 15. März Folge zu leisten gewesen wäre. Konkret betrifft dies Anbauflächen, die erst nach 2003 neu angepflanzt wurden und für die daher bereits das Verbot galt. Die Betroffenen weigern sich aber, dem Bescheid auf Rodung nachzukommen. Sie stemmen sich gegen eine EU-Verordnung, die sie für fehl am Platz halten. Das nimmt wiederum die zuständige Behörde, es handelt sich um die Bezirkshauptmannschaft Güssing, nicht hin. Sie will zur Tat schreiten, Um dem Buchstaben des Gesetzes Folge zu leisten, muss freilich zunächst der Auftrag zur Rodung öffentlich ausgeschrieben, müssen Kostenvorschläge eingeholt werden, ehe der kostengünstigste Anbieter den Auftrag erhält.

Ob es dazu wirklich kommt, ist aber noch ziemlich ungewiss. Setzt man doch Hoffnung auf die Novellierung des österreichischen Weingesetzes. Demnach sollen jene Rebsorten, die zwar verboten sind aber aus denen der Uhudler gekeltert wird, künftighin als „Obstwein“ deklariert werden. Um die Regionalität zu bewahren, ist sogar eine geschützte Ursprungsbezeichnung geplant. Mehr noch, man arbeitet daran aus dem Uhudler-Land (die Gegend rund um Güssing) eine richtige Kultstätte zu machen, die dann auch entsprechend touristisch vermarktet wird. So soll es ein Uhudler-Kompetenzzentrum, einen Uhudler-Kulturlehrpfades mit einem angeschlossenen Uhudler-Schaugarten etc. geben.

Und so entsteht nun die kuriose Situation, dass man auf der einen Seite kämpft, eine EU-Verordnung auszuhebeln und auf der anderen Seite ein Projekt (Kostenpunkt 280.000 Euro) aufzieht, das im Rahmen der EU-Denkmaloffensive verwirklicht und von Brüssel mitfinanziert wird.