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23/01/2017

Präsidentin des Hayek-Instituts sorgt für Misstöne

Österreich

Präsidentin des Hayek-Instituts sorgt für Misstöne

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[Gage Skidmore/Flickr]

In der Heimat sich durchaus heftige Wortduelle zu liefern, aber im Ausland die Interessen des Landes über jene der Parteien zu stellen, ist ein seit Jahrzehnten gepflegter Grundsatz im politischen Leben Österreichs. Bloß an der Spitze des renommierten Friedrich-August-Hayek-Institutes scheint man sich daran derzeit nicht zu halten.

Bedingt durch die Affäre rund um die Hypo-Alpe-Adria-Bank ist das an sich so freundschaftliche Klima zwischen Bayern und Österreich im Augenblick etwas getrübt. Regierung und Wirtschaftskammer sind daher sehr bemüht, durch eine Vielzahl von Kontakten auf den verschiedensten Ebenen dafür zu sorgen, dass der Haussegen wieder gerade gerichtet wird. Umso erstaunter, ja verärgert zeigte man sich in diplomatischen Kreisen vom keine zehn Tage zurück liegenden Auftritt der Präsidentin des Hayek-Institutes, Barbara Kolm, vor dem Wirtschaftsrat der CSU in München.

Sitzungsteilnehmer berichteten, dass die wortgewandte Kolm bei dieser Gelegenheit über die Tätigkeit der österreichischen Regierung richtig herzog und kein gutes Haar an deren politischem Handeln ließ. Anstatt Wogen zu glätten, für Verständnis zu werben, wurde gewissermaßen noch Öl ins Feuer gegossen. Einen übrigens ähnlichen Auftritt soll es zuvor unter anderem auch schon in Spanien gegeben haben. Dass diese Vortragstätigkeit sogar noch gefördert wird, das wollen nun einige offizielle Stellen zumindest hinterfragen.

Oppositionspolitik nicht ins Ausland tragen

Friedrich August von Hayek (1899 – 1992) war ein herausragender österreichischer Ökonom und Sozialphilosoph, der für seine wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten auch den Nobelpreis erhielt. Er gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie. An sich, so steht es jedenfalls in den Statuten, ist es Aufgabe und Ziel des nach ihm benannten Instituts, für die Interpretation seiner Arbeiten zu sorgen sowie die Tradition der österreichischen Schule der Nationalökonomie im deutschsprachigen Raum zu fördern und anzuwenden. Die derzeitige Präsidentin, zudem noch Direktorin des Austrian Economics Center, ist fachlich an sich gut beschlagen. Ihre Publikationen beschäftigen sich mit marktwirtschaftlichen Lösungen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Sicherung des Arbeits- und Wirtschaftsstandortes und Armutsbekämpfung. In ihren Vorträgen behandelt sie Themen wie die Zukunft Europas, Globalisierung, Finanzmarktkrise, Deregulierung und Wettbewerb.

Kolm ist allerdings politisch kein unbeschriebenes Blatt. So saß sie für die rechtspopulistische FPÖ bis 2006 im Innsbrucker Gemeinderat. Nicht nur das, sie tritt auch hin und wieder mit FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache auf. Nun scheint sie, so der aktuelle Vorwurf, die Oppositionspolitik der FPÖ mit ihren deftigen verbalen Ausritten ins Ausland zu tragen. Ein Stil, der generell nicht goutiert wird. Und zwar nicht deshalb, weil man kritikempfindlich ist, sondern seit Jahrzehnten immer wieder darauf geachtet hat, im Ausland um Konsens, im gemeinsamen Staatsinteresse um gutes Image bemüht zu sein. Daher war man, gleich welcher Partei, stets darauf Bedacht, auf internationaler Ebene bestmöglich für das Land zu werben, es aber nicht in Misskredit zu bringen, nur um daraus parteipolitisches Kleingeld zu schlagen. Dass noch dazu von der Repräsentantin eines Instituts, das für wirtschaftswissenschaftliches Renommee steht, gegen dieses Prinzip verstoßen wird, dürfte noch ein Nachspiel haben.