Pensions-Paradies Österreich

Lange und lukrativ: Österreichs Bedingungen im Rentenalter sind überdurchschnittlich. Foto: dpa

Österreich gehört laut einer jüngsten OECD-Studie zu den wenigen Industrieländer, in denen die Menschen ihre Pension am längsten – und dazu noch zu finanziell guten Bedingungen genießen kann. Allerdings sei eine Entlastung des Staatshaushaltes dringend nötig.

Nach Berechnung der OECD mit Stand 2014 endet in Österreich die Berufstätigkeit bei Frauen im Durchschnitt im Alter von 60,2 Jahren. Nachdem derzeit die Lebenserwartung bei 85,6 Jahren liegt, können sie also 25,4 Jahre ihren Ruhestand genießen. Männer arbeiten wie in anderen Ländern länger: Sie scheiden mit 62,2 Jahren aus dem Berufsleben, haben eine durchschnittliche Lebenserwartung von 82,1 Jahren, was eine Pensionszeit von 19,9 Jahren ergibt.

Damit aber liegen in Österreich Frauen wie Männer deutlich über dem Durchschnitt der wichtigsten Industrieländer. Im OECD-Schnitt können nämlich Männer mit nur 17,6 und Frauen mit 22,3 Jahren in der Pension rechnen.

Und auch finanziell lohnt sich das Pensionistendasein in der Alpenrepublik. Betrachtet man die so genannte Nettoersatzrate (das ist der Vergleich des letzten Nettoeinkommens mit der ersten Nettopension), liegt Österreich ganz oben im Spitzenfeld. Allerdings schlägt sich dieser Alters-Wohlstand auch budgetär nieder. So belaufen sich die staatlichen Zuschüsse für den Zeitraum 2010 auf 13,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Bis 2060 wird derzeit ein Anstieg auf 14,4 Prozent prognostziert. Im Vergleich zum OECD-Durchschnitt überdurchschnittlich hohe Werte. Hier liegt Österreich derzeit bei nur neun Prozent, erwartet aber in den nächsten Jahrzehnten eine Steigerung auf 11,3 Prozent,

Die Reform des Pensionssystems und vor allem der Pensionsfinanzierung ist eine Herausforderung. Mehr als die Hälfte der Industrie-Staaten haben hier aber bereits Sanierungsmaßnahmen getroffen, die auch schon greifen, heißt es dazu in dem OECD-Bericht. In Österreich soll Anfang des kommenden Jahres ein umfassendes und tiefgreifendes Reformkonzept präsentiert werden. Über den Inhalt gibt bislang stark divergierende Meinungen der beiden Regierungsparteien. Die Sozialdemokraten wollen nur vorsichtig und langsam ans Werk gehen, die Vokspartei will hingegen keine Zeitverzögerungen sondern rasches Handeln. Das betrifft insbesondere die Anhebung des Pensionsalters.

Der Drei-Säulen Theorie (jeweils ein Drittel der finanziellen Absicherung im Alter sollen von Staat, Betrieb und privat getragen werden) kommt die gelebte österreichische Praxis entgegen: Rund 30 Prozent der österreichischen Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter sorgt bereits über die staatliche Pensionsvorsorge hinaus freiwillig vor – beruflich oder privat.