Österreicher zur EU-Erweiterung: Island top, Türkei flop

Stopp, bitte draußen bleiben. Nur wenige Österreicher befürworten den EU-Beitritt von Ländern aus Südosteuropa. © rudolf ortner / PIXELIO

Die Österreicher wollen keine EU-Erweiterung. Lediglich ein EU-Beitritt Islands findet Gnade bei einer Mehrheit der Befragten. Chancenlos dagegen die Türkei – gerade mal 15 Prozent wollen sie in der EU. „Die Zeichen stehen auf Vertiefung, weniger auf Erweiterung“, so das Fazit der Studie.

Die EU-Kommission legt am heutigen Mittwoch (16. Oktober) die Fortschrittsberichte über jene Länder vor, die sich um einen EU-Beitritt bemühen. Die Österreichische Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) nahm dies zum Anlass und befragte 500 Österreicherinnen und Österreicher, wie Sie zum Beitritt der einzelnen Kandidatenländer stehen.

Das Resultat ist lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig: Lediglich den Beitritt Islands befürwortet eine Mehrheit der Befragten (55 Prozent) – ausgerechnet jenes Island also, das vor Kurzem seine Beitrittsambitionen auf Eis gelegt hat. Gegenüber den übrigen sieben Beitrittskandidaten dominiert dagegen Ablehnung. "Die für Österreich relevantere EU-Erweiterung um die Länder am westlichen Balkan trifft […] auf geringe Zustimmung", sagt ÖGfE-Generalsekretär Paul Schmidt.

Tatsächlich ist die Zustimmung für den Beitritt von Ländern aus Südosteuropa unter den Österreichern sehr gering: Mit 28 Prozent noch am größten ist die Akzeptanz Mazedoniens. Für den Beitritt Montenegros beziehungsweise Bosnien-Herzegowinas sprechen sich 26 Prozent der Befragten aus. Knapp ein Viertel (24 Prozent) hießen Serbien willkommen, nur noch rund jeder Fünfte Albanien (20 Prozent) und Kosovo (19 Prozent). Am schlechtesten schneidet jedoch die Türkei in der Gunst der Österreicher ab: Nur 15 Prozent sähen das Land gerne in der EU.

"Die Zeichen stehen auf Vertiefung"

"Die Zeichen stehen auf Vertiefung, weniger auf Erweiterung", deutet Schmidt das Umfrageergebnis. In der Tat sagen 86 Prozent der Befragten, dass sie eine Vertiefung der Zusammenarbeit der EU-Mitgliedsländer für "sehr wichtig" (48 Prozent) oder "wichtig" (38 Prozent) halten. Dagegen hält nur rund ein Viertel eine EU-Erweiterung für "sehr wichtig" (8 Prozent) oder "wichtig" (16 Prozent). Drei Viertel beurteilen sie als "weniger wichtig" (42 Prozent) beziehungsweise "gar nicht wichtig" (32 Prozent).

Ungeachtet dieses klaren Votums sind die Österreicher geteilter Meinung, ob Entscheidungen innerhalb der EU zukünftig mehr auf gemeinsamer, europäischer Ebene getroffen werden sollten (45 Prozent) oder mehr auf einzelner, nationalstaatlicher Ebene (48 Prozent).

"Obwohl gerade die heimische Wirtschaft von einer Erweiterung profitieren und auch die politische Stabilität der Region dadurch gestärkt würde – die Österreicher sehen es als vorrangig an, dass sich die EU konsolidiert und ihre internen Probleme löst", erklärt Schmidt.
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Einstellung der Österreicher zum EU-Beitritt der einzelnen Länder:

Island: 55 Prozent dafür | 16 Prozent egal | 26 Prozent dagegen
Mazedonien: 28 Prozent dafür | 15 Prozent egal | 52 Prozent dagegen
Montenegro: 26 Prozent dafür | 16 Prozent egal | 52 Prozent dagegen
Bosnien-Herzegowina: 26 Prozent dafür | 14 Prozent egal | 56 Prozent dagegen
Serbien: 24 Prozent dafür | 12 Prozent egal | 62 Prozent dagegen
Albanien: 20 Prozent dafür | 15 Prozent egal | 61 Prozent dagegen
Kosovo: 19 Prozent dafür | 12 Prozent egal | 66 Prozent dagegen
Türkei: 15 Prozent dafür | 10 Prozent egal | 72 Prozent dagegen
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pat

Links

ÖGfE: Zeitreihen 2010 bis 2013