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23/01/2017

Islamische Kindergärten im Visier: Isolation statt Integration

Österreich

Islamische Kindergärten im Visier: Isolation statt Integration

Rund 10.000 Kinder gehen in Wien in 150 sogenannte islamische Kindergärten. Eine Studie hat nun auf gravierende Mängel bei der Erziehung zur Integration hingewiesen. Jetzt soll strenger kontrolliert werden.

Die Wiener Stadtverwaltung ist seit einigen Tagen mit einem Problem konfrontiert, das offenbar von den zuständigen Stellen in der Gemeinde übersehen beziehungsweise bagatellisiert wurde. Und jetzt für ein schlechtes Gewissen sorgt, das man aber noch nicht wirklich eingestehen will. Faktum ist, dass Ednan Aslan, Leiter des Instituts für islamische Studien (IIS) an der Universität Wien, stichprobenartig die Situation in 30 islamischen Kindergärten recherchieren ließ – und schließlich Alarm schlug. Sein Resümee: Davon, dass in diesen Kinderbetreuungsstätten, die übrigens auf privater Basis geführt werden, die Heranwachsenden auf die Integration in die österreichische und damit europäische Gesellschaft vorbereitet würden, könne keine Rede sein.

Bedenkliche Erziehungsmethoden

Vielmehr werden Erziehungsmethoden praktiziert, die nur dazu dienen „Parallelgesellschaften“ heranzubilden. So werde Kindern etwa eingetrichtert, sie dürften nicht mit Menschen zusammen sein, die Schweinefleisch essen, sie dürften auch nicht Menschen respektieren, die in unehelichen Beziehungen lebten, etc. etc. Statt Deutschkenntnisse zu vermitteln, liege der Schwerpunkt bei islamischem Recht (Scharia). Für den Wissenschaftler alles Dinge, die er „als sehr bedenklich“ einstuft. Auch weil es ein Problem sei, würde man Kinder ethnisch und religiös getrennt erziehen und so noch vor dem Eintritt ins Schulalter abschotten. Radikalisierung, so Aslan, beginne nämlich schon sehr früh, wenn die Betreuungseinrichtungen die „Kinder zur Isolation ermutigen“.

Flächendeckende Untersuchung und mehr Kontrollen

Nachdem man zunächst keine Unterstützung und kein Gehör bei der Wiener Stadtverwaltung fand, wandte sich der anerkannte Islam-Experte an Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP), der damit wieder an die Öffentlichkeit ging. Was zunächst dazu führte, dass sich die zuständigen Stadträtinnen Sonja Wehsely und Sandra Frauenberger (beide SPÖ) auf den Schlips getreten fühlten. Sie versuchten die Seriosität der Studie damit in Frage zu stellen, dass es sich dabei eben nur um Stichproben gehandelt habe. Die Stadt Wien würde sehr wohl auch die islamischen Kindergärten kontrollieren – gegen vorherige Ankündigung der Visitation. Beim einem Gipfeltreffen mit Integrationsminister in den gestrigen Abendstunden, mussten sie freilich die Faktenlage zur Kenntnis nehmen. Bundes- und Stadtregierung haben sich darauf geeinigt, „eine gemeinsame Untersuchung stattfinden zu lassen“. Diese werde jedenfalls flächendeckend angelegt, um einen genauen Überblick von der tatsächlichen Situation zu erhalten. Zudem werden aber sofort die Kontrollen (unangemeldet) verstärkt, wird es einen 12 Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog und schon demnächst auch einen Religions-Leitfaden geben.

Missbrauch öffentlicher Gelder: Staatsanwaltschaft untersucht

Dass das politische Hick-Hack nicht angebracht scheint, untermauert ein heute, Freitag, erscheinendes Wochenmagazin. Ermittelt doch die Staatsanwaltschaft und das aufgrund einer Anzeige der zuständigen Magistratsabteilung schon seit längerem gegen den Leiter eines sogenannten Bildungszentrums. Dieser hatte den Auftrag der Stadt Wien, Kindergärtnerinnen für den Einsatz in islamischen Kindergärten auszubilden. Doch, so der schwerwiegende Vorwurf, sollen die Förderungsgelder unter anderem in die eigene Tasche gewandert sein beziehungsweise durch die Fälschung von Gemeinnützigkeitsbestätigungen erschlichen worden sein. Die Schadenssumme wird mit mehr als einer Million Euro beziffert.