Hitler’s Geburtshaus: Ein Denkmal, das keines sein darf

Geburtshaus Adolf Hitlers, Braunau am Inn, mit Gedenkstein davor (2015) [Thomas Ledl /CC-BY-SA 4.0]

Was tun mit Adolf Hitlers Geburtshaus in Braunau? Weil die Experten uneins sind, soll nun ein Architekturwettbewerb die Lösung bringen.

Im Ministerrat in Wien wurden vor kurzem die Weichen für die Enteignung eines Hauses in der Salzburger Vorstadt 15 in Braunau gelegt. Dass über die Handhabe mit einem einzigen Grundstück in einem so hohen politischen Gremium diskutiert wird, liegt daran, dass es sich bei dem Grundstück um Adolf Hitlers Geburtshaus handelt.

Was mit dem Haus geschehen soll, ist ein Thema, das längst nicht nur Österreich betrifft, sondern Historiker auf der ganzen Welt beschäftigt. Seit Jahren wird über die Nutzung dieses Objekts, das noch im Privatbesitz steht, heftig diskutiert. Nicht zuletzt auch deshalb, weil damit eine Pilgerstätte für Neonazis aus ganz Europa ein für alle Mal beseitigt werden soll.

Die Entscheidungsfindung wurde einer Historikerkommission übertragen. Deren Ergebnis wird nun sehr unterschiedlich ausgelegt. Der dafür zuständige Innenminister Wolfgang Sobotka etwa fordert, dass die Fassade des Gebäudes aus dem Stadtbild verschwindet. Entscheidend sei allein, dass ein „Wiedererkennungswert und die Symbolkraft des Gebäudes“ ausgelöscht werde. Ein völliger Abriss dieses Eckhauses – das an sich unter Denkmalschutz steht, weil es aus dem 17.Jahrhundert stammt – sei daher eine gangbare Option.

Schlussstrich nach einer endlosen Diskussion

Mit der Abrissvariante jedoch können sich einige Mitglieder der Kommission, prominente Historiker und auch der Braunauer Bürgermeister, nicht anfreunden. Für sie würde „ein Abriss einer Verleugnung der NS-Geschichte in Österreich gleichkommen“. Sehr wohl aber plädieren sie für eine Entmystifizierung dieses Ortes.

Um den Kritikern nun entgegenzukommen, will Sobotka einen Architekturwettbewerb ausschreiben. Wenn schon Politiker, Historiker und sonstige Experten nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen, delegiert man eben die Verantwortung an Künstler, so könnte man schließen. In dem geplanten Wettbewerb sollen Architekten daher nur solche Lösungen präsentieren, die auch eine „Wiedererkennung“ des Hauses unmöglich macht.

Der international anerkannte Historiker Manfried Rauchensteiner kann, wie er gegenüber EURACTIV.de betont, der Argumentation des Innenministers durchaus folgen. Für ihn sei es an der Zeit, einen Schlussstrich unter diese endlose Diskussion zu ziehen. Auch der Abriss des Hauses käme als Lösung infrage. Eine museale Variante stehe für Rauchensteiner hingegen aus vielerlei Gründen nicht zur Debatte. Was aber nichts daran ändert, dass sich die Stadt ihrer geschichtlichen Identität als Hitlers Geburtsort immer bewusst sein müsse. Das ließe sich aus den Geschichtsbüchern nie löschen – weder durch Umbau des Geburtshauses noch mit Abriss.

Geschichte lässt sich nicht ausradieren

Entsprechend tendierten in den letzten Jahren viele Experten zu der Meinung, dass man mit dem Abriss keine Probleme bei der Vergangenheitsbewältigung löst. Vielmehr gibt man sogar eine Chance aus der Hand, sich mit den Hintergründen ernsthaft auseinanderzusetzen und den Ewiggestrigen die Stirn zu bieten. Denn die eigentliche Aufgabe könnte hingegen vor allem darin bestehen, insbesondere jungen Menschen Einblicke in eine Geschichte zu ermöglichen, die ihre Vorfahren nicht nur am eigenen Leib zu spüren bekamen, sondern vielleicht sogar mitverschuldet haben.

Die Auseinandersetzung erinnert an die Diskussionen über die Nachnutzung des so genannten Berghofs am Obersalzberg in Berchtesgaden, der Sommerresidenz Hitlers. Hier hatte sich der Freistaat Bayern nach dem Abzug der Amerikaner für die Errichtung einer ständigen Ausstellung entschieden, die 1999 am Fuße des Obersalzbergs eröffnet wurde. Die Intention dabei war und ist, vor Ort die Vergangenheit des Obersalzbergs als „Führersperrgebiet“ und die Verbindungen der einheimischen Bevölkerungen zur NS-Politik zu beleuchten.