Auslandsösterreicher sollen zur Stimmabgabe motiviert werden

In der zweiten Jahreshälfte 2018 wird Österreich den EU-Vorsitz führen.

Auslandsösterreicher haben eine eigene „Interessensvertretung“, den so genannten Weltbund der Auslandsösterreicher. Er kümmert sich um deren Anliegen, fördert die Pflege österreichischen Bewusstseins und Kulturguts. Am morgigen Karfreitag sind es genau 80 Jahre her, dass die Geburtsstunde für diese Organisation schlug.

Rund 500.000, das sind etwa sechs Prozent der Österreicher leben im Ausland. Gut die Hälfte davon haben ihren Wohnsitz in Deutschland, jeder zehnte in der Schweiz. In den USA zählt man 30.000, in Australien und Südafrika (die in den 1950-er Jahren viele Auswanderer anzogen) sind es 15.000 beziehungsweise 13.000 Bürger, die sich aus der Alpenrepublik kommend hier einen neuen Wohnsitz geschaffen haben. Hinzu kommen noch 100.000 so genannte "Herzensösterreicher", die  mehr oder weniger (vor allem im Umfeld der NS-Zeit) emigrieren, eine andere Staatsbürgerschaft annehmen mussten, aber eben im Herzen noch immer an ihrem Heimatland hängen.

Nachholbedarf in einigen Bundesländern

 
Seit 1990 können Auslandsösterreicher ihre Stimme bei den Wahlen zum Bundespräsidenten, zum Nationalrat, zum EU-Parlament und bei Volksabstimmungen, sofern sie sich freiwillig in die Wählerevidenz der Gemeinde ihres letzten ordentlichen Wohnsitzes in Österreich eintragen lassen. abgeben. Unterschiedlich ist die Situation bei Landtagswahlen. In Niederösterreich, wo erst vor kurzem gewählt wurde, durften die Auslandsösterreicher ihre Stimme abgeben. In Kärnten war ihnen dies nicht möglich. Und auch in Salzburg, das sich als weltoffenes Kulturland rühmt, ist ihnen dieses Wahlrecht (noch) verwehrt.

Eigene Österreicher-Siedlung in Brasilien

 
Wie es sich gehört, haben die Auslandsösterreicher eine eigene "Interessensvertretung", den so genannten Weltbund der Auslandsösterreicher. Er kümmert sich um deren Anliegen, fördert die Pflege österreichischen Bewusstseins und Kulturguts.

Am morgigen Karfreitag sind es genau 80 Jahre her, dass die Geburtsstunde für diese Organisation schlug. Am 29. März 1933 wurde in Wien die "Österreichische Auslandssiedlungsgesellschaft" mit dem Ziel gegründet, geschlossene österreichische Siedlungen in Südamerika zu errichten. Präsident des Vereins war der aus Tirol stammende Landwirtschaftsminister Andreas Thaler. Er machte sich alsbald auf den Weg nach Südamerika, um geeignetes Land zu erstehen. Im brasilianischen Cruzeiro do Sul, der heutigen Bezirksstadt Joacaba im Bundesstaat Santa Catarina, erwarb er ein Gebiet von 52 km2. Die österreichische Regierung ging für den Kauf in Vorleistung und so erstand eine erste Österreicher-Ansiedlung in Übersee.

20.000 Wahlkarten für 500.000 Auslandsösterreicher

 
Vor 60 Jahren schließlich wurde in Wien ein weltweit tätiger Dachverband als Interessensvertretung aller angeschlossenen Auslandsösterreicher-Vereine gegründet. Diesem Weltbund gehören derzeit 170 Vereine auf allen Kontinenten mit mehr als 10.000 Mitgliedern an. Gerne bezeichnet sich der Weltbund auch als das "10. Bundesland" Österreichs. Und er rührt vor allem die Trommel, auch wenn man im Ausland lebt, vom Wahlrecht daheim Gebrauch zu machen. Bei bundesweiten Wahlgängen wurden zuletzt rund 20.000 Wahlkarten ins Ausland verschickt. Das heißt, dass ca. vier Prozent der Auslandsösterreicher von ihrem Wahlrecht auch wirklich Gebrauch machen. Da steckt noch einiges an Mobilisierungspotential drinnen. Sowohl ÖVP wie SPÖ wollen im Vorfeld der herbstlichen Nationalratswahlen in Hinblick auf diese Wählergruppe eine eigene Kampagne starten. Einer der Auslandsösterreicher hat übrigens im Herbst sogar eine eigene Partei aus der Taufe gehoben, der austro-kanadische Milliardär Frank Stronach. Keine politischen Ambitionen verfolgt Arnold Schwarzenegger, er bemüht sich nach Ende seiner kalifornischen Gouverneurslaufbahn wieder verstärkt um seine Heimat. Hier sorgen seine Besuche nämlich noch immer für Schlagzeilen.
 
Herbert Vytiska (Wien)