Überproduktion: Spanien ruft 20.000 Tonnen Obst zurück, um Preise zu erhöhen

Insgesamt hat Spanien diesen Sommer 40.000 Tonnen Obst zurückgerufen, um die Preise anzuheben. [Brandon Doran/Flickr]

Die Europäische Kommission hat einer Anfrage der spanischen Regierung stattgegeben, nach der fast 20.000 Tonnen Pfirsiche und Nektarinen nach Überproduktion vom Markt genommen werden. Ein Bericht von EURACTIVs Partner EFEAgro.

Die Kommission bewilligte den Rückruf vergangene Woche während einer Sitzung in Brüssel. Das spanische Ministerium für Landwirtschaft, Lebensmittel, Fischerei und Umwelt kündigte an, er werde „in den kommenden Tagen“ umgesetzt.

Nach Berechnungen des Ministeriums werde dadurch die Menge des auf dem Markt verfügbaren Obstes um insgesamt 40.000 Tonnen reduziert, nachdem früher bereits 21.000 Tonnen zurückgerufen worden waren. Dadurch soll ein durch das russische Embargo gegen Obst und Gemüse aus der EU erzeugtes Überangebot reduziert und die Preise stimuliert werden.

Die 19.550 Tonnen Pfirsiche und Nektarinen sollen zu Saft verarbeitet werden, der dann über Armenküchen verteilt wird. Von den vorherigen 21.000 Tonnen zurückgerufenem Obst war dies ebenfalls mit 18.000 Tonnen gemacht worden. Die übrigen 3000 Tonnen wurden direkt und frisch an die Essensausgaben geliefert.

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Ein strukturelles Problem

„Der Markt für Steinfrüchte erlebt seit 2014 jeden Sommer Ungleichgewichte, weil zu viel produziert wird. Das Problem besteht also schon länger, als das russische Embargo”, erklärte das spanische Ministerium. Die Situation habe sich dieses Jahr aber noch weiter verschlimmert. Alle Steinobst-Regionen hätten 2017 sehr große Produktionsmengen geliefert – für einige Hersteller habe dies zu Problemen geführt, ihre Erzeugnisse zu verkaufen.

Da dies ein „strukturelles“ und wiederkehrendes Problem ist, hofft das spanische Landwirtschaftsministerium, im Herbst eine Arbeitsgruppe einsetzen zu können, die „mittel- und langfristige Maßnahmen“ erarbeitet, um eine nachhaltige Balance zwischen Angebot und Nachfrage wieder herzustellen.

Das Ministerium teilte außerdem mit, Brüssel habe diese außergewöhnlichen Rückrufe wohl nur akzeptiert, weil Spanien bereits andere Maßnahmen getroffen hatte. So wurde die finanzielle Unterstützung für Landwirte, deren Erzeugnisse zurückgerufen werden, aufgestockt. Auch die Weiterverarbeitung zu Saft und die Ausgabe an Armenküchen sei positiv bewertet worden. Darüber hinaus hat die spanische Regierung diesen Sommer auch eine Kampagne unterstützt, die die Verbraucher aufruft, mehr Steinobst zu essen.