Studie: Weniger Pestizide – meist gleiche Erträge

In Erdbeeren und anderen Lebensmitteln hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Pestizide entdeckt. [© Global 2000 (CC BY-NC-ND 2.0)]

Es dürfen auch im konventionellen Landbau weniger Pestizide sein – jedenfalls oft. Eine Studie zeigt nun, dass die Erträge selten leiden, wenn an Chemie gespart wird.

Der Einsatz von Glyphosat und anderen Pflanzenschutzmitteln bleibt hoch umstritten. Doch Befürworter argumentieren, nur so könnten folgenschwere Ernteausfälle vermieden und die Ernährung aller sichergestellt werden.

Doch zumindest ein niedrigerer Pestizidgebrauch führt kaum zu Verlusten an Produktivität oder Profitabilität für die meisten Ackerbaubetriebe. Das zeigt eine von französischen Wissenschaftlern im Fachjournal „Nature Plants“ veröffentlichte Studie. Sie verweist darauf, dass die verringerte Verwendung von Pestiziden schon heute bei der Produktion der meisten Nutzpflanzen möglich ist, ohne dass dadurch der Ertrag oder die Qualität der Ernte leidet.

Die Verwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln so weit wie möglich herunterzuschrauben und gleichzeitig  die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren ist ein wichtiges Ziel der nachhaltigen Landwirtschaft. Schon frühere Studien hatten darauf hingewiesen, dass ein Wandel hin zu neuen Produktionsstrategien dazu beitragen könnte, die Verwendung von Pestiziden deutlich zu verringern.

Das sollte eigentlich im Interesse aller sein. Denn nicht nur die Umwelt leidet – zu beobachten auch beim Bienensterben. Auch die menschliche Gesundheit und Fruchtbarkeit kann dadurch bedroht sein, wie zahlreiche Untersuchungen in der Vergangenheit gezeigt haben.

Unfruchtbar durch Pestizide und Weichmacher

Immer mehr Frauen haben Probleme, schwanger zu werden – Mitschuld dürften häufig hormonell wirksame Chemikalien wie Weichmacher und Pestizide tragen, zeigt eine Studie. Die Folgen kosten die EU 1,4 Milliarden Euro pro Jahr.

Ähnlich wie bei den biologischen Pestiziden stellen sich Experten auch beim sparsameren Austragen von Pflanzenschutzmitteln die Frage, wie ausgeschlossen werden kann, dass Ernten und Wirtschaftlichkeit unter der Maßnahme leiden.

Martin Lechenet und seine Kollegen haben das nun anhand von Daten aus 946 nicht-ökologischen Ackerbaubetrieben in Frankreich untersucht. Mithilfe dieser repräsentativen Stichprobe konnten sie landwirtschaftlichen Betriebe betrachten, die eine breite Palette von  unterschiedlichen Produktionssituationen und Verwendungen von Pestiziden aufweisen.

Bei Pestiziden, Herbiziden und Fungiziden könnte immens gespart werden

Sie stellten fest, dass bei mehr als dreiviertel der Betriebe die Produktivität nicht unter einem geringeren Pestizidverbrauch litt.  Bei den restlichen Betriebe, die einen Ernte- oder Qualitätsrückgang registrierten, waren hauptsächlich die industriellen Kulturen betroffen, die in hohem Maße von der Verwendung von Pestiziden abhängig sind.

Im Ergebnis kommen die Autoren der Studie zu dem Schluss, dass rund 59 Prozent aller französischen Betriebe die Pestizidnutzung um 42 Prozent reduzieren könnten, ohne einen Verlust der Erträge zu riskieren. Auch bei Herbiziden sei eine Einsparung von rund 37 Prozent ohne Verluste möglich, 47 Prozent könnte an Fungiziden und 60 Porzent  bei Insektiziden gespart werden.

EU-Parlament fordert mehr Alternativen zu Glyphosat und Co.

Es gibt sie – risikofreiere biologische Pflanzenschutzmittel als Alternative zu Glyphosat und anderen chemischen Pflanzenschutzmitteln. Doch ihre Zulassung ist lang und kompliziert, kritisiert das EU-Parlament – und fordert von der EU-Kommission Gesetzesänderungen.

Auch biologische Pflanzenschutzmittel – aus Mikroorganismen, pflanzlichen Bestandteilen oder Botenstoffen wie beispielsweise Pheromonen oder ätherische Ölen hergestellt – werden in der EU zunehmend diskutiert.

Das EU-Parlament, das etlichen solcher Mittel den  gleichen Nutzen bei wesentlich geringeren Risiken für Umwelt und menschliche Gesundheit attestiert, kritisiert schon lange, dass die Genehmigungsverfahren für solche Stoffe noch viel zu langwierig und kompliziert seien. Mitte Februar verabschiedeten die Abgeordneten eine entsprechende Entschließung, die die EU-Kommission auffordert, Gesetzesvorschläge zur Beschleunigung der Genehmigungsverfahren vorzulegen.

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