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17/01/2017

Milchkrise: 10.000 Bauern in Deutschland reduzieren Milchmenge

Landwirtschaft und Ernährung

Milchkrise: 10.000 Bauern in Deutschland reduzieren Milchmenge

Tausende Bauern in Deutschland wollen vorübergehend weniger Milch produzieren.

Foto: dpa

Tausende Bauern in Deutschland wollen vorübergehend weniger Milch produzieren – mit finanzieller Unterstützung von der EU. In Frankreich ziehen nun 13.000 Bauern mit.

Fast 10.000 Betriebe beantragten bislang Geld aus dem EU-Milchverringerungsprogramm, wie das Landwirtschaftsministerium am heutigen Dienstag mitteilte. Die Erzeuger bekommen für jeden Liter Milch, den sie im Vergleich zu einem bestimmten Zeitraum weniger anliefern, 14 Cent.

Das Ministerium zählte bis Montag den Eingang von 9947 Anträgen – die meisten kamen aus Bayern, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Damit stellte etwa jeder siebte Milchbauer hierzulande einen Antrag auf Hilfe.

Die Anträge gelten für den Zeitraum Oktober bis Dezember, Vergleichszeitraum für die Milchmenge ist das letzte Quartal 2015. Wenn die Landwirte die beantragte Reduzierung auch tatsächlich umsetzen, dann werden in den letzten drei Monaten des Jahres rund 286.000 Tonnen weniger Milch auf dem Markt sein – und die Landwirte bekämen dafür insgesamt rund 40 Millionen Euro ausbezahlt. Die Bauern können die Milchmenge reduzieren, indem sie etwa die Futterration für die Kühe anpassen.

Das EU-Milchverringerungsprogramm umfasst insgesamt 150 Millionen Euro – das reicht für rund eine Million Tonnen Milch weniger in der Europäischen Union. Deutschland ist der größte Milchproduzent in der EU mit geschätzt fast 33 Millionen Tonnen 2016.

Die EU gibt den Mitgliedstaaten weitere 350 Millionen Euro für direkte Hilfe – Deutschland bekommt davon 58 Millionen Euro. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will diese Summe mit Bundesmitteln verdoppeln. So stünden 116 Millionen Euro für steuerliche Hilfen oder Bürgschaftsprogramme bereit. Zudem soll die landwirtschaftliche
Unfallversicherung im kommenden Jahr 178 Millionen Euro zusätzlich bekommen.

Auch 13.000 französische Bauern wollen Milchmenge reduzieren

Rund 13.000 französische Bauern wollen ihre Milchproduktion zurückfahren und dafür finanzielle Hilfen aus Brüssel erhalten. Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll teilte in Paris mit, die Landwirte hätten Geld aus einem EU-Programm zur Milchverringerung beantragt. Die Erzeuger bekommen aus Brüssel 14 Cent für jeden Liter, den sie im Vergleich zu einem bestimmten Zeitraum einsparen.

Die Regierung in Paris will diesen Betrag pro Liter noch einmal um maximal zehn Cent aufstocken. Die EU-Kommission hatte im Juli Hilfen in Höhe von insgesamt 500 Millionen Euro angekündigt, um die kriselnde Milchbranche zu unterstützen, 150 Millionen Euro davon sind für ein Programm zur Milchmengenreduzierung.

Nach Auslaufen der Milchquote in der EU vor rund eineinhalb Jahren wird zurzeit zu viel Milch in Europa produziert. Das drückt die Preise. Viele Milchbauern kämpfen um ihre Existenz.

Minister Schmidt sagte, grundsätzlich sei die Maßnahme der EU zur Mengenreduzierung zu begrüßen: „Sie leistet einen Beitrag zur Entlastung des Milchmarktes.“ Kurzfristig müsse die Menge runter, damit der Milchpreis wieder steigen könne.

Jedoch: „Die Branche muss auch zukunftsfeste Marktstrukturen schaffen, die einen besseren Ausgleich zwischen Rohmilchangebot und Nachfrage ermöglichen“, mahnte der Minister. Er traf sich zu diesem Zweck bereits zweimal mit Vertretern von Landwirtschaft, Molkereien und Einzelhandel. Eine staatliche Regelung lehnt Schmidt strikt ab: „Der Staat wird weder Menge noch Preise diktieren können oder wollen.“