Leak: EU will Pestizide zum Schutz von Bienen verbieten

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Bienen und andere Bestäuber sind für viele Nahrungsmittelkulturen lebenswichtig. Deren Population ist aber seit Jahrzehnten aufgrund von Lebensraumverlust, Krankheit und Pestizidgebrauch zurückgegangen. [Renee Hawk/Flickr]

Laut einem als vertraulich eingestuften EU-Dokument, das dem Guardian vorliegt, plant die Europäische Kommission das Verbot von drei Pestiziden, um „akut bedrohte“ Bienen zu schützen.

Die in Pflanzenschutzmitteln enthaltenen, sogenannten neonicotinoiden Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam stehen schon seit Jahrzehnten in Verdacht, wesentlichen Einfluss auf das „Bienensterben“ und das anderer Nutzinsekten zu haben.

Studien belegen die Schädlichkeit von Neonicotinoid-Pestiziden

Pflanzenschutzmittel, die diese Neonicotinoide enthalten, sind in vielen EU-Staaten zugelassen. Seit Beginn der 2000er Jahre gab es zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen über deren Wirkung auf Bienen und Nutzinsekten – mit widersprüchlichen Ergebnissen. Bis die von der EU-Kommission beauftragte Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eindeutig Risiken für Bienen identifizierte, die von den drei Wirkstoffen ausgehen. Daraufhin schränkte die EU-Kommission 2013 die Verwendung von  Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam zunächst zeitlich begrenzt und für bestimmte Anwendungen in Pflanzenschutzmitteln ein. Bis Januar 2017 sollte die EFSA eine Neubewertung der Risiken der neonicotinoidhaltigen Insektizide beim Einsatz zur Saatgutbehandlung und als Granulat vornehmen.

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Laut Guardian beruht der jüngste Kommissionsvorschlag für ein Verbot der Pestizide auf dieser aktuellen Stellungnahme der EFSA**, deren Ergebnisse mit anderen unabhängigen wissenschaftlichen Einschätzungen über die mit Neonicotinoid-Pestiziden verbundenen Gefahren übereinstimmen. Zitiert werden die WIA von 2014, die Auswertungen der EASAC – des European Academies‘ Science Advisory Council sowie die aktuelle Greenpeace-Analyse (2017).

Franziska Achterberg, verantwortlich für die EU-Lebensmittelpolitik bei Greenpeace, begrüßte gegenüber Euractiv den Vorstoß der Kommission. „Das ist eine gute Nachricht für die Bienen und die Umwelt. „Die Beweise, dass diese Stoffe Bienen schädigen, häufen sich seit Jahren.“

Ausnahmen mit Nebenwirkungen?

Dennoch geht Greenpeace der Vorschlag nicht weit genug. Die Kommission sieht eine Ausnahmeregel vor. In Gewächshäusern soll der Einsatz von Neonicotinoide-Pestiziden nach wie vor gestattet bleiben, weil dort „die Pflanzen während ihres ganzen Lebenszyklus im Gewächshaus verbleiben und nicht draußen nachgepflanzt werden.“

Die Regierungen müssen diese Gewächshaus-Lücke schließen und diese Chemikalien ein für allemal beseitigen, so Achterberg. Die EFSA hätte noch immer nicht die Sicherheit des Sprühens dieser Pestizide und die Verwendung von behandeltem Saatgut in Gewächshäusern ausgewertet. Der vorliegende Entwurf sei zudem erst ein Anfang. „Auch wenn diese gefährlichen Pestizide verboten sind, sind ähnliche Chemikalien noch erlaubt. Die EU muss für alle Pestizide dieselben strengen Standards anwenden und den Übergang zu ökologischen Methoden der Schädlingsbekämpfung unterstützen“, so Achterberg.

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Laut Guardian könnte ein Verbot noch in diesem Jahr in Kraft treten, wenn der Kommissionsvorschlag von einer Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten in ihrer Sitzung am 17. und 18. Mai genehmigt wird. Ist das der Fall, dürften die Produkte Clothianidin und Imidacloprid von Bayer sowie Thiamethoxam von Syngenta nur noch in Gewächshäusern verwendet werden.

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