Glyphosat: Frankreich will gegen weitere Zulassung votieren

EU-Kommission und EU-Mitgliedsstaaten stehen in der Verantwortung ihren Bürgern mehr zu bieten als einen Scheinkompromiss, der das Ende von Glyphosat auf den St. Nimmerlein-Tag verschiebt, meint Martin Häusling. [Patrick Pleul/dpa]

Frankreich will in Brüssel offenbar gegen die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat stimmen. Kritiker des umstrittene Herbizids hoffen nun, dass im Oktober die weitere Verwendung gestoppt wird.

Wie französische Medien unter Berufung auf das zuständige französische Ministerium berichten, will Frankreich gegen die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat im Ständigen Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel stimmen. Der zuständige Minister Nicolas Hulot hatte diese Woche Bedenken hinsichtlich der Sicherheit des Unkrautvernichters geäußert.

Die Europäische Kommission will das Herbizid in der Europäischen Union für weitere zehn Jahre als Pflanzenschutzmittel erlauben. Basis für die Entscheidung sind positive Sicherheitsbewertungen durch die europäische Chemikalienagentur (ECHA) sowie die EU-Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA).

Die EFSA und das Glyphosat

Die EFSA, die europäische Lebensmittel-Agentur, steht aufgrund ihrer Bewertung von Glyphosat in der Kritik.

Über die Verlängerung soll am 4. Oktober im Ständigen Ausschuss erneut abgestimmt werden. Dafür notwendig wäre eine qualifizierte Mehrheit. Bei der vergangenen Abstimmung im Juni hatten sich Frankreich ebenso wie Deutschland noch enthalten. Daraufhin wurde die Zulassung vorerst um anderthalb Jahre bis Ende 2017  verlänger. Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt drängt die EU-Kommission jedoch, die Genehmigung des Pflanzenschutzmittels weiterhin zuzulassen.

Der Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen im Europäischen Parlament, Sven Giegold, lobt den Vorstoß: „Die französische Regierung übernimmt Verantwortung für die Gesundheit
ihrer Bürger und den Umweltschutz.“ Jetzt müsse sich auch die Bundesregierung besinnen und sich zu einem Veto gegen die Glyphosat-Zulassung durchringen, so Giegold. Frankreich und Deutschland könnten mit wenigen Partnern eine weitere Verwendung von Glyphosat stoppen.

EU-Kommission fordert Entscheidung zu Glyphosat

Ob das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat auch künftig auf europäischen Äckern gespritzt werden darf oder nicht, will die EU-Kommission nicht alleine entscheiden.

Kritiker fordern, wenn die Bundesregierung dem Vorsorgeprinzip Rechnung tragen wolle, müsse sie gegen die Verlängerung des Ackergifts stimmen. Bislang sind nicht alle Zweifel ausgeräumt, was die Wirkung des Mittels auf den menschlichen Organismus betrifft.

Zudem sehen Umweltschützer, Verbraucherschutzverbände und die Grünen die starken Bestandsrückgänge bei Wiesenvögeln, Schmetterlingen und anderen Insekten als Hinweis auf die schädliche Wirkung des Wirkstoffs auf die Flora. In Deutschland und Europa hat sich sich einiger Zeit eine große Bürgerbewegung gegen Glyphosat formiert. Eine Europäische Bürgerinitiative hat mehr als eine Millionen Unterschriften gegen Glyphosat gesammelt, so dass sich nun die EU-Kommission mit dem Anliegen beschäftigen muss.