Fipronil-Skandal: EU will in kommenden Wochen Lehren ziehen

Fipronil-Skandal Eier

Etliche europäische Länder sind vom Eierskandal betroffen. [Ian Britton/Flickr]

Nach dem EI-Skandal beraten die EU-Agrarminister über ein verbessertes Warnsystem. Die Kommission schickt dazu auch Experten in die vier Länder.

Die EU will in den kommenden Wochen die Lehren aus dem Skandal um das Insektengift Fipronil in Eiern ziehen. Die EU-Agrarminister berieten am Dienstag in Estland über Möglichkeiten, Verzögerungen bei Lebensmittelwarnungen in Europa künftig zu verhindern. Deutschland forderte dabei strengere Informationspflichten für Länder, in denen verunreinigte Produkte entdeckt werden.

Vor möglichen Beschlüssen zur Verbesserung des europäischen Lebensmittelwarnsystems sei aber „ein vollständiges Bild“ nötig, sagte der für Lebensmittelsicherheit zuständige EU-Kommissar Vytenis Andriukaitis in Estlands Hauptstadt Tallinn. Er kündigte deshalb an, Experten seiner Behörde ab Ende September nach Belgien, Deutschland, Frankreich und in die Niederlande zu schicken.

In allen vier Ländern mussten Legehennenbetriebe gesperrt werden, weil eine niederländische Reinigungsfirma dort ein mit Fipronil versetztes Reinigungsmittel einsetzte. Schwerpunkt des Skandals waren die Niederlande und Belgien, in Deutschland und Frankreich waren nur wenige Betriebe betroffen.

Fipronil-Skandal: Zweite verbotene Chemikalie auf Hühnerfarmen

Der Skandal um belastete Eier weitet sich aus. Auf Hühnerfarmen in den Niederlanden sei eine zweite verbotene Substanz gefunden worden.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) kritisierte, dass Belgien und die Niederlande die anderen EU-Staaten erst spät gewarnt hätten. „Wir müssen leider feststellen, dass monatelang in anderen Ländern die Informationen verfügbar waren und nicht an uns weitergegeben worden sind“, sagte er. Schmidt fordert nun „einheitliche Regeln“ bei der Informationspflicht der Mitgliedstaaten. Die EU brauche ein Schnellwarnsystem,das diesem Namen auch gerecht werde.

Auch der belgische Minister Denis Ducarme forderte „eine verstärkte Zusammenarbeit“ auf EU-Ebene. Es müsse sichergestellt werden, dass „der Fluss beim Informationsaustausch“ besser funktioniere.

Fipronil-Skandal: EU-Gesundheitskommissar muss Farbe bekennen

Wie schnell sollen grenzüberschreitende Lebensmittel-Warnungen herausgegeben werden? In dieser Frage muss EU-Gesundheitskommissar Andriukaitis im Fipronil-Skandal Farbe bekennen.

Der erste Fipronil-Fund wurde Anfang Juni in Belgien bestätigt. An die EU-Kommission wurde diese Information aber erst am 20. Juli weitergeleitet, die daraufhin über ihr Schnellwarnsystem die anderen Mitgliedstaaten informierte. Die belgische Regierung wirft den Niederlanden vor, wochenlang nicht auf ihre Anfragen geantwortet zu haben.

Insgesamt sind laut EU-Kommission inzwischen weltweit mindestens 45 Länder betroffen, in die Eier mit Fipronil-Belastung geliefert wurden. Dazu gehören alle EU-Mitgliedstaaten bis auf Litauen und Kroatien. In Europa gab es auch Fipronil-Funde in der Schweiz, Norwegen und Liechtenstein. Hinzu kommen 16 weitere Staaten in Asien, Afrika, Nahost und auch die USA und Kanada.

Nächste Etappe ist ein Treffen hochrangiger Vertreter der nationalen Ministerien und Lebensmittelbehörden am 26. September. Schmidt zufolge bildeten Deutschland, Frankreich, Belgien und die Niederlande eine Arbeitsgruppe, die der Kommission gemeinsam Vorschläge für Verbesserungen unterbreiten will. Das Thema soll dann erneut beim Treffen der EU-Agrarminister im Oktober auf der Tagesordnung stehen.