EU steuert auf „Butterkrise“ zu

Die Butter wird immer teurer. [margouillat photo/Shutterstock]

Molkereiunternehmen haben gewarnt, dass der EU zum Ende des Jahres eine „Butterkrise“ droht. Veränderungen in der Nachfrage und Marktungleichgewichte würden die Preise auf Rekordhöhe bringen.

Peder Tuborgh, CEO von Arla Foods, mit 12.500 Milchbauern in der EU eine der größten Milchprodukt-Kooperativen der Welt, sagte vergangenen Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: „Nach den sehr niedrigen Preisen im vergangenen Jahr gibt es momentan eine Milchkrise in der ganzen Welt. […] Es wird definitiv nicht möglich sein, bis Weihnachten die Nachfrage zu befriedigen.“

Das Ende der Milchquoten in der EU hatte den Milchmarkt vergangenes Jahr aus den Angeln gehoben und zu massiven Preisstürzen geführt. Jetzt führen die Engpässe bei Milch, Sahne und Butter zu „signifikanten“ Preiserhöhungen, erklärte Tuborgh. Er kündigte an, Arla werde im September erneut den Preis, den die Kooperative ihren Bauern zahlt, erhöhen – auf 38,30 Euro pro Kilo. Das ist der dritte Monat mit Preisanhebungen in Folge.

Kein Mangel, sondern veränderte Nachfrage

Mit einem Preis von 612 Euro pro 100 Kilogramm ist Butter derzeit durchschnittlich 150% Prozent teurer, als zum gleichen Zeitpunkt 2016. Die Fehlmenge auf dem EU-Markt wird Ende des Jahres bei 60.000 Tonnen liegen, so die Schätzungen. Die Europäische Kommission unterstreicht allerdings, dass dies nicht an Milchmangel liege, sondern an Nachfrageänderungen innerhalb des Molkerei-Sektors.

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„Im Juni hat die Produktion in 19 Mitgliedstaaten derart zugenommen, dass die Verluste in den neun anderen (darunter Frankreich und Deutschland) mehr als ausgeglichen wurden“, sagte ein Kommissionsmitarbeiter gegenüber EURACTIV.com. Insgesamt erwarte die EU-Exekutive, dass die EU-Milchproduktion dieses Jahr ungefähr eine Million Tonnen höher liegen werde, als im Vorjahr.

„Die derzeitige Butter-Situation resultiert aus scharfem Wettbewerb um die Fettanteile in der Milch“, so der EU-Beamte. „Es liegt hauptsächlich daran, dass fette Milch vermehrt für die Produktion von Käse eingesetzt wird. Die Nachfrage für Käse ist momentan hoch, und die Hersteller können mit Käse höhere Preise erzielen, als mit der Butterproduktion.“

„Die Lebensmittelkette muss besser funktionieren”

Pekka Pesonen, Generalsekretär des EU-Landwirteverbands Copa-Cogeca, sieht einen weiteren Grund für den Buttermangel im boomenden Export in die USA. Dort würden Verbraucher vermehrt Butter statt Margarine kaufen. Pesonen erklärte, dass die Landwirte die Nachfrage nach Milchfetten befriedigen und nicht zu Überschüssen bei preisschädigenden Produkten wie Magermilchpulver beitragen wollen.

Weiter forderte er: „Was auch angegangen werden muss, ist die Wechselbeziehung zwischen den Butterpreisen im Supermarkt und den Preisen, die die Erzeuger erhalten.“ Die Erzeugerpreise seien nicht so stark gestiegen, wie die Butterpreise im Einzelhandel. „Die Lebensmittelkette müsse optimiert werden und „besser funktionieren.“

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