EU-Landwirte fordern Maßnahmen gegen unfaire Handelspraktiken

An einem Steak verdienen europäische Landwirte nur 20 Prozent des Preises, den Konsumenten im Supermarkt bezahlen. [Taryn/Flickr]

Europäische Landwirte haben die Kommission am Dienstag erneut dazu aufgerufen, für mehr Transparenz in der Lebensmittelkette zu sorgen und EU-Richtlinien durchzusetzen, die Bauern vor unlauteren Praktiken ihrer mächtigen Handelspartner schützen sollen.

Im Rahmen der Agenda für bessere Rechtsetzung hat die Kommission im Juli eine erste Einschätzung für Verbesserungen in der Nahrungsmittelkette gegeben. Darüber hinaus wurde im August ein öffentlicher Konsultationsprozess gestartet, der der Öffentlichkeit die Möglichkeit geben soll, Vorschläge für eine fairere Lebensmittelkette zu machen.

Landwirte beklagen sich seit Langem über die ihrer Ansicht nach unfaire Verteilung von Profit und Wert in der Kette: Sie haben einerseits hohe Investitionskosten, leiden andererseits an den niedrigen Preise im Einzelhandel und erhalten nur einen Bruchteil des Geldes, das die Konsumenten im Supermarkt ausgeben.

Laut Copa-Cogeca, dem Verband europäischer Landwirte und Agro-Kooperativen, liegt der durchscnittliche Lohn von Bauern bei lediglich 40 Prozent des allgemeinen EU-Durchschnitts.

In der Einleitung zu ihrer Einschätzung schreibt die Europäische Kommission, diese unvorteilhafte Einkommensverteilung sei unter anderem darauf zurückzuführen, „dass es große Unterschiede in der Verhandlungsmacht gibt, zwischen kleinen und daher verletzlicheren Gewerbetreibenden, darunter Landwirte, und ihren wirtschaftlich mächtigeren und konzentrierten Handelspartnern.“

EU-Kommission startet Anhörung für mehr Fairness auf dem Lebensmittelmarkt

Die Kommission hat eine Anhörung für mehr Fairness in der EU-Lebensmittelkette gestartet. Bisher haben Kleinbauern Nachteile gegenüber Zwischenhändlern.

Am gestrigen Dienstag hat Pekka Pesonen, Generalsekretär von Copa-Cogeca, die europäische Politik daher erneut dazu aufgerufen, die Handelsposition von Landwirten zu verbessern und unfaire Handelspraktiken zu stoppen. Pesonen sagte, Initiativen auf freiwilliger Basis der Lebensmittelverarbeiter, Groß- und Einzelhändler hätten für die Landwirte keinerlei positiven Resultate erbracht.

Landwirt steckt am meisten Arbeit in seine Produkte

„Es ist inakzeptabel, dass ein Landwirt beispielsweise nur 20 Prozent des Verkaufspreises für ein Steak erhält. Schließlich ist er derjenige, der am meisten Arbeit in dieses Stück Fleisch gesteckt hat“, kritisierte Pesonen.

Copa-Cogeca fordert außerdem mehr Transparenz in der Lebensmittelkette. Dadurch wären Landwirte besser informiert, könnten fundiertere Entscheidungen treffen und somit auch ihre Verhandlungsposition gegenüber den Handelspartnern verbessern.

Der EU-Landwirtschaftstkommissar Phil Hogan hatte kürzlich zugegeben, dass die Lebensmittelkette in der EU nicht immer zum Vorteil der Erzeuger funktioniere. Die Arbeit der Landwirte sei essentiell für den Lebensmittelmarkt, doch ihre Verhandlungsposition meist schlecht.  Hogan: „Die Bauern sind das erste Glied in der Lebensmittelkette. Ohne sie gäbe es gar keine Nahrung, die weiterverarbeitet, verkauft und konsumiert werden könnte. Wir stellen aber fest, dass diese Landwirte oftmals auch das schwächste Glied in der Kette sind.“