EU-Bauern warnen vor „verheerenden Auswirkungen“ von Freihandelsabkommen

Gerade die irischen Fleischproduzenten, die bereits unter dem Brexit zu leiden haben, fürchten eine weitere Öffnung für Mercosur-Rindfleisch. [Adrian Byrne/Flickr]

Europäische Landwirtschaftsverbände drängen die Europäische Kommission, keine zusätzlichen Rindfleischimporte aus dem südamerikanischen Handelsblock Mercosur zu erlauben. Mehr Importe könnten „verheerende Auswirkungen“ auf Arbeitsplätze in ländlichen Gebieten sowie auf die EU-Lebensmittelstandards haben.

Nachdem Verhandlungen zwei Jahrzehnte lang immer wieder unterbrochen und wieder aufgenommen worden sind, will die EU bis Ende 2017 endlich ein Freihandelsabkommen mit der Mercosur-Gruppe abschließen.

Kürzlich stellte sich allerdings das gewichtige Mercosur-Mitglied Brasilien quer: Man würde die Verhandlungen wieder stoppen, wenn die EU ihre Märkte nicht für Rindfleischimporte aus Südamerika öffne.

Die Mercosur-Länder sind beim Fleisch bereits eine Macht in die EU: Sie profitieren von ihren deutlich niedrigeren Produktionskosten und stehen für drei Viertel des importierten Rindfleischs in die EU.

Die europäischen Rinderzüchter, die bereits unter sinkender Nachfrage und den Unsicherheiten des Brexit leiden, haben sich nun deutlich gegen eine weitere Liberalisierung des EU-Fleischmarktes ausgesprochen und Handelskommissarin Cecilia Malmström aufgerufen, dem Druck aus Südamerika nicht nachzugeben.

Mercosur will bis Ende des Jahres Abkommen mit der EU schließen

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„Existenzielle Bedrohung“

„Im Angesicht der Gefahren und Unsicherheiten aufgrund des Brexits und dem Einfluss des britischen Pfunds auf den Rindfleischmarkt muss die EU der Mercosur jetzt ein neues Angebot machen,” forderte Joe Healy, Vorsitzender des irischen Landwirtschaftsverbandes IFA, vergangene Woche nach einem Treffen mit Mitarbeitern aus Malmströms Kabinett.

Auch andere Quellen wiesen EURACTIV auf die „existenzielle Bedrohung“ der irischen Fleischexporte durch den Brexit hin. Die Hälfte des irischen Rindfleischs wird nach Großbritannien ausgeführt. Durch das derzeit schwache Pfund sind die Preise, die die britischen Verbraucher zahlen, und somit auch die Gewinnspannen der Landwirte, deutlich gefallen.

Sollte es nach dem Brexit Einfuhrzölle geben, müssten sich irische Landwirte zwangsläufig nach anderen europäischen Märkten umsehen. Für die EU entsteht dann die Gefahr eines Überangebots und eines deutlichen Preisverfalls.

Während die Nachfrage nach Rindfleisch in Europa in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent gefallen ist, könnten billige Importe aus Südamerika die Preise weiter drücken, warnen die Farmer. „In der EU gibt es keinen Platz für zusätzliche Importe und weitere Zugeständnisse an Mercosur. Das würde verheerende Folgen für die EU-Landwirte haben,“ erklärte Healy. Er verwies auch auf eine Folgenabschätzung der EU selbst, laut der ein Abkommen mit Mercosur dem EU-Rindfleischsektor schaden würde.

Aushöhlung der Lebensmittelstandards

Neben den Preiseffekten sorgen sich die Landwirtschaftsvertreter auch um die Auswirkungen, die der Freihandel mit den Mercosur-Ländern auf die hohen Lebensmittel-, Tierschutz- und Umweltstandards der EU haben könnte.

„In der EU überwachen wir jede Bewegung eines Tieres von der Geburt bis zum Tod. In den Mercosur-Ländern geschieht das nur für etwa 10 Prozent der Lebenszeit”, sagt Jean-Pierre Fleury, zuständig für den Rindfleischhandel beim europäischen Landwirtschaftsverband Copa-Cogeca. „Mit unseren Systemen garantieren wir den Verbraucher höchste Sicherheit und Qualität des Fleisches.“

Gammelfleisch-Skandal beim größten Fleischexporteur der Welt

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Tatsächlich wurde das Vertrauen in die brasilianischen Lebensmittelstandards und in ihre Einhaltung Anfang dieses Jahres erschüttert, als klar wurde, dass eins der größten Fleischverpackungs-Unternehmen des Landes wissentlich verdorbenes und salmonellenbefallenes Fleisch verkauft hatte. Im Rahmen des Skandals wurden auch damit verbundene Korruptionsfälle auf hoher politischer Ebene bekannt.

Der irische Landwirtschaftsverband IFA kritisiert außerdem, dass durch ein Öffnen der Märkte nachhaltig produzierende Landwirte in Europa geschädigt und Importfleisch gefördert würde, das auf gerodeten Flächen im Amazonasgebiet produziert werde.