EU-Abgeordnete fordern Untersuchungsausschuss zu Monsanto

Im Tauziehen um die Zukunft des Unkrautvernichters Glyphosat hat die EU-Kommission einen neuen Vorschlag unterbreitet. [Chafer Machinery/Flickr]

Im Streit um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat haben Abgeordnete des Europaparlaments einen Untersuchungsausschuss gefordert, der eine mögliche Einflussnahme des US-Agrarkonzerns Monsanto auf die Forschung beleuchten soll.

„Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Bildung einer Untersuchungskommission erforderlich ist“, erklärten die sozialistischen EU-Abgeordneten Eric Andrieu aus Frankreich und Marc Tarabella aus Belgien. Es gebe zu viele ungeklärte Fragen über die Sicherheit von Glyphosat.

Die Parlamentarier hatten am Mittwoch mehrere Experten zu einer Anhörung geladen, um über den Vorwurf zu beraten, Monsanto habe versucht, Studien über mögliche Gesundheitsrisiken von Glyphosat zu beeinflussen. Der Konzern hatte eine Einladung des Parlaments zur Teilnahme an der Anhörung ausgeschlagen.

Der Einsatz des Herbizids ist in Europa hoch umstritten: Während das Internationale Krebsforschungszentrum die Chemikalie als „wahrscheinlich“ krebserregend einstufte, kamen Aufsichtsbehörden in Deutschland und der EU zu einem anderen Schluss. Die EU-Kommission hatte die Zulassung für den Unkrautvernichter vorläufig bis Ende dieses Jahres verlängert und zuletzt vorgeschlagen, dem Expertenausschuss eine Verlängerung der Zulassung um zehn Jahre vorzuschlagen.

Glyphosat : Efsa-Bericht zum Teil Kopie von Monsanto-Papier

Die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit hat laut einem Bericht wohl teilweise die Argumentation des Herstellers Monsanto übernommen – darunter die wichtigsten Kapitel.

Glyphosat als unbedenklich eingestuft – von Monsanto

Die italienische Zeitung „La Stampa“ und der britische „Guardian“ hatten vergangenen Monat berichtet, die Europäische Agentur für Lebensmittelsicherheit (Efsa) habe teilweise die Argumentation des Herstellers übernommen. Die Kapitel im Efsa-Bericht über die bislang veröffentlichten Studien zur Wirkung von Glyphosat auf die menschliche Gesundheit seien „quasi Wort für Wort von einem Monsanto-Bericht aus dem Jahre 2012 übernommen“
worden, schrieb „La Stampa“.

Der Plagiatsprüfer Stefan Weber erklärte vergangene Woche zudem, das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) habe für seinen Glyphosat-Bericht wesentliche Angaben von Herstellern des umstrittenen Unkrautgifts wörtlich übernommen. Der Bewertungsbericht des BfR und damit die wissenschaftliche Grundlage für die von der EU-Kommission vorgeschlagene Zulassungsverlängerung von Glyphosat für weitere zehn Jahre erfülle in wesentlichen Teilen die „Kriterien eines Textplagiats“, erklärte er.

Positionen

Martin Häusling, agrarpolitischer Sprecher der Grünen und Mitglied im Umweltausschuss des europäischen Parlaments kommentiert: „Die gestrige Anhörung im Europäischen Parlament hat noch einmal gezeigt, dass wir zu Recht seit längerem daran zweifeln, dass bei der Unbedenklichkeitsprüfung für Glyphosat alles mit rechten Dingen zugegangen ist: die Podiumsteilnehmer aus Forschung, investigativem Journalismus und Politikbeobachtung haben bestätigt, dass die momentanen Verfahren zur Risikobewertung von Glyphosat nicht als Entscheidungsgrundlage für eine Zulassung ernst genommen werden können. Zudem hat die Vertreterin von ‚US Right to know‘ schwarz auf weiß dargestellt, wie Monsanto direkten Einfluß auf die positive Klassifizierung des Wirkstoffs Glyphosat genommen hat.

Dieses skrupellose, rein an profitinteressen getriebene Verhalten muss untersucht werden, genauso wie das fahrlässige Verhalten des BfR, das in seinem Bewertungsbericht zu Glyphosat nachweislich ganze Textpassagen aus dem Zulassungsantrag des Herstellers Monsanto übernommen hat. Wir Grüne im Europäischen Parlament unterstützen deshalb die Einführung eines Untersuchungsausschusses zu Monsanto und Glyphosat.“