„Alternativlos“: EU-Landwirte kämpfen für Glyphosat-Verlängerung

Derzeit gebe es keine tragfähige Alternative zu Glyphosat, so die Landwirte. [David Mulder/Flickr]

Europäische Landwirte fordern von der EU-Kommission und den Mitgliedstaaten, die Zulassung des Pestizids Glyphosat zu verlängern. Es gebe keine Alternative auf dem Markt und ein Verbot würde die Fixkosten deutlich erhöhen.

Ein Treffen des ständigen Ausschusses für Pflanzen, Tiere, Lebens- und Futtermittel der EU-Kommission soll am 25. Oktober stattfinden, doch  Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis hält sich die Möglichkeit offen, erst zum Ende des Jahres über Glyphosat abstimmen zu lassen, wenn die Zulassung des Pflanzenschutzmittels ausläuft.

„Wir werden weitere Treffen haben und die Diskussion mit den Mitgliedstaaten suchen. Es ist möglich, dass wir im November abstimmen, aber es kann auch sein, dass wir erst Ende Dezember abstimmen,” so der Kommissar.

Frankreich hatte kürzlich seine Ablehnung gegenüber Glyphosat bekräftigt und angekündigt, gegen den Vorschlag der Kommission für eine Zulassungsverlängerung um zehn Jahre zu stimmen. Italien nimmt eine ähnliche Position ein und wird entweder gegen eine Verlängerung stimmen oder sich enthalten, so die italienische Regierung.

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Die EU-Kommission versucht derzeit, die Gräben zwischen den Mitgliedstaaten für eine Wiederzulassung von Glyphosat zu überbrücken.

Ein EU-Diplomat erklärte gegenüber EURACTIV, sollte Glyphosat tatsächlich verboten werden, gebe es zwei andere Pestizide, die das Mittel Roundup von Monsanto ersetzen könnten: Syngentas Reglone und Basta S von Bayer.

Das Problem: Beide Mittel sind deutlich teurer als Roundup – und die Landwirte beschweren sich bereits heute über hohe Fixkosten. Der Diplomat warnte auch vor dem möglichen Entstehen eines Schwarzmarktes, da Pflanzenschutzmittel mit Glyphosat weiterhin in Drittstaaten produziert und in die EU eingeführt werden könnten.

Kampagnen

Es scheint, dass die europäischen Landwirtschaftsverbände langsam die Geduld verlieren. Führende Bauerngewerkschaften aus Rumänien und Frankreich haben Einspruch bei der EU-Kommission eingelegt und gewarnt, sie würden weitere rechtliche Schritte unternehmen, sollte die Kommission ihren Vorschlag für eine Verlängerung nicht durchsetzen können. Auch spanische Gewerkschaften und Verbände haben sich bereits an die EU-Exekutive gewendet.

Der Vorsitzende der europäischen Landwirte-Organisation Copa, Joachim Rukwied, warnte, ein Verbot von Glyphosat könnte die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft sowie die Versorgungssicherheit gefährden. Rukwied traf sich am 17. Oktober mit Landwirtschaftskommissar Phil Hogan, um seinen Ansichten Nachdruck zu verleihen.

„Wir haben in Europa hochangesehene Behörden und Agenturen, die eine Verlängerung [der Glyphosat-Zulassung] befürworten,“ unterstrich er kürzlich.

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Alternativloses Glyphosat

Die französische Organisation der Getreideproduzenten (OPG) schreibt in einem offenen Brief an Andriukaitis, die Landwirte würden bei einem Verbot von Glyphosat ernsthafte wirtschaftliche Schäden erleiden, weil sie dann größere Mengen anderer Pflanzenschutzmittel verwenden müssten.

In dem Brief weist die OPG auch darauf hin, „dass die Europäische Union – mit Zustimmung der Kommission – seit Jahren Millionen Tonnen Getreide aus der Ukraine importiert, einem Land mit riesigen und sehr wettbewerbsfähigen Produktionsstrukturen, die Glyphosat großflächig einsetzen.“

Für die französische Bauerngewerkschaft FDSEA ist derweil klar, dass es derzeit keine Alternative zu Glyphosat gibt: „Die Landwirte haben sich verbesserte Praktiken und mechanische Alternativen angeeignet, soweit das möglich war. Es gibt aber bis heute keinen äquivalenten Ersatz für Glyphosat. Es ist daher sehr wichtig, dass die Forschung weiter betrieben wird und tragfähige Lösungen entwickelt werden.“

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