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22/01/2017

Angst vor Anschlägen: Schweden will Flüchtlingsunterkünfte geheim halten

Justiz und Inneres

Angst vor Anschlägen: Schweden will Flüchtlingsunterkünfte geheim halten

Der schwedische Premier Stefan Löfven vor einer Asylbewerber-Unterkunft in Trelleborg.

[Socialdemokraterna Malmö]

In Schweden sind in den vergangenen sechs Monaten bereits 21 Brandanschläge auf Flüchtlingswohnheime verübt worden. Nun hat sich das schwedische Amt für Migration dafür entschieden, die Standorte der Unterkünfte geheim zu halten.

Die nördlich von Stockholm gelegene Gemeinde Danderyd verkündete gestern, dass sie ein neues Asylbewerberheim eröffnen will. 70 Flüchtlinge sollten demnach ab November in den Gebäuden einer ehemaligen staatlichen Schule untergebracht werden. Schon am Donnerstag Morgen um etwa zwei Uhr hatte man das Gebäude in Brand gesteckt.

Um weiterer Brandstiftung vorzubeugen, hat das schwedische Migrationsamt beschlossen, es der Öffentlichkeit schwerer zu machen, den genauen Standort geplanter Asylbewerberheime ausfindig zu machen. 66.000 Wohnplätze werden also künftig geheim gehalten.

„Die Sicherheitslage hat sich immer weiter verschlechtert und all die Brände bereiten uns großes Kopfzerbrechen. Wir werden die Standorte der Flüchtlingsunterkünfte für uns behalten, damit sie nicht allgemein bekannt werden“, sagte Willis Åberg, Operations Manager beim Amt für Migration, Radio Sweden zufolge.

„Wir möchten eine transparente Behörde sein. In diesem Fall glauben wir jedoch, dass es besser ist, nicht ganz so offen zu sein. So können wir die Risiken eindämmen“, erklärte er.

Deutschland und Schweden sind die beiden EU-Länder, in denen es 2015 die meisten Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte gegeben hat. Sie haben EU-weit auch die meisten Asylsuchenden in diesem Jahr aufgenommen.

Der schwedische Ministerpräsident Stefan Löfven hat die Brandanschläge wiederholt verurteilt: „Dies ist nicht das Schweden, das ich kenne und sehen möchte.“

Jahrzehntelang hatte Schweden einen offenen Ansatz in der Migrationspolitik verfolgt. Letzte Woche stimmte nun die Mehrheit der schwedischen Abgeordneten für strengere Migrationsvorschriften.

Diese beinhalten die Einführung einer temporären Aufenthaltsgenehmigung, mit der kinderlose, volljährige Neuankömmlinge drei Jahre lang in Schweden bleiben dürfen. Eine Aufenthaltsverlängerung ist nur dann möglich, wenn der Flüchtling noch immer schutzbedürftig ist oder aber einen Arbeitsplatz gefunden hat.

„The level of security has deteriorated and it’s worrying with all these fires. We will keep the residences a secret so that they won’t become common knowledge,“ said Willis Åberg, operations manager at the Migration Agency, according to Radio Sweden.

Hintergrund

Entgegen den Stimmen aus Ungarn und einigen anderen ehemals kommunistischen Ostblockstaaten, hat sich die Europäische Union auf einen Plan zur Verteilung von 120.000 Flüchtlingen auf die Mitgliedstaaten geeinigt. Dies ist jedoch nur ein kleiner Teil der insgesamt 700.000 Flüchtlinge aus dem Nahen Osten, Afrika und Asien, die Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge in diesem Jahr die Außengrenzen Europas erreichen.

Die EU bietet der Türkei finanzielle Unterstützung, visumfreies Reisen und neue Beitrittsverhandlungen, wenn Ankara im Gegenzug versucht, den Flüchtlingsstrom durch das eigene Territorium einzudämmen.

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