Jugendorganisation bringt unbezahlte Praktika vor Gericht

Praktikanten demonstrieren in Brüssel gegen unfaire Arbeitsbedingungen [EURACTIV/YouTube]

Das European Youth Forum hat Klage gegen unbezahlte Praktika in Belgien eingereicht. Laut der Plattform für europäische Jugend-NGOs wird dort nur jedes fünfte Praktikum bezahlt.

Praktika können wertvolle Arbeitserfahrungen bieten und für junge Leute Vorteile auf dem umkämpften Arbeitsmarkt darstellen. Für Viele sind sie eine Möglichkeit, Fähigkeiten zu erlernen, Kontakte zu knüpfen und sich für eine zukünftige Karriere zu entscheiden.

Andere Praktikanten werden jedoch als billige Arbeitskräfte missbraucht: sie verrichten Einstiegsjobs für ein niedriges oder gar kein Gehalt – und erhalten im Gegenzug keine Aussicht auf einen echten Arbeitsvertrag und wenig Zusatznutzen für ihre eigene Entwicklung.

Als die politische Hauptstadt der EU – und daher auch als Hotspot für Lobbyisten und NGOs – sind in Brüssel extrem viele Praktikantenstellen zu vergeben. Gleichzeitig hat Belgien mit 82% die höchste Rate an unbezahlten Praktika in der gesamten EU.

O'Reilly: Schluss mit unbezahlten Praktika im Auswärtigen Dienst

Der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) zahlt Praktikanten in Auslandsdelegationen kein Gehalt. Schluss damit, fordert die EU-Bürgerbeauftragte Emily O’Reilly. EURACTIV Brüssel berichtet.

Für das European Youth Forum (EYF) ist klar, dass junge Leute über Praktika ausgebeutet werden – in Zeiten, in denen jeder dritte von ihnen von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht ist. Daher hat das EYF am 12. Mai eine formale Klage eingereicht, um die belgische Gesetzgebung zu ändern und ein Beispiel in „Europa und darüber hinaus“ zu setzen, so ein Statement der Plattform.

Die Organisation argumentiert, unbezahlte Praktika würden zu Exklusion und Diskriminierung führen, da sie keine akzeptablen Arbeitsbedingungen bieten und für viele junge Leute schlicht nicht zugänglich sind, wenn sie von ihren Familien nicht finanziell unterstützt werden (können). Somit sind solche Praktika „ein Paradebeispiel für Ungleichheit. Sie sind nur eine Chance für diejenigen, die die entsprechenden finanziellen Mittel haben. Alle anderen werden ausgeschlossen“, sagt Zuzana Vaneckova, Mitglied des EYF-Vorstands.

Schlechte Arbeitsbedingungen für Europas Praktikanten

Praktika, die Arbeitsplätze ersetzen, sind ein wachsendes Problem in Europa. Am Freitag demonstrierten zivilgesellschaftliche Organisationen beim ersten Europäischen Praktikantentag in Brüssel. Ihnen zufolge sind 60 Prozent aller Praktika in Europa unbezahlt. EURACTIV Brüssel berichtet.

Das EYF sieht seine Klage als Ergänzung zur Europäischen Säule sozialer Rechte der Kommission, die als Basis für ein faireres Sozialmodell innerhalb der EU dienen soll. Die Initiative besteht aus drei Hauptkategorien: Chancengleichheit, faire Arbeitsbedingungen und Sozialschutz.

„In Zeiten hoher Jugendarbeitslosigkeit sind [unbezahlte Praktika] einfach nicht zu rechtfertigen. Durch sie werden junge Menschen, die am meisten unter der Wirtschaftskrise und der Austeritätspolitik zu leiden haben, weiter marginalisiert,” so Vaneckova.