EU: Erasmus-Programm kann Zusammenhalt Europas stärken

Seit 2014 sind die Bildungsprogramme der Europäischen Union unter dem Namen „Erasmus+“ zusammengefasst. [Foto: Pedro Rufo / Shutterstock.com]

Seit 30 Jahre lernen europäische Studenten mit dem Austausch-Programm „Erasmus“ andere Länder kennen. Das hat viel für Europa getan, doch das Projekt braucht noch mehr Mittel, fordert EU-Bildungskomissar Tibor Navracsics.

EU-Bildungskommissar Tibor Navracsics hat mehr Mittel für das europäische Austauschprogramm Erasmus gefordert, um den Zusammenhalt in Europa zu stärken. „Für mich persönlich ist das Erasmus-Programm die wichtigste Errungenschaft der Europäischen Union“, sagte der Ungar am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. „Ich bin zutiefst überzeugt, dass Erasmus das attraktivste Argument für Europa ist.“

Das vor 30 Jahren gestartete Erasmus-Programm könne aber noch verbessert werden. „Wir brauchen daher mehr Geld, um die Anziehungskraft und die Bekanntheit des Programms zu steigern“, sagte Navracsics an die Adresse der EU-Mitgliedstaaten. Zudem will der EU-Kommissar sozial schwächer gestellten Interessierten die Teilnahme an dem Austauschprogramm erleichtern.

„Seit 1987 haben neun Millionen junge Menschen an dem Programm teilgenommen. Das ist eine gute Zahl, aber meiner Meinung nach noch nicht genug.“ Nachholbedarf sieht der EU-Bildungskommissar in den EU-Staaten im Osten und Südosten Europas, wo das Interesse vergleichsweise geringer sei als etwa in Deutschland, Frankreich oder Spanien. „Das hängt etwa mit der Bekanntheit des Programms in diesen neueren Mitgliedstaaten der EU zusammen. Wir wollen dort mehr für Erasmus werben“, so  Navracsics.

30 Jahre Erasmus: Mehr Fördermittel für ein weltoffenes Europa

Erasmus ist 30 – Anlass genug für Politiker und Lehrer, eine massive Aufstockung der Fördermittel zu fordern. Das beliebte und gleichzeitig erfolgreiche Programm steht derzeit nur etwa sieben Prozent der jungen Europäer zur Verfügung. EURACTIV Frankreich berichtet.

Der Ungar betonte die Bedeutung des Austauschprogramms für die Zukunft der in einer tiefen Krise steckenden Europäischen Union. „Erasmus hat schon und kann noch sehr viel dazu beitragen, eine europäische Identität zu stiften und zu stabilisieren“, sagte er. „Durch das Programm wird eine neue europäische Generation geschaffen, indem die Teilnehmer Freunde in anderen Ländern finden.“ Erasmus sei ein maßgebliches Mittel, „europäische Einigkeit, Identität und Zusammenhalt“ zu erreichen.

Aufbau von Bildungsnetzwerken

Erasmus war anfangs vor allem darauf ausgerichtet, Studenten einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen. Seit 2014 sind die Bildungsprogramme der Europäischen Union unter dem Namen „Erasmus+“ zusammengefasst. Damit sollen auch Berufspraktika oder einen Schüleraustausch im europäischen Ausland ermöglicht werden.

„Erasmus war vor dreißig Jahren sehr wichtig, weil es ein Pilotprojekt war. Es war das erste Programm, das konkret europäische Grenzen überschritt“, sagte Navracsics. „Heute ist es als Erasmus+ viel umfassender, da es nicht nur um den Austausch von Studenten und die Zusammenarbeit auf der Ebene der höheren Bildung geht. Es geht um Freiwilligenarbeit, den Aufbau von Bildungsnetzwerken, soziale Vernetzung und Sportförderung.“