Smart Cities: Wie saubere Energie für alle Europäer möglich wird

DISCLAIMER: Die hier aufgeführten Ansichten sind Ausdruck der Meinung des Verfassers, nicht die von EURACTIV.com PLC.

Im Kommissions-Paket „Saubere Energie für alle Europäer“ liegt ein großer Schwerpunkt auf der Energieeffizienz. [Steve Jurvetson/Flickr]

Die EU-Kommission schlägt ein verbindliches Ziel zur Energieeinsparung von 30 Prozent bis zum Jahr 2030 vor. Dieses Bestreben sei zu hoch gesteckt, meint Herbert Reul. Statt ständig neue Ziele zu setzen, müsse Europa die bisherigen Pläne erfolgreich umsetzen.

Die Digitalisierung eröffnet uns in vielen Bereichen neue Türen. Die Vernetzung durch moderne Technologien macht unser Leben leichter und angenehmer. So sind beispielsweise Smartphones wichtige Hilfen in unserem Alltag – mit ihnen können wir telefonieren, Termine verwalten, im Internet surfen, bezahlen und vieles mehr. Während der Roboter Rasen mäht oder staubsaugt, können wir unsere Zeit anders nutzen. Vor ein paar Jahren war die Einkaufsbestellung eines leeren Kühlschranks noch Zukunftsmusik, heute können wir bequem mit dem Smartphone von unterwegs die Heizung, Beleuchtung und Jalousie in unserem „Smart Home“ steuern.

Die Zukunft zieht nicht nur zu Hause, sondern in unserer ganzen Umgebung ein. „Smart City“ ist ein schwer zu definierender Begriff. Die Grundlage vieler dieser Aspekte haben den schnelle Austausch und Analyse von nutzerbezogenen Daten zur Grundlage. Vorgänge werden automatisiert, Funktionalität gesichert, neue Dienste geschaffen und damit die digitale Wirtschaft angekurbelt. Bei der Entwicklung der verschiedenen Möglichkeiten geht es jedoch nicht nur um technologische Möglichkeiten, sondern um die Chancen für die Menschen. Zum Beispiel können Dank Bewegungs- und Verkehrsdaten die Bedürfnisse von Personen und Verkehrsteilnehmern besser vorausgesehen und erfüllt werden – Busfrequenzen, Ampelschaltungen und Spurfreigaben passen sich dem Bedarf an.

Mit Hilfe des technischen Fortschritts kann auch der Energieverbrauch heute genauestens ermittelt, analysiert und optimiert werden. Dies gilt für die eigenen vier Wände, elektrische Geräte und die Wirtschaft und Industrie. Unser Alltag wird seit Jahren immer mehr durch elektrische Geräte bestimmt und erleichtert – diese verbrauchen allerdings auch alle Energie. Gleichzeitig ist das Bewusstsein für den Energieverbrauch stetig gewachsen – die EU setzt schon seit längerem auf eine erhöhte Energieeffizienz in den verschiedenen Bereichen. Und diese liegt auch im Interesse der Verbraucher, denn mehr Effizienz heißt weniger Kosten.

EU-interner Zwist über die Förderung erneuerbarer Energie

EXKLUSIV/ Ein Kompromissentwurf der EU-Kommission und der Bundesregierung über die zukünftige Förderung erneuerbarer Energien in Europa erntet heftige Kritik von den Rechtsexperten der kommissionseigenen Wettbewerbsdirektion. EURACTIV Brüssel berichtet.

Für uns Bürgerinnen und Bürger entstehen jedoch zunächst zusätzliche Kosten – sei es durch die Anschaffung von neuen Elektrogeräten, neue Isolierungen am Haus oder neue Fahrzeuge. Die EU unterstützt bei der Geräteauswahl mit dem Energielabel. Das europäische Energielabel, das EU-weit auf Kühlschränken, Waschmaschinen, Staubsaugern und Co. klebt, bietet den Verbrauchern seit den frühen 90er Jahren eine gute Orientierung und hilft beim smarten Einkauf. Eine europäische Erfolgsgeschichte, denn die Elektrogeräte haben sich seit der Einführung des Labels verbrauchstechnisch stark verbessert. Daher wird das Label gerade vom europäischen Gesetzgeber überarbeitet, um weiterhin übersichtlich über den Energiebedarf Auskunft geben zu können.

Das Energieeinsparpotential liegt in diesem Bereich auf der Seite der Hersteller, die immer effizientere Geräte entwickeln werden. Dieser Fortschritt ist gut für den Wirtschaftsstandort Europa im globalen Wettbewerb. Eine andere effektive Einsparquelle birgt der Energietransport. Ein effizient ausgebautes Stromnetz, welches den gesamten europäischen Binnenmarkt umfasst, sorgt für weniger Stromverlust. Der grenzüberschreitende Austausch von Energie könnte Überschüsse und Nachfrage ausgleichen. Die Lösung heißt Innovation, nicht neue Vorschriften, welche die Bürgerinnen und Bürger nerven und europakritisch machen.

Europäische Energiewende: Das zahnlose Tier

Die EU-Kommisssion hat im Rahmen der Energieunion ein Paket mit Gesetzesvorschlägen zur Vollendung des Energiebinnenmarktes vorgelegt. Doch was steckt im „Winter-Paket“?

Im Kommissions-Paket „Saubere Energie für alle Europäer“ liegt ein großer Schwerpunkt auf der Energieeffizienz. Die Kommission schlägt ein verbindliches Einsparziel von 30 Prozent bis zum Jahr 2030 vor. Ein meiner Meinung nach zu hohes Ziel. Wir brauchen nicht ständig neue Ziele, sondern müssen die bisherigen Pläne erfolgreich umsetzen – und zwar überall in Europa. Wir sollten zunächst an der Erreichung der 20/20/20-Ziele arbeiten. Energieeffizienz und Klimaschutz sind wichtig, Arbeitsplätze und Wohlstandserhaltung aber auch. Und dafür brauchen wir eine funktionierende europäische Industrie. Deshalb vorwärts gehen, aber es nicht übertreiben. Kluge Politik setzt Ziele und treibt an, nimmt aber auch alle mit. Alles auf eine Karte zu setzen gefährdet andere wichtige Projekte.

Der Autor

Herbert Reul ist ein deutscher Politiker (CDU) und Vorsitzender der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament. Von 2009 bis 2012 war er Vorsitzender des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie, zudem ist er stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Verkehr und Fremdenverkehr.

Dieser Beitrag ist Teil der Berichterstattung zum Thema Think Digital – smart cities.

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