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20/01/2017

Die EU-Kommission bremst die Vermarktung von Innovationen

Innovation

Die EU-Kommission bremst die Vermarktung von Innovationen

"Die EU-Kommission sollte die strikten Teilnahmebedingungen des FTI-Projekts anpassen."

[Pierre Metivier/Flickr]

Mit ihrem Pilotprojekt „Fast Track to Innovation“ (FTI) will die Europäische Kommission innovative Unternehmen dazu anspornen, die Ergebnisse der unternehmenseigenen Forschung und Entwicklung (FuE) auf den Markt zu bringen.Dabei stellen die strengen FTI-Vorschriften allerdings ein Problem dar: Viele Unternehmen lehnen eine Zusammenarbeit untereinander ab, wenn es darum geht, sensible Informationen zur internen FuE preiszugeben. Die EU-Kommission sollte daher die strikten Teilnahmebedingungen des FTI-Projekts anpassen, um eine größtmögliche Wirkung zu erzielen, meint Maikel Pellens.

Maikel Pellens ist Senior Researcher im Forschungsbereich „Innovationsökonomik und Unternehmensdynamik“ am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim.

Europas Wissenschafts- und Innovationspolitik braucht dringend Impulse, um FuE-Ergebnisse marktreif zu machen. Zwar investieren die europäischen Regierungen bereits Milliarden in FuE. Allerdings zahlen sich diese Investitionen erst dann für den Europäischen Wirtschaftsraum aus, wenn neue Produkte und Prozesse den Markt auch wirklich erreichen. Das hat sich in jüngster Zeit allerdings als schwierig erwiesen.

Eine Analyse des ZEW zur regionalen Reichweite der Förderaktivitäten des 7. EU-Forschungsrahmenprogramms im Bereich industrieller Schlüsseltechnologien (http://www.zew.de/PJ1280) zeigt, dass vielen Unternehmen häufig die Möglichkeiten fehlen, Anschlussfinanzierungen für ihre FuE-Projekte zu finden. Konkret schaffen es viele Unternehmen nicht, die Zeit zwischen dem Erhalt europäischer Fördermittel und der tatsächlichen Vermarktung ihrer Produkte zu überbrücken. Aus diesem Grund müssen viele EU-finanzierte Projekte wieder eingestellt werden. Ein Teil des Problems stellen die komplexen Finanzierungsinstrumente der europäischen Forschungsförderung dar: Wurden Zuschüsse aus EU-Fördermitteln gewährt, so fällt es selbst erfahrenen Unternehmen schwer, Folgefinanzierung im eigenen Land zu erhalten. Um diesem Problem entgegenzuwirken, sieht das neue EU-Rahmenprogramm für Forschung und Innovation (genannt „Horizont 2020“) Maßnahmen vor – und zwar in Form des FTI-Projekts.

Das FTI-Projekt soll Unternehmen gezielt in dieser letzten Phase helfen, in der es gilt, Produkte auf den Markt zu bringen. Dabei unterstützt das FTI-Projekt Unternehmen jeweils mit Fördergeldern in Höhe von bis zu zwei Millionen Euro. Dieser Beitrag liegt deutlich über den bislang gängigen Fördersummen für marktnahe Innovationen. Die praktische Umsetzung des FTI-Projekts ist allerdings kompliziert.

Interessierte Unternehmen müssen sich zu internationalen Konsortien zusammenschließen, bestehend aus drei bis fünf Partnern, um in das FTI-Projekt aufgenommen zu werden. Obwohl die meisten Unternehmen eine Zusammenarbeit bei FuE im Anfangsstadium prinzipiell begrüßen, lehnen viele Unternehmen wiederum eine Zusammenarbeit mit anderen ab, wenn es um weiterentwickelte FuE geht. Grund dafür ist, dass die Unternehmen fürchten, durch die Zusammenarbeit an marktnahen FuE-Projekten zu viele Informationen an konkurrierenden Unternehmen weitergeben zu müssen und somit ihren Wettbewerbsvorteil zu verlieren. Dies spiegeln auch die Ergebnisse der ZEW-Umfrage wider: Aufgrund der vergleichsweise weniger strengen Kooperationsbedingungen bevorzugten Unternehmen, die am FTI-Projekt teilnehmen, vor allem nationale oder regionale Programme für die Vermarktung ihrer Innovationen.

Die Kooperationsbedingungen des FTI-Projektes stellen für viele Unternehmen also eine entscheidende Hürde dar, die das wirtschaftliche Potenzial des FTI-Projekts stark beeinträchtigt. Aufgrund der starken internationalen Zielsetzung von Horizont 2020 könnte es sich allerdings als schwierig erweisen, die strikten Bedingungen des FTI-Projekts zu lockern. Eine Möglichkeit für die EU-Kommission wäre, das FTI-Projekt wieder aus dem Forschungsrahmenprogramm Horizont 2020 zu nehmen. Damit hätten zwar nicht alle FuE-Projekte der Unternehmen einen europäischen Bezug, aber das FTI-Projekt könnte maßgeblich zur Stärkung von Innovationen „made in Europe“ beitragen. 

Alternativ könnte die EU nationalen Behörden die Koordination von nicht-kooperativen Förderungsprogrammen überlassen. Unternehmen, die daran teilnehmen, wäre ein reibungsloser Übergang von EU-geförderten, kooperativen Forschungsförderungsprogrammen zu nationalen Programmen möglich, die den Unternehmen bei der Vermarktung ihrer Innovationen helfen. In diesem Zusammenhang schlägt Carlos Moedas , EU-Kommissar für Forschung, Wissenschaft und Innovation, die Einführung eines Europäischen Innovationsrats (European Innovation Council, EIC) vor. Dieser könnte Unternehmen durch die Integration und Vereinfachung nationaler und europäischer Finanzierungsströme den Weg auf den Markt durchaus erleichtern.