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09/12/2016

Terrorismus: Soziale Netzwerke im Kampf gegen Propaganda

Innovation

Terrorismus: Soziale Netzwerke im Kampf gegen Propaganda

Twitter reagiert jetzt schneller auf gemeldete Beiträge, um effektiver gegen Terrorpropaganda vorzugehen.

[Esther Vargas CC BY-SA 2.0/Flickr]

Twitter hat seit Mitte 2015 Hunderttausende User-Accounts wegen Terrordrohungen oder islamistischer Propaganda gesperrt. Auch Europol behält zahlreiche Internetplattformen im Auge. EurActiv Brüssel berichtet.

Immer wieder werfen  Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft sozialen Netzwerken vor, nicht entschlossen genug gegen Nutzer vorzugehen, die womöglich Beziehungen zum Islamischen Staat (IS) unterhalten oder aber mit ihm sympathisieren.

Twitter bestätigt nun, es habe seit Februar 2016 vermehrt Konten gesperrt (235.000) – die meisten davon wegen möglicher Verbindungen zum IS. Für die vergangenen zwölf Monate beläuft sich die Zahl der gesperrten Accounts somit auf etwa 360.000.

80 Prozent mehr Sperrungen

Dieses Jahr habe man 80 Prozent mehr Konten gesperrt als noch im Vorjahr, so Twitter. Um problematische Inhalte ausfindig zu machen, setzt das Netzwerk vor allem auf Nutzerbeschwerden. Dem Unternehmen zufolge seien nun mehr Mitarbeiter mit der Aufgabe betraut, solche Meldungen zu überprüfen. So habe man die Reaktionszeit auf gemeldete Inhalte kürzen können, weshalb der Sperrvorgang zunehmend rascher vonstatten gehe.

Zusätzlich dazu benutzt Twitter eine Antispam-Technologie, die wiederholt auffällige Nutzer identifiziert – einschließlich jener, die nach der Schließung eines Accounts ein neues Profil erstellen. „Unsere Arbeit ist noch nicht getan“, betont Twitter, „auch wenn die bisherigen Maßnahmen durchgehend wichtige Ergebnisse liefern“.

Großes Lob gab es hierfür vom Counter Extremism Project (CEP). Es ermutigt das soziale Netzwerk, auch in Zukunft entschlossen gegen Terrorpropaganda vorzugehen. „Selbstverständlich werden Extremisten auch weiterhin soziale Netzwerke und andere Online-Kommunikationsplattformen nutzen, um sich zu organisieren, ihre Ideologie zu verbreiten und [zu Gewalttaten] anzustiften“, schreibt das CEP. „Die anderen sozialen Netzwerke sollten diesem Beispiel folgen und verstärkt Maßnahmen ergreifen, um ihre Nutzungsbedingungen durchzusetzen und extremistische Inhalte zu löschen.“

Gemeldete Posts

Vor einem Jahr rief Europol die EU-Meldestelle für Internetinhalte  (IRU) ins Leben. Sie soll gegen Propaganda im Netz vorgehen und die Kommunikation zwischen Terroristen im Internet unterbinden. Sind terrorverdächtige Inhalte einmal von der IRU oder einem EU-Mitgliedsstaat identifiziert, werden diese an die Netzwerke gemeldet. Diese müssen dann entscheiden, ob sie den entsprechenden Post löschen oder nicht. Die Meldungen der IRU scheinen durchaus Gewicht zu besitzen. So wurden 91,4 Prozent der von ihr beanstandeten Inhalte tatsächlich heruntergenommen.

Die neue Struktur hat offensichtlich auch die Mitgliedsstaaten dazu ermutigt, sich mehr einzubringen. Ihr Beitrag ist von etwa zehn Meldungen 2014 auf nunmehr 200 in den ersten sechs Monaten dieses Jahres angeschwollen.