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22/01/2017

Soziale Medien im EU-Parlament: Facebook ist Nummer eins

Innovation

Soziale Medien im EU-Parlament: Facebook ist Nummer eins

Die sozialen Medien, so der Tenor, haben einen Raum der Entfesselung geschaffen, in dem illiberale Werte einschließlich Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Homophobie ungezügelt propagiert werden.

mkhmarketing/Flickr

Von den elf Social-Media-Plattformen, bei denen EU-Abgeordneten Benutzerkonten hat, haben Facebook und Twitter laut einem aktuellen Bericht Top-Priorität. Die Parlamentarier entdecken zunehmend Linkedin als nützliche Plattform für sich. EurActiv Brüssel berichtet.

Das Europaparlament hat neben Facebook und Twitter Benutzerkonten bei Youtube, Foursquare, Instagram, Flickr, Pinterest, Vine, Spotify, Google+ und LinkedIn. Die einzelnen Europaabgeordneten neigen dazu, sich auf weniger Plattformen der sozialen Medien zu konzentrieren. Doch auch unter den Abgeordneten sind Facebook, das in Europa mehr als 200 Millionen Nutzer hat, am beliebtesten.

Einem heute veröffentlichten Bericht zufolge sind 663 von 751 Parlamentariern auf Facebook zu finden. 572 Abgeordnete haben einen Twitter-Account.

„Wenn ein Politiker die sozialen Medien für den Dialog und Interaktionen mit den Wählern nicht nutzt, ist das, als würde ein Schriftsteller keine Worte benutzen“, sagt der liberale schwedische Abgeordnete Fredrick Federley.

Von 100 befragten Europaabgeordneten sagten 96 Prozent, Facebook sei ihre Top-Kommunikationsplattform. Twitter folgt auf dem zweiten Platz.

Die Europaabgeordneten wollen über Facebook ihre Wählerschaft erreichen, sagt Brett Kobie, digitaler Stratege bei FleishmanHillard. Diese Beratungsagentur führte die Umfrage durch.

„Wenn Europaabgeordnete auf Twitter gehen, sprechen sie teilweise mit ihrer Wählerschaft, aber es ist wahrscheinlicher, dass sie auch mit einer breiteren Gruppe von Stakeholdern, NGOs und Medien sprechen“, so Kobie. Schwierige Politikdiskussionen würden über Twitter geführt, Facebook eher für Pressemitteilungen für Zuhause genutzt.

Das Parlament ermöglicht individuelle Trainings für beide Plattformen.

Die Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE) organisiert eigene Trainings für Google und Facebook, sagt Sprecherin Katrien Van den broeck. Es soll auch welche für Twitter und Linkedin geben. Sie seien hauptsächlich für die Assistenten im Parlament.

Van den broeck sagt, sie bringe die Europaabgeordneten auch bei Kampagnen zu den sozialen Medien auf den neuesten Stand, gebe ihnen Kommunikationstipps und Tipps für den Umgang mit Provokateuren.

„Digital zu werden ist nicht nur für die jungen Abgeordneten, sogar meine Parlamentarier im Alter von 60 und älter verstehen die Macht eines Selfies“, so Van den broeck.

Und sie nutzen zunehmend auch andere Plattformen der sozialen Medien.

Der FleishmanHillard-Bericht führt 209 Abgeordnete – 28 Prozent aller Parlamentarier – als LinkedIn-Mitglieder auf.

Kobie sieht Wachstumspotenzial für LinkedIn. 2011 waren nur 34 Prozent der Europaabgeordneten auf Twitter. Mittlerweile sind es 76 Prozent.

„Linkedin entwickelt sich als eine andere Art von Forum für die Kommunikation unter kleineren Gruppen von Stakeholdern, wo es ein gewisses Vertrauen gibt. Sie haben sich wahrscheinlich schon zuvor getroffen, vielleicht hat man Kaffee miteinander getrunken, vielleicht haben Sie sie auf Twitter gesehen und auf LinkedIn eingeladen“, so Kobie.

Dem Bericht zufolge betrachten 95 Prozent der Abgeordneten Facebook als „effektiv“ für die Kommunikation. 88 Prozent sagen das über Twitter.

87 Prozent dieser Abgeordneten bezeichneten Vier-Augen-Gespräche effektiv. Vor vier Jahren waren es noch 95 Prozent.

„Die sozialen Medien können den Wert von Vier-Augen-Gesprächen nicht ersetzen, es ist aber eine Art, neue Möglichkeiten aufzutun, neue Stakeholder zu treffen und nach diesen Treffen nachzufassen. Die sozialen Medien verändern die Art, wie Politik gemacht wird“, sagt die britische Europaabgeordnete Jude Kirton-Darling (S&D).

Die etwas negativere Sichtweise der Europaabgeordneten auf Vier-Augen-Gespräche könnte Kobie zufolge mit den strafferen Transparenzregeln zu tun haben. Funktionäre müssen Treffen mit Lobbyisten offenlegen.

Mit diesem Offenlegungsmandat seien die politischen Entscheider weniger erpicht darauf, Akteure regelmäßig zu treffen – „obwohl sie persönliche Interaktionen schätzen“, sagt Darling.

„Wenn alles offen in den sozialen Medien geschieht, ist es umso transparenter.“