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25/08/2016

Schweden hat die beste Diabetiker-Versorgung der EU

Innovation

Schweden hat die beste Diabetiker-Versorgung der EU

Schweden hat europaweit die beste Diabetesversorgung. Die osteuropäischen Länder haben noch Nachholbedarf. Foto: Steven Depolo (CC BY 2.0)

?Schweden hat im Umgang mit Diabetes europaweit das beste Gesundheitssystem. Nach Angaben des “Euro Diabetes Index” von 2014 ist das hauptsächlich auf sein besseres nationales Diabetesregister zurückzuführen. EurActiv Brüssel berichtet

Der diesjährige Euro Diabetes Index bescheinigt Schweden im Vergleich zu den anderen 27 Mitgliedsstaaten sowie Norwegen und der Schweiz die beste Leistung beim Umgang mit Diabetes. Der Index wurde am Mittwoch bei der 50. Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Wien

Die von Health Consumer Powerhouse (HCP) durchgeführte Studie beruht auf 28 festgelegten Indikatoren und Bereichen. Dazu gehören Prävention, Fallermittlung, Auswahl und Reichweite der Dienstleistungen, Zugang zu Behandlung und Versorgung, Verfahren und Ergebnissen. Demzufolge muss Schweden lediglich seine Vorsorge im Bereich “Sport bei Schulpflichtigen” verbessern.  

Die Niederlande, Dänemark und das Vereinigte Königreich folgen Schweden im Ranking. Bulgarien, Litauen und Estland landeten auf den letzten Plätzen. 

Nach Angaben des Internationalen Diabetesverbandes (IDF) hatten im vergangenen Jahr 32 Millionen Europäer oder 8,2 Prozent der EU-Bevölkerung Diabetes. Die Zahl der Erkrankten soll bis 2035 auf 38 Millionen ansteigen. Bei nur der Hälfte aller Diabeteserkrankten wurde die Krankheit auch tatsächlich diagnostiziert. 

Seine Organisation wünsche verlässliche Daten im Gesundheitswesen zur Vergrößerung der Transparenz bei der Diabetesversorgung und zur Patientenstärkung in Europa, sagte der HCP-Gründer und Vorsitzende Johan Hjertquist bei der Konferenz. 

Die Vergleichbarkeit der Länder und Teilen von “best practices” ist jedoch unmöglich – denn nur sieben der 30 Länder haben nationale Diabetesregister.

Schweden stünde nur deshalb an der Spitze, weil es den besten Versorgungszugang hätte, sagt HCP-Direktorin Beatriz Cebolla. “Natürlich haben sie ein sehr gutes System, aber sie profitieren davon, von allen 28 Indikatoren Daten zu haben”, sagt Cebolla. 

Geteiltes Europa

Man könne Europa nach der Sammlung der notwendigen Diabetesdaten in drei Regionen unterteilen: Nordeuropa, den Mittelmeeraum und Osteuropa, so Cebolla. “In Nordeuropa verstehen sie, dass es ein Diabetesproblem gibt und machen etwas dagegen. Ein sehr großer [Bevölkerungs-] Anteil hat Zugang zu Patienteninformationen, Zugang zu Ärzten, Medizin und Behandlung. Die Mittelmeerländer gingen bis zum Ausbruch der Finanzkrise gut mit Diabetes um und dann stoppte ihr ‘Enthusiasmus’. Sie haben alle einen guten Versorgungszugang, aber sie haben keine guten Register”, sagt Cebolla.

Die Länder in Osteuropa müssten hingegen noch größere Anstrengungen unternehmen. Die Patienten dort hätten keinen Zugang zu richtiger Grundversorgung und sie stünden nicht in ständigem Kontakt mit ihren Ärzten. Es gebe dort kein richtiges Management der Krankheit, so die Einschätzung Cebollas.   

Keine Daten, keine Heilung

In Österreich wird alle 50 Minuten eine neue Diabeteserkrankung festgestellt. 10.000 Menschen sterben jedes Jahr an der Krankheit, oder an einer aus ihr resultierenden Komplikation, sagt Professor Thomas Wascher, der Vorsitzende Österreichischen Diabetesgesellschaft (ÖDG). Österreich liegt im europaweiten Vergleich auf  Platz 13. Wascher zufolge hätte das Land Defizite, die durch ein nationales Register und eine Datenbank verbessert werden könnten. 

Auch Sandra Rolih, Vorstandsmitglied von IDF Europa, ist von der Wichtigkeit nationaler Diabetesregister für die Diabetikerversorgung in Europa überzeugt. Ihrer Ansicht nach wurde die Diabetesepidemie sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene größtenteils ignoriert. Mehr Einsatz sei deshalb notwendig. “Die Hälfte der europäischen Länder stellen keine halbwegs vernünftigen Daten zur Verfügung. Ich denke, wir stimmen alle darin überein, dass man darüber nachdenken muss. Wir sollten unsere Bemühungen für nationale Diabetesregister in jedem europäischen Land vereinigen”, sagt Rolih. “Weil ich dem komplett zustimme: Keine Daten, keine Heilung.”

Hintergrund

Diabetes ist eine chronische Erkrankung mit einem erhöhten Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum. Dieser hohe Blutzucker führt Symptome wie häufiges Urinieren, sowie erhöhtes Durst- und Hungergefühl herbei.

Unbehandelt kann Diabetes viele Komplikationen verursachen, zum Beispiel Herzkrankheiten, Schlaganfälle, Nierenversagen, Diabetische Fußulcera und Augenschäden. 

Nach Angaben des European Diabetes Leadership Forum (EDLF) stirbt alle zwei Minuten ein EU-Bürger an Krankheiten, die mit Diabetes in Verbindung stehen. EDLF wurde vom Pharmakonzern Novo Nordisk initiiert, um Diabetes zu einem wichtigeren Thema auf der Agenda des Bereichs öffentliche Gesundheit zu machen. 

Die Hälfte aller Diabetiker stirbt an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Diabetes ist damit die vierthäufigste Todesursache in Europa, wie EDLF-Zahlen zeigen. 10-20 Prozent sterben demnach an Nierenversagen, zehn Prozent entwickeln schwere Sehstörungen und 50 Prozent leiden an diabetischer Neuropathy. 

 

Zeitstrahl

  • 1.-3. Oktober: Gesundheitsorganisationen, Aktivisten , Europapolitiker und Industrievertreter treffen sich zum Gastein Health Forum im österreichischen Bad Hofgastein
  • 3-7. November: Diabetes Awareness Week im Europaparlament.
  • 14. November: Weltdiabetestag.