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23/01/2017

„Rosetta“-Mission: „Philae“ gibt Forschern Rätsel auf

Innovation

„Rosetta“-Mission: „Philae“ gibt Forschern Rätsel auf

Der Landeroboter "Philiae" der viel umjubelten "Rosetta"-Mission gibt den Forschern Rätsel auf.

[DLR German Aerospace Center/Flickr]

Der Fortschritt der Rosetta-Mission hat einen erheblichen Dämpfer erfahren. Seit gut eineinhalb Wochen sendet der Landeroboter „Philiae“ kein Signal mehr. Mögliche Erklärungen dafür gibt es einige, die Forscher tappen jedoch noch im Dunklen.

Der Landeroboter „Philae“ auf dem Kometen Tschuri hat sich seit der jüngsten Kontaktaufnahme vor gut eineinhalb Wochen nicht mehr gemeldet, wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Montag in Köln mitteilte. Seit Tagen arbeiten die Wissenschaftler fieberhaft daran, wieder Verbindung mitdem Minilabor aufzunehmen und seine wissenschaftlichen Instrumente einzuschalten.

Bei seiner etwas holprigen Landung auf Tschuri am 12. November 2014 war „Philae“ erst nach zwei Hüpfern und der leichten Berührung eines Felsbrockens an einer schattigen Stelle abseits des vorgesehenen Landeplatzes zum Stehen gekommen. Nach kurzer wissenschaftlicher Arbeit, die durch das „Notfallprogramm“ ermöglicht wurde, fiel das Minilabor wegen Energiemangels in einen siebenmonatigen Kälteschlaf. Erst am 13. Juni meldete sich der Lander erstmals wieder.

Zuletzt hatte sich „Philae“ am 9. Juli bei seinem Team im Lander-Kontrollzentrum des DLR gemeldet – um dann erneut in Schweigen zu verfallen. Kopfzerbrechen bereitet den DLR-Forschern der Grund für den Kontaktabbruch.

Eine Möglichkeit wäre, dass „Philae“ seine Position auf der Oberfläche des kurz Tschuri genannten Kometen 67P/Tschurjumov Gerasimenko verändert haben könnte. Denn der Zielkomet der „Rosetta“-Mission rast derzeit auf die Sonne zu und stößt große Mengen Gas und Staub aus. Diese Ausstöße könnten „Philae“ auf Tschuri ein wenig „verschoben“ haben.

„Wir haben in den bisher empfangenen Daten auch Anzeichen dafür, dass ‚Philae‘ sich bewegt haben könnte und seine Antenne dadurch womöglich mehr verdeckt oder anders ausgerichtet ist“, erklärte der „Philae“-Projektleiter Stephan Ulamec vom DLR. Möglich ist demnach auch, dass nicht nur eine der beiden Empfangseinheiten des Landers beschädigt ist, sondern auch eine der beiden Sendeeinheiten nicht fehlerlos arbeitet.

An einem baugleichen „Philae“-Modell im Kölner DLR testen die Ingenieure nun verschiedene Kommandos, mit denen sie das kühlschrankgroße „Philae“-Landegerät aktivieren wollen. Erprobt wird an dem Bodenmodell auch die Aktivierung eines „Arbeitspakets“, das bereits im November 2014 nach der Landung von „Philae“ auf dem Kometen erfolgreich ausgeführt wurde und da in dem Lander noch gespeichert ist. Damals hatte das DLR-Team den Landeroboter mit einer Art „Notfallprogramm“ versorgt, damit er fünf Instrumente in Betrieb nehmen konnte.

Aufgeben wollen die Wissenschaftler „Philae“ jedenfalls nicht. „Er ist offensichtlich immer noch funktionsfähig, denn er schickt uns immer wieder Daten, wenn auch in unregelmäßigen Abständen und zu überraschenden Zeitpunkten“, unterstrich Ulamec. „Es gab bereits mehrmals die Befürchtung, der Lander bliebe ausgeschaltet – aber er hat uns immer wieder eines Besseren belehrt.“

Tschuri steuert derzeit mit Philae auf seiner Oberfläche auf den sonnennächsten Punkt seiner Bahn zu, den er am 13. August erreichen wird. Begleitet wird der Komet von der „Rosetta“-Muttersonde im Orbit. Diese muss allerdings wegen Gas- und Staubausstöße von Tschuri einen Abstand von fast 200 Kilometern einhalten.